
- Innenhafen Duisburg: Garten der Erinnerung - Vera Kriebel
Duisburg hat ein Schmuddel-Image, und seit der Loveparade scheint da eine Besserung auf lange Zeit nicht in Sicht. Ein solches Image war schon einmal kultig: Erinnert sich noch jemand an Schimanski, den Tatort-Kult-Kommissar aus Duisburg-Ruhrort? Und wenn man auch noch ein wenig genauer hinguckt, dann sieht man, dass Duisburg - genauso wie die IN-Städte Köln und Düsseldorf - am Rhein liegt. Der ist in Duisburg genauso schön.
Nur dass Duisburg auch einen richtigen Hafen hat - den weltweit größten Innenflusshafen, um es genau zu sagen, mit boomender Wirtschaft und jeder Menge Hafenflair, ein bisschen wie Hamburg. Nur scheint es kaum jemand zu wissen.
Der Duisburger Innenhafen
Vom Rhein gehen mehrere Kanäle ab, und der Innenhafen-Kanal, der der Duisburger Innenstadt am nächsten liegt, wurde in den letzten Jahren zu einer richtig schnuckeligen Hafenmeile umgestaltet. Wäre es nicht Duisburg, so würden die Szene-Magazine längst darüber berichtet haben, wäre der Innenhafen eine Städtereise wert, würden sich Unternehmen darum reißen, diese Adresse auf ihre Visitenkarten zu drucken, wären die Kneipen und Promenaden voll. Nichtsdestotrotz - der Duisburger Innenhafen ist einen Besuch wert.
Architektur am Innenhafen in Duisburg
Nur wenige Minuten zu Fuß von der Innenstadt, etwa einen Kilometer vom Hauptbahnhof und nur 300 Meter von der Fußgängerzone entfernt wurde der Hafen auf einer Länge von etwa 1,5 Kilometern liebevoll und sehr aufwendig zu einer Freizeit- und Kulturmeile umgestaltet.
Dabei hat man auf dem südlichen Ufer alte Backstein-Speichergebäude restauriert oder neu wieder aufgebaut, auf dem nördlichen dagegen sind Gewerbebauten mit recht anspruchsvoller Architektur und unterschiedlicher Formensprache entstanden, einige davon mit Anspielung auf die ehemaligen Lager- und Speicherbauten des Hafens, zum Beispiel das Officegebäude Five Boats oder das Hitachi-Gebäude.
Auf der südlichen Promenande wird es bald ein futuristisches Highlight geben: Herzog & de Meuron, Architekten der Hamburger Elbphilharmonie, haben sich auch des Duisburger Innenhafens angenommen und schaffen einen spektakulären Erweiterungsbau für das Küppersmühle-Museum. Man darf gespannt sein, ob er wirklich in das "Gesamtkunstwerk" passt.
So hat man von den beiden Ufern aus völlig verschiedene Sichten - bei der Gestaltung wurde sehr viel Sorgfalt verwendet, um immer neue Perspektiven und Überraschungsmomente zu schaffen. Grachten führen südlich in neue Wohngebiete, auch diese - ein wenig holländisch anmutend - im Stil klassischer Hafenarchitektur.
Da treibt es dem Besucher regelrecht die Tränen in die Augen, denn unübersehbar ist der Leerstand bei Wohnungen und gewerblichen Gebäuden oder die kaum gefüllten Kneipen - man ist in Duisburg, nicht in Düsseldorf, soviel ist klar.
Park der Erinnerung: Inszenierung einer verwahrlosten Industriebrache
Das ist besonders deutlich im Altstadtpark oder Park der Erinnerung. Scheinbar achtlos stehen gebliebene Betonruinen, Reste eines unvollständigen Abrisses, aus denen sich der Stahl kringelt, ein Treppenhaus steht da mitten drin, ein Garten ist voller zugewucherter, wild über einander geworfenen Betonstücken, die Wiesen werden zum Lesen, Ausruhen und Picknicken genutzt.
Am Rand steht das jüdische Gemeindezentrum und die Synagoge, auch sie mit vermeintlichen Bauresten, diesmal aber nicht ehemaliger Hafengebäude, sondern sorgfältig neu gebaute Betonpfeiler, die wie Ruinen wirken und die Synagoge zudem verschachtelt umschließen, abschließen und doch öffnen (siehe Foto). Eine andere Deutung: "Wie ein aufgeschlagenes Buch präsentiert sich die Architektur des neuen Zentrums der jüdischen Gemeinden Mülheim, Oberhausen und Duisburg."
DKM-Galerie mit Schaufenster zur zeitgenössischen Kunst
Außerdem befindet sich dort die Schaufenster-Galerie der Stiftung DKM, in der 2010 Ai Weiwei mit "Barely Something" die in China verleugneten 5.000 Schulkinder in Erinnerung ruft, die 2008 beim Erdbeben umkamen, weil sie sich in offenbar gepfuschten Schulgebäuden befanden. Mit musikalischer Untermalung und in Endlosschleife werden dort auf einem Notebook die Namen der Kinder in chinesischen Schriftzeichen aufgeführt - allerdings praktisch unsichtbar, da das Tageslicht direkt auf den Bildschirm fällt.
Duisburg: Zentrum für moderne und aktuelle Kunst
Das ist in jedem Fall auch eine Überraschung für den Duisburg-Touristen: Sowohl die Stiftung DKM und das Lehmbruck-Museum am Kantpark in der Innenstadt wie auch das Museum Küppersmühle (MKM) am östlichen Kopfende des Innenhafen-Kanalarms sind exzellent bestückt mit moderner und zeitgenössischer Kunst. Die drei Museen an einem Tag zu besichtigen, ist aufgrund der Fülle der Kunstwerke nicht zu empfehlen.
Kunst am Bau und Kontorhaus
Am westlichen Ende des Innenhafens, zwischen Marientor-Schleuse und der Schwanentorbrücke liegen die Zentrale der Polizeitechnischen Dienste NRW (ZPD) mit dem Kunstwerk "Aliud" von Bogomir Ecker und das Kontorhaus, ein zum Bürohaus hell restaurierter Getreidespeicher.
Innenhafen Duisburg: Schwanentorbrücke
Ein bemerkenswerter Brückenkomplex ist die Schwanentorbrücke, eine Hubbrücke mit vier quadratischen Türmen, in denen sich Gegengewichte und Seile befinden. Damit kann sich die Brückenplattform in der Mitte der Türme waagerecht nach oben öffnen. Gesteuert wird die Hubbrücke vom Wärterhäuschen in einem der vier Türme.
Der Name der Brücke erinnert an das mittelalterliche Schwanentor in der Stadtbefestigung. Dieses führte direkt auf den Rhein zu, der seinerzeit hier vorbeifloss. 1841 befand sich an dieser Stelle eine erste hölzerne Zugbrücke. 1904 errichte man eine elektrisch betriebene Klappbrücke. Diese wurde jedoch 1945 bei einem Bombenangriff zerstört.
Uferpromenade und Gastromeile mit Restaurants, Kneipen, Cafés oder Bars
Bekannt ist der Innenhafen zunächst einmal durch seine vielfältige Szenegastronomie am Kopf des Wasserarms, von italienische Pasta, spanische Tapas, gehoben mediterrane und europäische Küche bis deftige deutsche Speisen. Abends am Wochenende im Sommer ist da richtig etwas los - kein Wunder, das Flair hat einfach etwas und direkt an der Mole sitzen, einen Kaffee oder ein Bier trinken, an der Uferpromenade spazieren gehen, joggen, das ist fast wie Urlaub. Eindeutiges Fazit ist daher:
Duisburg: Tolles Ziel für eine Städtereise und einen Wochenendausflug
Duisburg und sein Innenhafen sind mehrere Ausflüge wert. Es gibt noch jede Menge anderer Angebote am Duisburger Innenhafen - zum Beispiel für Kinder Legoland und Hafenrundfahrten - Letztere sind allerdings auch etwas für Erwachsene. Oder das Ausleihen der - allerdings unverhältnismäßig teuren - Tretbootschwäne: Verleih der Schwäne direkt am Legoland, deswegen sollten sich Eltern schon einmal für die Quengeleien der Kinder wappnen, denn eine halbe Stunde kostet 5,50 Euro, 1 Stunde 9,50 Euro, (Do-So 11-19 Uhr, Ferien täglich). Weitere Infos finden sich unter Duisburg.de und unter dem Innenhafen-Portal.
