Die chinesische Oper als monumentales interdisziplinäres Bühnenwerk entwickelte sich schon zu Beginn des 8. Jahrhunderts während der Tang-Dynastie, als Kaiser Xuanzong die erste berühmte chinesische Operntruppe, den Birnengarten, ins Leben rief.

Von den vielen regionalen Unterarten, deren Werke bis ins frühe 20. Jahrhundert mündlich überliefert wurden, etablierte sich schließlich die Pekingoper als heute bekannteste Form. Viele ihrer etwa 1000 Werke werden im modernen China seit den späten 1970er Jahren wieder bewusst gepflegt und fortgeführt.

Blütezeiten der Pekingoper vor Boxeraufstand und Kulturrevolution

Die Pekingoper entwickelte sich ab 1790, als kaiserliche Gesandte auf der Suche nach Darstellern für eine Aufführung zum 80. Geburtstag des Kaisers Qianlong durch verschiedene Provinzen des Landes zogen. Von den in mehreren Regionen rekrutierten Nachwuchsdarstellern blieben die beliebtesten nach den Festlichkeiten in Beijing und kreierten die Opernform, die über die Stadtgrenzen hinaus in ganz China populär wurde.

Bis um das Jahr 1900 erfreute sich die Pekingoper vor allem wegen des berühmten Schauspielers Cheng Changgeng in einer ersten Ära großer Beliebtheit, die mit dessen Tod 1880 spürbar abebbte und schließlich durch den Boxeraufstand 1900 endgültig verklang.

In den 1920er Jahren verhalf eine weitere charismatische Figur, der Schauspieler Mei Lanfang, der Kunstform zu neuer Popularität und machte sie zunächst in Japan und später sogar in Europa bekannt.

Im Zuge der Kulturrevolution ab 1966 verschwand jedoch die traditionelle Oper für 10 Jahre restlos von der Bildfläche, erst ab 1977 wurde eine Rückbesinnung auf die alten kulturellen Werte wieder möglich.

Synthese aus Musik, Schauspiel, Pantomime, Tanz und Kampfkunst

Die Pekingoper vereint – ebenso wie andere Arten der chinesischen Oper – musikalische Elemente und Schauspiel mit weiteren Darstellungskünsten. So gehören Pantomimen, Sprechgesänge, Kampfkunsteinlagen und Tanz in vielen traditionellen Aufführungen dazu.

Der zugrunde liegende Stoff behandelt ähnlich dem mitteleuropäischen Sagen- und Märchenschatz meistens allgemein bekannte Geschichten, in denen Prinzessinnen, Könige, Bettler, Bösewichter und Helden ihren Platz finden. Eine traditionelle Oper kann sich über mehrere Tage erstrecken und aus über 100 Akten bestehen. In den früheren Jahrhunderten erfüllte die Kunstform daher eine Funktion als unterhaltendes Beiwerk, während die Zuschauer aßen und Tee tranken, sich unterhielten oder den Bühnenraum zwischendurch verließen.

In den heutigen Inszenierungen, die zumeist auf 3 bis 4stündige Dauer gekürzt sind, werden hingegen häufig Einzelszenen aus verschiedenen beliebten Opern als Potpourri aufgeführt.

Symbolik der bemalten Masken, Kostüme und Requisiten

Da sich die bekannten Geschichten für den einheimischen Zuschauer fast von selbst verstehen, erfordern sie kein aufwendiges Bühnenbild und keine detailgetreuen Requisiten. Viele Gegebenheiten oder Tätigkeiten werden durch Symbole dargestellt, wenn zum Beispiel jemand eine Peitsche in der Hand hält, muss sich der Zuschauer ein Pferd hinzudenken, ein Paddel bedeutet eine Bootsfahrt auf dem Wasser.

Das traditionell allein aus Tisch und Stühlen bestehende Bühnenbild kann mehrere Schauplätze durch unterschiedliche Anordnung der Möbel darstellen – je nachdem, ob die Stühle dicht am Tisch stehen oder ein Stuhl am Bühnenausgang platziert ist, befinden sich die Schauspieler etwa im Inneren eines Hauses oder im Freien.

Die festgelegten Rollen, die in der Pekingoper in vier Grundtypen eingeteilt werden, erhalten weitere charakteristische Eigenheiten durch die kunstvoll geschminkten Masken und Kostüme, deren Farben und Schnitte für Eingeweihte ausdrucksstarken Symbolcharakter besitzen.

Während Rot für einen gutartigen und heldenhaften Charakter steht, signalisiert Schwarz einen roheren Typus. Blau bedeutet wilde Unentschlossenheit, Grün Unbeständigkeit, und mit Orange und Grau werden alte Menschen dargestellt. Gold ist schließlich den vielen Göttern, Geistern und sonstigen übermenschlichen Wesen vorbehalten.

Noch feinere Untergliederungen der Charaktereigenschaften und gesellschaftlichen Positionen der Figuren werden durch eine Vielzahl von Bärten, Kopfbedeckungen, Frisuren und Kleidermustern gekennzeichnet.

Gesang und Instrumentierung: Flöten, Streichinstrumente und Schlaginstrumente

Während in den ersten Jahrzehnten der Pekingoper die Instrumentierung nur aus zwei Flöten als Begleitung zum Gesang bestand, haben bis heute fast alle Instrumentenfamilien Einzug gehalten.

Flöten fungieren weiterhin als zweiter Melodieträger nach den Singstimmen. Ein wichtiges heutiges Begleitinstrument ist außerdem die Erhu, ein zweisaitiges Streichinstrument, das zur Familie der Seideninstrumente zählt, da die heute aus Metall gefertigten Saiten traditionell aus Seide hergestellt wurden. Das im Quintabstand gestimmte Instrument wird häufig von ähnlichen tiefer klingenden Huqin unterstützt.

Aus der Familie der Blasinstrumente kommt oft die Sheng, eine Mundorgel aus Bambus, zum Einsatz, dazu wird die lautenähnliche Yueqin, die auch als Mondgitarre bekannt ist, gezupft. Gongs und Schlaginstrumente aller Formen und Größen runden die musikalische Gesangsunterstützung ab und kommen auch allein als Rhythmusinstrumente während akrobatischer Einlagen zum Zuge.

Schließlich bildet der Gesang den Schwerpunkt einer jeden Pekingoper, die nicht in erster Linie gesehen, sondern gehört werden will. Gesang in unzähligen Stilrichtungen und Traditionen unterstreicht alle thematischen Höhepunkte und bringt als roter Faden die nötige Struktur in das Gesamtkonzept.