Nach dem Desaster der Loveparade 2010 wird das Duisburg-Marketing wohl lange brauchen, um die Stadt aus der seit den Schimanski-Tatorten verfestigten Schmuddelecke herauszubekommen.

Duisburg am Rhein

Dabei ist Duisburg eine schöne Stadt - sowohl zum Wohnen wie auch als Ausflugs- oder Städtereiseziel. Das hängt zum einen damit zusammen, dass Duisburg - wie das trendige Düsseldorf und das kultige Köln - am Rhein liegt, was häufig vergessen wird. Der Rhein ist auch in Duisburg ideal für eine Schifffahrt und Fahrradtour und ein beliebtes Ausflugsziel, nicht nur für Hunde, die dann wie Herrchen und Frauchen darin baden können.

Duisburg - Hafenstadt

Das heißt nicht, dass Duisburg ein idyllisches Dorf inmitten von blühenden Landschaften wäre. Das ist es nicht, ebenso nicht wie Düsseldorf und Köln. Hier wird gearbeitet, in der Thyssen-Stahlhütte Bruckhausen zum Beispiel.

Und Duisburg hat - anders als D-dorf und Köln - einen richtigen Hafen, den größten Binnenhafen Europas, der eine Hafenrundfahrt wert ist, denn er hat sich stark entwickelt, seitdem die EU und mit ihr die BRD einen Politikumschwung vollzogen haben.

In den 1980er Jahren wie das gesamte Revier fast bankrott, ist der Duisburger Hafen inzwischen zu einem Boomsektor in Duisburg und der gesamten Region geworden. Wegen seiner Lage mitten in Europa am Rand des Ruhrgebiets ist er wichtiger Hinterland-Hub (Verteilzentrum) der Seehäfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen und mit seinen trimodalen Terminals Knotenpunkt zwischen den drei Verkehrsmitteln Straße, Schiene, Schiff (tri=drei).

Was die EU-Verkehrspolitik mit dem Duisburger Hafen zu tun hat

Was viele aber nicht wissen: Ohne die EU wären die meisten deutschen Häfen pleite. Die EU fördert seit den 1990er Jahren massiv die Binnenschifffahrt als einen Pfeiler der trimodalen Transportkette: Binnenschifffahrt und Bahn für die langen Strecken, LKW nur für die kurzen Strecken des Gütertransports.

Wie praktisch alle Binnenhäfen in Deutschland ist auch der Duisburger ein kommunales Projekt und wird massiv durch den Bund und durch die EU gefördert. Eine wirklich kostenbezogene Preis- oder Gebührenpolitik gibt es dort - wie an den anderen Binnenhäfen - beispielsweise nicht.

Duisburger Innenhafen, Landschaftspark, Zoo

Direkt neben dem "echten" Hafen liegt der Duisburger Innenhafen, der liebevoll und mit viel Geld in den letzten Jahren zu einer ausnehmend schönen Freizeit- und Kulturmeile umgestaltet wurde, ein "Little HafenCity Hamburg".

Außerdem ist der Landschaftspark Duisburg-Nord ein Muss: eine ehemalige Stahlhütte, die nun Museum für Industriekultur, gigantischer Abenteuerspielplatz, weitläufiger Park und Ort für das Openair-Sommerkino und für Sport- und Kulturveranstaltungen ist. Die Süddeutsche Zeitung titelte nicht grundlos "Da muss man hin!".

Kunststadt Duisburg

Klammheimlich hat sich Duisburg zudem zur Kunststadt gemausert. Drei Museen glänzen in außergewöhnlicher Architektur mit bemerkenswerten Konzepten und Ausstellungen zu moderner Kunst, die auch Nicht-Experten zu Begeisterungsstürmen hinreißen:

  • Wilhelm Lehmbruck Museum (hauptsächlich Skulpturen der klassischen Moderne/erste Hälfte des 20. Jahrhunderts),
  • Museum Küppersmühle (vornehmlich Malerei, deutsche Nachkriegskunst/Informel) und
  • Museum DKM (aktuelle Avantgarde).
Alle drei Museen liegen nur wenige hundert Meter voneinander entfernt und sind vom Hauptbahnhof mühelos zu Fuß zu erreichen. Die Küppersmühle ist am Duisburger Innenhafen gelegen und wird derzeit spektakulär erweitert durch die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron, Erbauer - nebenbei bemerkt - der Elbphilharmonie. Das älteste Kunstmuseum der Stadt ist das Lehmbruck-Museum, dessen Sammlung von Expressionismus bis zur Gegenwart ebenfalls erstaunlich ist. Es liegt, nur wenige Meter vom Hauptbahnhof entfernt, mitten im innerstädtischen Kant-Park, ein Skulpturenpark, dessen Kunstwerke eine beträchtliche Bandbreite und Vielfalt aufweisen - am markantesten sicher die Statue der David-Kopie, eine Provokation für das Auge.

Das Museum DKM

Das erst 2009 eröffnete Museum DKM im Zentrum der Duisburger Innenstadt zwischen Kantpark, Wilhelm Lehmbruck Museum und Hauptbahnhof ist in einer umgebauten Wohn- und Gewerbeimmobilie auf fünf Ebenen und in 51 Räumen (35 Künstler- und 16 Themenräume) beheimatet.

Ähnlich wie die frühere Sammlung des Folkwang-Gründers Osthaus wagt man im DKM ein Mit- und Nebeneinander von zeitgenössischer und vergangener Kunst, von Preziosen und avantgardistischer Kunst, alles unter asiatischem Hauch: Grabbeigaben und Reisefotografien aus Ägypten und China, Ritualgefäße aus Amlash (Iran), Buddhafiguren, Reliefs und Gebrauchsgegenstände aus Ghandara (Afghanistan / Pakistan), Kunst aus Japan, siamesische Torsi und Buddhaköpfe (Thailand).

Medienstar Ai Weiwei im DKM

Dem DKM gelang es, Roger M. Bürgel als Kurator für eine Ausstellung zum Konzeptkünstler Ai Weiwei zu gewinnen. Bürgel war 2007 künstlerischer Leiter der documenta 12, wo Ai Weiwei mit zwei spektakulären Projekten Aufsehen erregte: "Fairytale" mit 1001 Chinesen und die "Template"-Holzkonstruktion, vom Publikum hämisch bedacht, als sie bei einem Unwetter umstürzte. Ai Weiwei gehört zu den aktuellen Megastars der internationalen Kunstszene. Die Ausstellung im DKM hat sich zum Ziel gesetzt, abseits vom Medienhype die Entwicklung von Ai Weiwei in den letzten 15 Jahren nachzuzeichnen, um seine Wurzeln und Konzepte innerhalb der chinesischen Kunstszene zu verdeutlichen (Achtung: Ungewöhnliche Öffnungszeiten!).

Niki de Saint Phalle in Duisburg

Dass in Duisburg eine der bis zur Kitschigkeit knallbunten und üppigen Nana-Figuren der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle zu sehen ist, weiß ebenfalls kaum ein Nicht-Duisburger. Die Skulptur "Livesaver" von Niki de Saint Phalle, eine vogelähnliche, nichtsdestotrotz korpulente Figur, gehört zu einem Brunnen mitten in der Innenstadt Duisburgs, der eine Gemeinschaftsarbeit von Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely ist.

Pros and cons: Duisburg in many words

Erstaunlicherweise ist die Innenstadt längst nicht so hässlich wie vermutet - sie ist erwartungsgemäß kein Fachwerk-Highlight, aber für eine Großstadt recht ansehnlich, mit vielen (ebenfalls sauberen) Brunnen zum Planschen und sogar einigen historischen Gebäuden (zum Beispiel Rathaus und Kirchen, die allerdings wieder aufgebaut wurden - die Duisburger Innenstadt wurde im Krieg vollständig zerstört). Für Ruhrgebietsverhältnisse ist Duisburg eine vergleichsweise saubere Stadt mit wenig Vandalismus.

Duisburg: Kulturhauptstadt und ungeahnte Landschaftsschönheit

Natürlich ist Duisburg Teil der Kulturhauptstadt RUHR.2010 - das Ruhrgebiet war zusammen mit Pécs und Istanbul Kulturhauptstadt Europas 2010. In der näheren Duisburger Umgebung befinden sich Düsseldorf und Köln, die Niederlande sind nicht fern, noch näher ist der Niederrhein mit idyllischer Landschaft und vielen herrlichen Baggerseen, in dem Waldgebiet in Duisburg-Wedau bilden sechs zum Teil miteinander verbundene idyllische Seen das Naherholungsgebiet "Sechs-Seen-Platte" (siehe Fotos unten) mit Golfplatz, Wassersportvereinen, Grillplatz, Strandbad, Bootsverleih und Modellboothafen.

Überhaupt: Das Beieinander von ehemaligen Industriegebieten, die zu Parks geworden sind (Duisburger Landschaftspark, aber auch mehrere Halden, so der Magic Mountain in Angerhausen, und dem weitläufigen Waldgebiet mit der Seenplatte im Südosten Duisburgs und Rhein mit den ausgedehnten Rheinwiesen am Westufer macht Duisburg zu einer der landschaftlich schönsten Ruhrgebietsstädte (nach persönlicher Einschätzung sogar zur schönsten).

Da all dies natürlich nicht vollständig die vielen Vorzüge Duisburgs beleuchtet: weitere Infos bei Duisburg.de. Eine - wohlgemerkt vor der Loveparade veröffentlichte - Kritik mit dem schönen Titel "Duisburg ist Scheiße" sollte der um Unparteilichkeit bemühte Leser zu Rate ziehen.