
- Gärtnerplatz im Frühling, Glockenbach München - © Christine de Marsouin
Die Geschichte des Glockenbachviertels
Noch vor nicht allzulanger Zeit war das Glockenbachviertel als das Schwulenviertel Münchens bekannt. Doch vor einigen Jahren hat auch die junge, alternativ-künstlerische Hetero-Szene dieses Viertel für sich entdeckt. Feierte man vor 20 Jahren in Schwabing und vor 10 in Haidhausen, so ist jetzt das Glockenbachviertel als die Partymeile Münchens und hippes In-Viertel bekannt geworden. Eine Kneipe reiht sich hier an die andere, ein Club an den nächsten. Die Homoszene existiert nach wie vor, allerdings nicht mehr ausschließlich, sondern friedlich und gleichberechtigt neben der Heteroszene.
Der Begriff "Glockenbachviertel" schließt das Gärtnerplatzviertel mit ein
Mit dem Oberbegriff "Glockenbachviertel" ist heute im allgemeinen Sprachgebrauch die gesamte Area zwischen Müllerstraße, Frauenstraße, Thalkirchnerstraße und Isar gemeint, also auch das Gärtnerplatzviertel. Beide Viertel gehören zur Isarvorstadt.
Die Szene rund um den Glockenbach - Weggehen für Homos und Heteros
Laut Stadtplan zieht sich das "echte" Glockenbachviertel lediglich von der Thalkirchner- bis zur Fraunhoferstraße. Hier ist die schwule Szene noch am auffälligsten und äußert sich in einschlägigen Clubs, Gay-Saunen und dem pinken Weihnachtsmarkt, bei welchem die größtenteils homosexuellen Besucher zwischen rosanen Plastiktannen von Nikoläusen mit pinker Mütze ihren Glühwein ausgeschenkt bekommen.
Doch auch etliche Heterokneipen gibt es hier, von Cocktailbars wie dem "Saxx" oder der "Bank", Eßlokalen wie dem "Anti", dem "Faun" oder der "Schnellen Liebe" bis hin zu Clubs wie dem Ksar, dem "M.C. Müller" oder eine Kneipe, die es in ihrer Einzigartigkeit bis zu einer Empfehlung in der New York Times gebracht hat: Dem "X-Cess". Die einstige Dönerbude hat sich vom Imbiß zum derzeit wohl angesagtesten Club im Glockenbachviertel entwickelt. (Update: Das X-Cess ist inzwischen geschlossen. Die Wiedereröffnung ist 2011 in der Sonnenstraße geplant). Auch das "Pimpernel" hat sich gewandelt - von der ehemaligen Schwulenkneipe zu einem der letzten Anlaufpunkte spät nachts für Partywütige. Diejenigen, die nie genug bekommen, singen in der "Fraunhofer Schoppenstube" um 5 Uhr morgens Seemannslieder von den durch Wirtin Gerti verteilten Notenblättern.
Die Szene rund um den Gärtnerplatz - jung und hip
Überquert man die Fraunhoferstraße, so betritt man das Gärtnerplatzviertel.
Legendär ist der "Bergwolf", bei dem am Wochenende auch nachts um 4 noch ellenlange Schlangen anstehen, um den durch Alkohol hervorgerufenen Heißhunger mittels der angeblich besten Currywurst Münchens zu stillen. Die Reichenbachstraße gleicht dem Bermudadreieck. Eine Kneipe reiht sich hier an die andere, loungig, wie der "K&K Club", bodenständig wie das "Holy Home" oder im Retrostyle wie das "Für Freunde" oder der "Trachtenvogl". Doch auch die umliegenden Straßen bieten etliche Kneipen wie das "Baader-Cafe", den "Wassermann" und etliche mehr. Hat man sich hier warm gemacht, geht es weiter in einen Tanzclub - z.B. zu erdigem Rock im "Netzer und Overath" oder zu Partymusik im "Paradiso", einem der angesagtesten Läden Münchens, in dem einst Freddy Mercury seinen 40. Geburtstag feierte. Das Glockenbachviertel bietet für jeden Geschmack etwas.
In lauer Sommernacht chillen am Gärtnerplatz
Ganz besonders schön ist es hier im Sommer, wenn die Szene abends auf den Treppen des Gärtnerplatztheaters oder zwischen den Blumenbeeten der Verkehrsinsel mitten auf dem Gärtnerplatz die lauen Sommerabende geniesst. Höhepunkt der Saison sind sie schwulen Straßenfeste "Klenzestraßenfest" und "Gärtnerplatzfest".
Aussicht - Vom hippen Szeneviertel zum beschaulichen Familienidyll
Wie zuvor Schwabing und Haidhausen und jeder andere Geheimtipp, der zunächst von einer jungen, hippen Künstlerszene entdeckt wurde, ist auch das Glockenbachviertel in seiner jetzigen Form dem Untergang geweiht.
Erste Familien sind in das ehemals von WG`s domestizierte Viertel gezogen, auf den Straßen sieht man inzwischen nicht nur kinderwagenschiebende Mütter, sondern auch erste Sportcabriolets. Denn auch die schicke Szene hat das Glockenbachviertel inzwischen entdeckt. Feierte Freddy Mercury im "Old Mrs Henderson" vor 20 Jahren ausgeflippte Schwulenparties, so stehen heute vor dem "Paradiso", wie es inzwischen heißt, gestylte junge Frauen in Cocktailkleidern und Partygänger Ü30 Schlange.
Noch ist die Zeit nicht vorbei, noch lebt und feiert das Glockenbachviertel Nacht für Nacht. Doch die ersten Trendsetter haben sich bereits aufgemacht in Richtung Maxvorstadt, auf der Suche nach einer neuen Bleibe.
