Ausflug in die Gegend um El Chorro

Bei den Stauseen des Guadalhorce in Andalusien

Felsenkirche Bobastro - Veronica Frenzel
Felsenkirche Bobastro - Veronica Frenzel
Ardales und El Chorro verstecken sich in einer für Andalusien untypischen Landschaft: Es gibt riesige Stauseen und viel Grün. Zu Fuss lässt sich die Gegend gut erkunden

Verschlungene Pfade und Wege, die durch grünes Dickicht zu geheimnisvollen und historischen Plätzen führen oder in einer wilden Naturlandschaft enden: das erwartet den Besucher in der Gegend von Ardales und den Stauseen des Rio Guadalhorce. Bei einem Ausflug in die Gegend stehen atemberaubende Blicke in tiefe Schluchten, grüne Üppigkeit der Landschaft um die Stauseen bei Ardales und eine historische Entdeckungstour einer mittelalterlichen Kirche auf dem Programm.

Die erste Etappe der Tour ist El Chorro. Von Malaga kommend führt die alte Kreisstraße Richtung Antequera in das Dörfchen Álora. Von dort aus erstreckt sie sich weiter nach El Chorro. Die Siedlung entstand für die Arbeiter, die das Wasserkraftwerk Conde del Guadalhorce am Anfang des vergangenen Jahrhunderts bauten. Die Arbeiter gelangten über eine kleine Eisenbrücke, die an den Felsen festgemacht wurde, zu ihrem Arbeitsplatz, dem Staudamm. „El Caminito del Rey" nennt sich die gewagte Eisenkonstruktion. Sie führt auch heute noch zu den dahinter gelegenen Stauseen. Zur Zeit ist sie nicht zugänglich, da die Einsturzgefahr zu hoch ist, aber laut Junta de Andalucia wird der Weg bald wieder begehbar sein. Es lohnt sich dennoch, aus dem Auto zu steigen und einen Blick auf die Schlucht der Talsperre von El Chorro zu werfen. Die Schlucht, die der Rio Guadalhorce über Jahrmillionen in das Gestein gegraben hat, wird auch „Desfiladero de los Gaitanos" genannt. Hinter der Schlucht beginnen die Felsformationen des Naturparks.

Am Straßenrand gibt es immer wieder die Möglichkeit, anzuhalten und kleinen Pfaden in das grüne Dickicht zu folgen. Direkt hinter El Chorro, zwischen dem Staudamm von Guadalhorce und dem Stausee, biegt man neben dem Restaurant „El kiosquo" in einen Pfad ein, der sich gute drei Kilometer sanft nach oben schraubt und schließlich einen Blick auf den darunter gelegenen Staudamm freigibt. Nicht weit von dem Gasthaus liegt außerdem die Casa del Ingeniero, ein kleiner Palast, der im Wasser des Guadalhorce auf einer kleinen Insel thront. Den Blick auf die ruhige und artenreiche Seenlandschaft von einem der Ufer aus zu genießen, ist die gemütliche Alternative zu den Wanderwegen.

Eine mozarabische Felsenkirche

Die Straße führt weiter nach Ardales. Auf dem Weg zu dem mittelalterlichen Städtchen, lässt der Besucher den Wagen nach circa drei Kilometern stehen und folgt einem kleinen Weg, der linker Hand zu den Ruinen einer mozarabischen Felsenkirche führt, Las Ruinas de Bobastro. Vorsicht, denn der Weg ist nicht gut ausgeschildert. Zu Beginn steigt der Pfad über alte Steinstufen an und teilt sich anschließend in zwei Abzweigungen. Die linke führt zu den Ruinen der Kirche und einer Einsiedelei. Christen, die nach der maurischen Eroberung in muslimischem Gebiet wohnten, erbauten die Kirche im neunten und zehnten Jahrhundert umgeben von dichter Vegetation. Die Kirche und die Einsiedelei sind komplett aus dem Felsen gehauen. Heute sind noch die Grundrisse der Basilika erhalten. Die drei Kirchenschiffe mit Rundbögen der ehemaligen Kirchenanlage kann man außerdem in den Ruinen erahnen.

Das mittelalterliche Ardales

Zurück auf der Straße fährt man weiter Richtung Ardales. Die Stauseen Conde del Guadalhorce, Guadalteba und Guadalhorce glitzern neben der Straße im Sonnenlicht. Dem Städtchen ist eine maurische Burganlage vorgelagert. Auf knapp 500 Metern Höhe beherrscht das Kastell den zu seinen Füßen errichteten Ortskern. Gegen Ende des neunten Jahrhunderts erbauten Mitglieder der maurischen Omeya Dynastie die Festung. Als die Christen im 13 Jahrhundert die Gegend des Guadalquivir zurückeroberten, erlangte die Burg von Ardales neue Bedeutung als wichtiger Verteidigungsposten. Denn die Stadt stellte das Grenzgebiet zwischen Kastilien und dem Königreich der Nazarenern dar. Bis zu ihrer endgültigen Rückeroberung wechselte die Burg mehrmals den Besitzer.

In unmittelbarer Nähe der Burg befindet sich Cueva de Ardales, eine Höhle, die 1821 entdeckt wurde. Ein Besuch lohnt sich, muss allerdings vorher angemeldet werden. Ein ein Kilometer langer Gang führt zu verschiedenen Sälen, einem Labyrinth aus Seen und wunderschönen Formationen aus Stalagmiten und Stalaktiten. Ein Höhepunkt der Höhle sind die Felsenzeichnungen und Ritzungen aus der Spätsteinzeit, von vor etwa 20 000 Jahren. Anschließend durchfährt man das Dreiseengebiet Richtung Campanillos oder schlägt den Heimweg ein.

Ein Besuch der Gegend ist besonders im September empfehlenswert, wenn die „Feria Grande" des Dorfes im Gange ist. Die Gläubigen tragen die Virgen Villaverde zur Talsperre des Guadalhorce. Auf dem Weg streuen die Wallfahrenden duftenden Rosmarin und singen traditionelle Lieder. Zu jeder Jahreszeit allerdings hat man sich nach den Besichtigungen und den Wanderungen die „galleta de almendra", Mandelplätzchen, oder die „Torta de Aceite", eine Torte aus Olivenöl, verdient.

Veronica Frenzel, Veronica Frenzel

Veronica Frenzel - Seit fünf Jahren arbeitet Veronica Frenzel als freie Journalistin in Málaga, Andalusien. Für das Reisejournal der Westdeutschen ...

rss