Ausgewählte Filme des Grindhouse-Kinos der 70er und 80er Jahre

Cannibal Ferox - Amazon.com/Aquarius Releasing
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Bis in die 80er hinein war das Grindhouse ein fester Teil amerikanischer Kinokultur. Die Filme brachen alle Tabus und bieten bis heute Diskussionsstoff.

Mit "Grindhouse" bezeichnet man in den USA gemeinhin ein Kino, welches sich auf billige Horror- und Exploitationfilme spezialisiert hat. Im Lauf der Zeit setzte sich diese Bezeichnung auch für die dort gezeigten Filme selbst durch. Dabei stellt sich bei der Masse an produzierten Machwerken natürlich die Frage, welche davon sehenswert sind und welche getrost vergessen werden können. Der folgende Artikel bietet Rezensionen zu drei ausgewählten Filmen, welche durchaus als Archetypen einiger der jeweiligen Untergenres dieser Art von Kino betrachtet werden können.

"Prime Time" (USA 1977)

Unbekannte haben sämtliche Fernsehübertragungen unterbrochen und begonnen, ihr eigenes Programm zu senden. Während die Senderverantwortliche fieberhaft nach der Quelle der Unterbrechung suchen, flimmern in der Zwischenzeit nicht ganz ernst zu nehmende Nachrichten, Werbespots und Fernsehsendungen über die Bildschirme der Nation...

Den 1977 unter dem Titel "American Raspberry" entstandenen "Prime Time" könnte man am ehesten mit Filmen wie "Amazonen auf dem Mond" oder "UHF – Sender mit beschränkter Hoffnung" vergleichen, und zwar nicht nur, weil sie sich dem gleichen Thema widmen, sondern weil sie auch das gleiche Problem miteinander teilen: Manche der gezeigten Sketches sind wirklich lustig – andere allerdings animieren den Zuschauer eher zum Weglaufen oder Abschalten. So sind die Beiträge über die durch ein Urteil des Verfassungsgerichtshofes genehmigte postnatale Abtreibung bis zum 5. Lebensjahr, das Werbevideo für die katholische Kirche oder die Tabakwerbung grandios, weil sie einfach herrlich politisch unkorrekt sind, während man manche Sequenzen, wie zum Beispiel die parodierte Spendensammlung, getrost vergessen kann. Und die Rahmenhandlung ist ohnehin nur dazu da, alles irgendwie zusammenzuhalten.

"Primte Time" ist weit davon entfernt, ein perfekter Film zu sein. Dennoch steckt er aktuelle Filmparodien wie "Disaster Movie" noch locker in die Tasche, da hier wenigstens ab und zu gelacht werden kann.

"Zombi 2" (Italien 1979)

Als in New York ein Segelboot ankommt, welches außer einem lebenden Toten keine Passagiere mehr hat, werden zwei Mitglieder der Küstenwache von eben diesem Zombie getötet. Die Tochter des Bootsbesitzers möchte verständlicherweise wissen, was passiert ist und reist gemeinsam mit einem Journalisten nach Matul, um herauszufinden, was ihrem Vater geschah. Gemeinsam mit zwei weiteren Menschen machen sie sich auf den Weg. An ihrem Ziel trifft die Gruppe Dr. David Menard, der verzweifelt nach einem Heilmittel für eine mysteriöse Krankheit sucht, welche die Toten wieder zum Leben erweckt und aus ihnen nach Menschenfleisch hungernde Bestien macht. Da jeder, der von den Untoten gebissen wird, sich ebenfalls in einen Zombie verwandelt, müssen sich unsere Helden sehr bald gegen eine große Übermacht von fleischfressenden lebenden Leichen zu Wehr setzen...

Nach dem großen weltweiten Erfolg von George A. Romeros "Dawn of the Dead" wollten viele Filmemacher mit Zombiefilmen schnelles Geld verdienen und überschwemmten mit billigen Filmen die Kinos. Lucio Fulcis "Zombi 2" war der erste dieser Zombiewelle und er ist auch einer der besseren Filme dieses Genres. Dabei hängt sich der Film ziemlich dreist an Romero an, da dessen "Dawn of the Dead" in Italien "Zombi" hieß, der Titel aber durch eine Gesetzeslücke in Italien nicht geschützt war. So könnte man – mit viel Fantasie – "Zombi 2" als eine Art inoffizielles Prequel sehen, welches die Entstehungsgeschichte der Zombieplage zeigt (obwohl das "echte" Prequel natürlich Romeros "Night of the living Dead" ist, der erste Teil seiner Zombiereihe).

Trotz dieser Dreistigkeit muss man sagen, dass Fulcis Film – nach einem eher langsamen Beginn – durchaus unterhaltsam ist. Die Zombie- und Splattereffekte sind – für einen Film dieser Preisklasse – sehr gut umgesetzt und manche der Ideen, wie beispielsweise der Kampf eines Zombies gegen einen Haifisch, sind so irrsinnig, dass sie schon wieder lustig sind. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass "Zombi 2" für Horrorfans durchaus einen Blick wert ist. "Zombi 2" ist auch als "Woodoo" und "Zombie Flesh Eaters" bekannt. Hier findet man den Trailer zu "Zombi 2".

"Cannibal Ferox" (Italien 1981)

Die Studentin und Anthropologin Gloria reist mit ihrem Bruder Rudy und ihrer Freundin Pat in den Dschungel des Amazonas um die Theorien über stattfindenden Kannibalismus der dort ansässigen Stämme zu widerlegen. Kaum ist die Gruppe angekommen, trifft sie mit dem rücksichtslosen Drogendealer Mike Lawson und seinen Partner Joe. Diese sind gerade auf der Flucht vor der Polizei. Nachdem Mike einige Eingeborene tötet, rächt der von Lawson und Joe tyrannisierte Eingeborenenstamm sich auf grausamste Art und Weise an der gesamten Gruppe...

Umberto Lenzis "Cannibal Ferox" ist – wie das gesamte Genre des Kannibalenfilmes – höchst umstritten. Dies liegt weniger an der bestenfalls als vorhersehbar zu bezeichnenden Handlung, sondern vielmehr an der Tatsache, dass sämtliche im Film getöteten Tiere tatsächlich umgebracht wurden und zwar teilweise auch von den Darstellern (auch wenn diese zum Teil absolut nicht mit den Tiertötungen einverstanden waren). Diese Szenen bringen die Handlung in keinster Weise voran und dienen nur dazu, die perverse Neugier der Zuschauer zu befriedigen. Da es solche Szenen in jedem Kannibalenfilm dieser Zeit zu sehen gibt (ein besonderes "Highlight" in dieser Hinsicht ist der Film "Cannibal Holocaust") wird dieses Genre von vielen Menschen gemieden, obwohl es eine mindestens ebenso große Fangemeinde dieser Filme gibt.

Die schauspielerischen Leistungen sind hier bestenfalls durchwachsen. Wenn man sich schon bei Fulcis "Zombi 2" keine großartigen Leistungen in dieser Hinsicht erwarten durfte, so ist bei "Cannibal Ferox" so mancher Akteur dermaßen steif, dass er nicht einmal den sprichwörtlichen Stapel Bretter spielen könnte, weil er dafür zu hölzern wäre.

Die Spezialeffekte sind sehr gut umgesetzt und Fans von kreativen Tötungsszenen bekommen mehr als genug geboten (was es umso unverständlicher macht, wieso hier unbedingt noch ein paar Tiere sterben mussten).

"Cannibal Ferox" ist dennoch noch einer der besseren Kannibalenfilme, er lief unter anderem vor einigen Jahren noch auf der Viennale. Der Film ist auch unter dem Titel "Make Them Die Slowly" bekannt.

Udo Seelhofer, Udo Seelhofer

Udo Seelhofer - Studium: Deutsche Philologie (abgeschlossen) Kombinierte Religionspädagogik (im letzten Abschnitt) Arbeit: Seit Oktober 2006 ...

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