Ausflüge von Alanya nach Gazipasa, Sapadere und zur Dim-Höhle

Ein türkisches Mittagessen am Strand von Gazipasa - Uwe Wolfrum
Ein türkisches Mittagessen am Strand von Gazipasa - Uwe Wolfrum
Im Osten der türkischen Urlaubsmetropole Alanya findet man versteckte Sehenswürdigkeiten, Denkmäler und Naturschönheiten jenseits des Massentourismus.

Verbringt man einen Urlaub am türkischen Badeort Alanya, sollte man gerade in der Vor- und Nachsaison für einen Tag mit einem Mietwagen einen Ausflug ins Umland unternehmen. Entlang der Schnellstraße an der Mittelmeerküste Richtung Osten gelangt man schnell aus der belebten Stadt an der türkischen Riviera zu einigen abgelegenen Sehenswürdigkeiten, die die Schönheit dieser Region zwischen Natur, Kultur, Tradition und Tourismus dokumentieren.

Fährt man nach einer Strecke von ca. 15 bis 20 Kilometern links ab, erreicht man die Ausläufer des Taurusgebirges, das sich unweit der Küste entlang an Touristenorten wie Side, Manavgat und Alanya erstreckt.

Zuerst passiert man futuristische, bunte Hotelbauten für russische Urlauber, die wie aus Euro Disney entsprungen aussehen. Das am Straßenrand auch mal eine Einheimische mit Kopftuch samt beladenem Packesel auf der Standspur wandert, verstärkt den surrealistischen Eindruck.

Die eindrucksvolle Dim-Tropfsteinhöhle im Taurusgebirge

Mittels schlechten Hinweisschildern fährt man in die Höhen des einsamen Taurusgebirges und des 1.649 Meter hohen Berges Cebel-i Reis zwischen schroffen Berghängen, Schluchten und üppiger Vegetation. Verpasst man die richtigen Abzweigungen nicht, kommt man auf einen Parkplatz auf einem Felsplateau, auf dem sich der Eingang der Dim-Höhle befindet.

Diese Tropfsteinhöhle wurde erst 1997 entdeckt und ist seit 1999 für Touristen gegen eine geringe Gebühr zugänglich. Mittels Holzstegen und Metalltreppen bewegt man sich abwärts in die faszinierende Tiefenwelt dieser engen, bunt ausgeleuchteten Höhle, die eine einmalige Akustik und wunderschöne Tropfsteine aufweist. In der Hochsaison sitzt hier ein Flötenspieler, der die klare Akustik durch sein Spiel demonstriert.

230 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, bewegt man sich vorsichtig entlang fantastisch anmutender Stalagmiten und Stalaktiten, deren märchenhafte Formen und Farben an die Kulissen einen Science-Fiction-Films erinnern und ihnen assoziative Namen gegeben haben – von einem Wasserfall über Tiere bis zur Mutter mit Kind.

Der Dim-Fluss – kulinarische Pausenplätze hinter Alanya

Nach 400 Metern mit unterirdischen Stiegen und Holzplanken kommt man am Ende der Höhle an einen kleinen, unterirdischen See, bevor man den Rückmarsch antritt. Bei der hohen Luftfeuchtigkeit der eine Millionen Jahre alten Tropfsteinhöhle, die das ganze Jahr über zugänglich ist, freut man sich wieder auf frische Luft und Sonnenlicht.

Zur Erholung lohnt sich danach ein Trip entlang des nahen Dim-Flusses. Eingehüllt in die Kühle zwischen reißendem Fluss und üppiger Vegetation kann man sich gerade an heißen Urlaubstagen bei 40 Grad im Schatten abkühlen und relaxen. Viele Picknick-Restaurants bieten frische Fisch- und Grillfleischgerichte, aber das wilde Gestikulieren der aufdringlichen Koberer an jedem Restaurant schreckt viele Besucher ab.

Der Dim-Fluss entspringt circa 45 km im Süden des Taurusgebirges und etwa 200 km südlich von Konya und mündet sechs Kilometer östlich von Alanya im Mittelmeer. Einen guten Kilometer oberhalb des kleinen Bergdorfes Dimalacami entspringt er in einem wunderschönen Wasserfall.

Früher hatte der Fluss eine hohe wirtschaftliche Bedeutung für die Landwirtschaft, die Bananenzucht und die Forellenfischerei, aber heute befriedigt der malerische Flusslauf mit seinen Bäumen und Orangenhainen vornehmlich touristische Bedürfnisse.

Der nicht ganz so dichte Dim-Staudamm von Alanya

Erspart man sich die Open-Air-Restaurants, kommt man nach wenigen Kilometern Fahrt auf der staubigen Piste und fünf Kilometer von der Flussmündung entfernt, an den Dim-Staudamm. Dieser soll Alanya mit Trinkwasser versorgen, die unzureichende Stromversorgung verbessern und den Wasserstand des Flusses regulieren.

Das 20 Tonnen schwere, eindrucksvolle Konstrukt, das erst im Januar 2009 eingeweiht worden ist, geriet schon im März darauf in die Schlagzeilen, weil es nach ergiebigen Niederschlägen unter dem Druck der Wassermassen brach. Daraufhin mussten die umliegenden Wohngebiete geräumt werden. Seitdem wird der Staudamm nachgebessert.

Als nächstes Ziel lohnt sich ein Besuch in der schönen Kleinstadt Gazipasa. Hier verläuft das Leben noch unbefleckter von den zahlreichen Hotels des Tourismus in Alanya, und man kann sich die nachts beleuchtete Burg oder die nahe antike Stadt Iotape mit ihren Ruinen ansehen.

Paradiesische Erholung am Strand von Gazipasa

Ebenso schön ist der helle Sandstrand mit Holzbungalows, Picknickplätzen und Strandrestaurants, der gerade außerhalb der Hochsaison besonders einladend ist. Der kleine Stadtstrand, an dem derzeit ein neuer Yachthafen entsteht, lädt zum Verweilen und Essen ein.

Und wenn man im Biergarten eines der spartanischen Restaurants günstige türkische Gerichte wie Köfte, Kebab, Fisch, scharfes Gemüse und Reis mit kühlender Yoghurtsauce samt einem Ayran oder Efes-Bier im Schatten der Zypressen und Olivenbäume verzehrt und den Blick auf das ruhige Mittelmeer genießt, kommt man sich fast wie im Paradies vor.

Ist man nach diesem Abstecher noch nicht zu spät dran, kann man noch zum Bergdörfchen Sapadere samt seiner eindrucksvollen Schluchten fahren. Das Dorf liegt 48 km nordöstlich vom Alanya und 20 km oberhalb der Kleinstadt Demirtas. Die gut 1.000 Einwohnern ernähren sich von Landwirtschaft, Tierzucht, Erdnussanbau und der Seidenraupenzucht, was das Örtchen gerade im Sommer zum beliebten Ausflugsziel macht.

Die abenteuerliche Serpentinen-Bergfahrt nach Sapadere

Der Weg dorthin verschlägt einen bergauf über staubige, einsame Serpentinen, wilde Schluchten und durch Nadelbaum- und Eichenwälder. Auch wenn der Weg eine gefühlte Ewigkeit dauert und man öfters Hinweisschilder vermisst, lohnt sich der Trip alleine schon wegen der wilden Natur.

Hinter dem Bergort mit seinem auffallend mediterranen Klima kommt man im dichten Wald an ein Ausflugsrestaurant, dem sich der begehbare Sapadere-Canyon anschließt. Gegen eine Gebühr von knapp drei Euro kann man die schroffe, eindrucksvolle Schlucht seit 2007 über einen Holzplankengang beschreiten.

Ganz ohne Bergsteigerausrüstung und Wanderschuhe erkundet man diesen Canyon, durch den ein kleiner Bergfluss fließt, der erst unterhalb des Dorfes umgeleitet wird. In der Schlucht kann man an einigen Stellen zum Picknick pausieren oder in einer urigen Canyon-Bar unterhalb einer steilen Felswand ein Getränk genießen.

Bademöglichkeiten inmitten der Berge – der Canyon von Sapadere

Wer sich im Hochsommer richtig abkühlen möchte, kann über Treppenstufen hinunter zum Fluss steigen und dort baden. Selbst bei größter Hitze liegt die Wassertemperatur selten über 12 Grad Celsius. Am Ende des Gangways erwarten den Besucher ein ansehnlicher Wasserfall und weitere Bademöglichkeiten.

Neben den steilen Felswänden, die hervorragende Fotomotive darstellen, gedeihen hier seltene Pflanzen, und Fische, Eidechsen und seltene Singvögel bereichern das Naturspektakel.

Alle genannten Reiseziele sind auch mit dem Taxi oder mit geführten Busausflügen erreichbar und lohnen sich auf jeden Fall für eine Reise zu den Sehenswürdigkeiten von Alanya abseits des Burgbergs, des Roten Turms und des Kleopatra-Strandes.

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Uwe Wolfrum, Uwe Wolfrum

Uwe Wolfrum - Geboren 1967 in Oberfranken, aufgewachsen in Hessen, gestrandet in Hamburg. Studium der Germanistik, Medienwissenschaften, Anglistik und ...

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