Ausflug mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen? Wheelmap hilft

Ein Fall für Wheelmap - Melanie Wehnert / Sozialhelden
Ein Fall für Wheelmap - Melanie Wehnert / Sozialhelden
Mobilitätseingeschränkte Menschen bekommen durch Wheelmap Unterstützung. Die Karte bietet Stadtpläne mit der Kennzeichnung von rollstuhlgerechten Orten.

Mal eben für einen Ausflug ins Grüne? Spontane Städtereise am Wochenende? Auf ein Bier in die Kneipe beim Freund um die Ecke? Zum Grillen in den Park? Was sich für viele Menschen äußerst verlockend anhört, ist für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, in der Regel eine logistische Meisterleistung, denn für sie ist es ganz normaler Alltag, permanent behindert zu werden. Das geschieht in der Regel nicht mit Absicht, hat aber für die Betroffenen trotzdem weitreichende Konsequenzen. Wenn man auf einen Rollstuhl oder einen Rollator angewiesen ist, kann man sich nicht mal eben so an einen Ort seiner Wahl begeben, selbst mit einem Kinderwagen kann das schon schwierig werden, denn alles, was Räder hat, hat Probleme mit Treppen und Stufen. Also bleibt nur, auf die bekannten beziehungsweise bewährten Ziele und die Wege dorthin auszuweichen und zu hoffen, dass sich dort nichts verändert hat. Klingt öde? Das finden die Betroffenen auch.

Wenn Menschen mit Behinderung sich frei bewegen wollen

Menschen mit Behinderungen, die ihren Tagesablauf gerne selbstständig und frei gestalten wollen, stoßen schnell an Grenzen. Raul Krauthausen ist so einer, von Geburt an in seiner Mobilität eingeschränkt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Er verfügt aber glücklicherweise über genug Erfindergeist und Phantasie, um auf eine so bahnbrechende wie einfache Idee zu kommen: "Wenn es 1,6 Millionen Rollstuhlfahrer gibt, allein in Deutschland, dann heißt das doch, dass es auch 1,6 Millionen Menschen gibt, die rollstuhlgerechte Orte kennen." Und genau diese verblüffend einfache Einsicht weiß er sinnvoll zu verwerten. Unter dem Dach der Sozialhelden e.V., einem Zusammenschluss von Menschen mit Mut, Engagement und Überzeugung schiebt er im Sommer 2010 die Entwicklung von Wheelmap an, einer Landkarte für rollstuhlgerechte Orte. Die auf OpenStreetMap basierende Karte ist eine freie und editierbare Variante der gesamten Weltdigitalen Open Source-Karte, jeder kann hier nach Orten suchen und zu diesen immer dann Informationen finden, wenn sie schon von einem anderen Nutzer bewertet wurden. Wer sich im System registriert, kann zudem auch, nach dem Prinzip von Wikipedia, selbst neue Orte anlegen und deren Rollstuhlfähigkeit mit einem Ampelsystem kennzeichnen, zum Nutzen aller.

Die Betroffenen machen sich ihre Karte selbst

Menschen mit mobilitätseinschränkenden Behinderungen wissen in der Regel am besten, worauf es ankommt, wenn sie sich in der Welt bewegen, das macht Wheelmap so wertvoll. Vielen Fußgängern fällt zwar noch auf, ob es eine Stufe am Eingang gibt oder gar mehreren Treppen oder einen Fahrstuhl, aber das ist längst nicht alles. Für eine Rollstuhlfähigkeit braucht es gelegentlich auch mehr Platz zum Wenden, eine flexible Gestaltung der Möblierung, breitere Türen, angepasste Sanitärräume und manchmal auch nur clevere Köpfe. Wenn die Räume eines Cafés beispielsweise zwar rollstuhlfähig, diese aber für mobilitätseingeschränkte Menschen nur über die Terrasse zugänglich sind, ist es eine äußerst hilfreiche Information, ob die Betreiber das gerne ermöglichen und dafür auf Anfrage auch den Weg freiräumen oder auch nicht.

Große Mobilitätsanbieter wie die Bahn oder auch Fluglinien sind längst darauf eingestellt, dass auch Menschen mit Behinderungen reisen und halten dafür spezielle Angebote bereit, Wheelmap schließt hier aber die letzte Lücke, denn oft entscheiden die letzten Meter, ob ein Ziel tatsächlich erreichbar ist oder nicht.

Wheelmap ist weltweit verfügbar

Technisch gesehen ist Wheelmap weltweit verfügbar. Zur Zeit sind die meisten Orte aber in Deutschland, der Schweiz und in Österreich verzeichnet, am 16. Februar 2012 waren es 202.946 markierte Orte, es kommen täglich etwa 100 Einträge hinzu. Wheelmap gibt es derzeit in zwölf Sprachen (Dänisch, Deutsch, Griechisch, Englisch, Spanisch, Französisch, Isländisch, Italienisch, Japanisch, Schwedisch, Türkisch und Koreanisch) und für Star-Trek-Fans auch in Klingonisch, weitere Sprachen sollen folgen. Das interaktive Portal ist dabei vom Erfinder als eine Art Navigationshilfe gedacht, das fortwährend aktualisiert wird, was auch sinnvoll ist, da sich einmal gemachte Erfahrungen mit der Barierrefreiheit von Orten ja auch ändern können.

Wheelmap ist seit September 2010 über eine Internetseite erreichbar, seit November 2010 aber auch für mobile Endgeräte verfügbar, die Wheelmap-App für Smartphones erlaubt nicht nur das Zugreifen auf die Daten an Ort und Stelle, sondern auch das Einfügen eigener Bewertungen, leicht und auch für Menschen machbar, die keine ausgemachten Technikfreaks sind. So steht einem Ausflug nichts mehr im Wege, egal, ob es in den Biergarten um die Ecke geht, auf eine Städtereise, zu typischen Touristenzielen wie zum Beispiel dem Skywalk Allgäu oder zum Grillen in den Park.

Bildnachweis: © Melanie Wehnert / Sozialhelden

Manuela Käselau, www.valeriewagner.de

Manuela Käselau - Schreiben zu können fand ich gleich nach dem Erlernen desselben eine prima Sache. Und mit der Anwendung hat es dann auch gleich recht ...

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