Ausländische Akademiker gegen Fachkräftemangel in Deutschland

Der Ruf nach mehr ausländischen Akademikern - Dieter Schütz/pixelio.de
Der Ruf nach mehr ausländischen Akademikern - Dieter Schütz/pixelio.de
Die Bundesbildungsministerin Anette Schavan befürwortet Zuwanderung von ausländischen Akademikern und stößt auf geteilte Meinungen.

Die Bundesbildungsministerin Anette Schavan forderte am Sonntag in Deutschlandfunk, die Hürden für ausländische hochqualifizierte Kräfte abzubauen. Dafür brauche Deutschland eine Willkommenskultur gegenüber den Zuwanderern und konkrete Erleichterungen bei Visa-Vergaben oder Hilfen für die Ehepartner der Akademiker bei der Arbeitsuche und der Kinderbetreuung. Mit ihrem Vorstoß für die Öffnung des Arbeitsmarktes will Schavan zur Lösung des Mangels an Fachkräften in der Wirtschaft beizutragen.

Rufe und Gegenrufe nach ausländischen Fachkräften

Die Rufe nach ausländischen Akademikern kommen aus der Wirtschaft selbst und werden besonders von der FDP unterstützt. Alarmierend solle nach wie vor die Situation auf dem Ingenieursmarkt sein. Dadurch entgingen den deutschen Firmen die möglichen hohen Gewinne. Die existierenden Hindernisse für die Zuwanderer seien dafür verantwortlich, dass seit Jahren nur einige wenige Spezialisten nach Deutschland kommen: Ab 2005 bis heute waren es weniger als 1.000 Hochqualifizierte, die sich hierzulande niedergelassen haben. Während die Vertreter der Wirtschaft auf die rasche Lösung drängen, lehnen Teile von CDU und CSU angesichts der hohen Arbeitslosigkeit derartige Vorschläge ab.

Online-Stimmen über den Fachkräftemangel

Ähnliche ablehnende Reaktionen finden sich unter den Internet-Usern, wie beispielsweise in den Kommentaren zum Artikel „Schavan will Zuwanderung erleichtern“ in Focus-Online. Ein Leser mit dem Pseudonym „Monitor 33“ schreibt dazu: „Dass Fachkräfte fehlen sollen, sehe ich nicht bei Millionen von Arbeitslosen, die zu großen Teilen ausgebildet sind und der Situation, dass man ab 40 praktisch keinen Job mehr bekommt, egal wie gut jemand qualifiziert ist.“ Auf einen anderen Aspekt weist der Leser „IQ140“ hin und kritisiert die Anforderungen mancher Arbeitgeber: „Ich kaufe seit Jahren meine neuen Autos beim selben Händler. Im Verlauf der Zeit habe ich mich mit dem Chef angefreundet. Eines Tages erzählt er mir, wie er zu dem Job gekommen ist: Kein Schulabschluss und ein netter Nachbar! Heute will derselbe Mann nur noch Fachabiturienten einstellen. Er hätte sich selbst nie im Leben eine Chance gegeben!“

Eingewanderte Akademiker vergessen?

Unterdessen arbeiten die eingewanderten Akademiker wie Ingenieure, Pädagogen oder Ärzte selten in ihren Berufen. Sie finden meist eine Beschäftigung als Taxifahrer, Putzarbeiter oder Pfleger. Die Bundesbeauftragte für Migration Maria Böhmer verlangte daher anfangs des Jahres, dass man endlich auf die qualifizierten ausländischen Akademiker und Fachkräfte „die schon in unserem Land leben“ zurückgreife. Dafür werde vor allem die Anerkennung der ausländischen Bildungsabschlüsse nötig. Es komme zur einen paradoxen Situation nicht nur in der Wirtschaft, monierte Böhmer. Mediziner aus den Zuwandererfamilien erhielten keine Approbation und arbeiten als Pfleger, obwohl gleichzeitig in den ländlichen Regionen die Ärzte fehlen. „Unser Land muss dringend auf die Qualifikationen der Zuwanderer zurückgreifen können" – forderte Böhmer - "um den Fachkräftemangel auszugleichen. Und die Betroffenen sollen sich endlich in vollem Umfang anerkannt fühlen können - beruflich und gesellschaftlich“.

Bildnachweis: Dieter Schütz/pixelio.de

Grazyna Gintner, Grazyna Gintner

Grazyna Gintner - Ich habe als Journalistin in Polen gearbeitet. Seit Jahren lebe ich in Deutschland. Neulich brachte ich unter dem Pseudonym Lydia Sanojar ...

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