Ausbildung zum Gleitschirmpiloten

Vom Fußgänger zum Piloten

Das Gleitschirmfliegen ist eine relativ leicht und schnell zu erlernende Flugsportart. Man braucht jedoch Disziplin und Ausdauer, um ein guter Pilot zu werden.

Die Ausbildung zum Gleitschirmpiloten ähnelt bezüglich ihrer Bestandteile und ihrem Aufbau sehr der im Drachenfliegen bzw. umgekehrt. Dies ist neben den Gemeinsamkeiten in der historischen Entwicklung der beiden Fluggeräte ein weiterer Punkt, welcher das gegenseitige Verwandtschaftsverhältnis der beiden Sportarten bezeugt.

Der Einstieg: Tandemflug, Schnupper- oder Grundkurs

Wer sich noch unsicher ist, ob das Gleitschirmfliegen das Richtige für ihn ist, dem bieten die meisten Flugschulen so genannte Schnuppertage an. Dabei kann man sich grundlegend mit dem Fluggerät vertraut machen sowie ein Gefühl für den Sport entwickeln.

Dazu wäre natürlich auch ein Tandemflug mit einem erfahrenen Gleitschirmpiloten geeignet: Hierbei hängt man zusammen mit dem Fluglehrer im Gurtzeug und schwebt nach dem Start gemeinsam an einem speziell dafür ausgelegten Gleitschirm der Erde entgegen.

Wer direkt einsteigen und loslegen möchte, beginnt direkt mit dem Grundkurs. Eventuell bereits absolvierte Schnuppertage werden an den meisten Flugschulen sowohl finanziell als auch zeitlich auf die Basisschulung angerechnet, so dass sich der Kursbeitrag und eventuell auch die Ausbildungszeit entsprechend verkürzt.

Bestandteile der Ausbildung

Die Grundausbildung beginnt meist mit einer mehr oder weniger intensiven Einweisung durch den oder die Fluglehrer und dann geht es direkt in die Praxis. Das Aufziehen des Schirms und Startübungen gehören zum Basisrepertoire, bevor man kleinere Flüge machen kann. All das findet zunächst im Flachen und am Übungshang statt. In den weiteren Unterrichtseinheiten der folgenden Tage werden die Übungen dann intensiviert und ausgebaut.

Zentrale Bestandteile sind vor allem das Starten, Steuern und Landen. Immer unter Aufsicht und mit geringem Bodenabstand werden die ersten vier bis sieben Tage auf diese Weise bestritten. Mit diesen praktischen Übungen wird bereits das Fundament für die Höhenflugschulung am Berg gelegt. Nach dem Grundkurs ist der Schüler bereits in der Lage, seinen Gleitschirm beim Start, im Kurvenflug und bei der Landung sicher zu beherrschen.

In der sich anschließenden Phase der zu absolvierenden Höhenflüge, die entweder direkt im Anschluss an einen Grundkurs oder später nach eventuell notwendigem Auffrischen der bisherigen Kenntnisse stattfinden kann, wird die Schulung fortgesetzt. Bei den Höhenflügen ist man das erste Mal richtig auf sich alleine gestellt, aber natürlich mit professioneller Betreuung am Start- und Landeplatz sowie Funkunterstützung. Auch an diesem Punkt der Ausbildung ist ein Tandemflug mit dem Lehrer sinnvoll und möglich, um sich an die Höhendifferenz zu gewöhnen.

Es werden insgesamt mindestens 40 Höhenflüge benötigt, um die entsprechende Erfahrung für die Prüfung nachzuweisen. Trainiert werden die punktgenaue Landung sowie verschiedene Flugmanöver bis hin zur Simulation der anstehen Prüfungsflüge zur Erlangung des Luftfahrerscheins. Bei entsprechender Eignung kann man sich auf der Basis des bisher gesammelten Könnens bereits an diesem Punkt der Ausbildung den Höhenflugausweis ausstellen lassen, welcher das selbstständige Fliegen im Schulungsgebiet ermöglicht.

Begleitend zur praktischen Ausbildung finden sowohl während des Grundkurses und vor allem parallel zur Höhenflugschulung Theoriekurse statt. Vermittelt werden vertiefende Kenntnisse in Aerodynamik, Flugsicherheit und Luftrecht, Technik, Flugtechnik und Wetterkunde. Insgesamt sind bis zur Ablegung der Prüfung zum Luftfahrerschein 25 Theoriestunden mit je 45 Minuten Zeitdauer obligatorisch.

Ausbildung im Flachland

Auch in denjenigen Gegenden Deutschlands, in denen mangels bergiger Landschaften das Fliegen vermeintlich unmöglich ist, kann man in die Ausbildung zum Gleitschirmpiloten einsteigen. Mittlerweile bieten recht viele Flugschulen im Flachland ihre Dienste an, ein Blick in die Flugschuldatenbank des DHV (Deutscher Hängegleiterverband e.V.) bringt Gewissheit, ob auch in der Nähe des eigenen Wohnortes Ausbildungsmöglichkeiten bestehen.

Im Flachen werden die Starts mittels einer motorgetriebenen Seilwinde durchgeführt, deren Beherrschung noch einmal neue Kompetenzen neben den rein fliegerischen Fertigkeiten am Sportgerät erfordert. Nach Startübungen ohne Winde wird man das erste Mal angeschleppt, jedoch mit zunächst nur geringem Seilzug und einer niedrigen Ausklinkhöhe. Beherrscht man die Grundlagen, werden die Höhen Schritt für Schritt gesteigert und weitere Flug- und Landemanöver trainiert.

Kosten

Die Kosten inklusive der Prüfungsgebühren für das Ablegen des Luftfahrerscheins liegen bis zu diesem Punkt der Ausbildung bei ca. 750 bis 1000 Euro. Dabei sind Leihgebühr für Gurtzeug, Helm, Funk und Notfallgerät sowie eine Haftpflichtversicherung enthalten. Eine komplette Ausrüstung in gutem gebrauchten Zustand schlägt mit 1000 bis 2000 Euro zu Buche, ihr Besitz ist allerdings bis zur Prüfung nicht unbedingt notwendig.

Jan Roloff - Als Autor bei Suite101.de verbindet Jan Roloff seine Profession mit der Passion für Sprache, Texte und spannende Themen. Er hat ...

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