Ausrüstung der deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg

Die deutsche Wehrmacht verwendete im 2. Weltkrieg zahlreiche Waffensysteme in Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine. Eine Übersicht.

Durch den Versailler Vertrag war die deutsche Armee stark eingeschränkt. Die Reichswehr war auf 100.000 Mann plus 15.000 in der Marine beschränkt. Sie durfte keine Luftwaffe, Panzer oder U-Boote besitzen. Doch schon in der Weimarer Republik begann man diese Verbote zu umgehen und Waffen im Ausland zu entwickeln. Hitler ließ schließlich bald auch dieses vorsichtige Vorgehen fallen und trieb die Aufrüstung seiner Wehrmacht offen voran.

Heer – Panzer und Infanterie

Im Gegensatz zu den meisten anderen Armeen erkannte man in Deutschland früh die Bedeutung des Panzers und setzte diese auch um. Panzer sollten in der Wehrmacht nicht mehr als reine Infantrieunterstützungswaffe eingesetzt werden, sondern als geschlossene Verbände. Sturmgeschütze – mobile, gepanzerte Artillerie, die auf Basis der Kampfpanzer gebaut wurden – würden den Panzerverbänden Unterstützung bieten. Auf die Panzerrüstung wurde dadurch zwar viel Wert gelegt, sie lief anfangs aber nur schleppend an. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren erst sehr wenige Panzer III und Panzer IV vorhanden, die eigentlich den Hauptteil der Panzerwaffe bilden sollten. Die Hauptmasse beim Polenfeldzug bildeten so noch die leichten Panzer I und Panzer II und die von den Tschechen übernommenen Panzer 35(t) und Panzer 38(t). Schwere Panzer besaß man zu diesem Zeitpunkt gar nicht. Deren Entwicklung wurden erst nach dem Überfall auf die Sowjetunion forciert, als man auf die überlegenen sowjetischen Kampfpanzer stieß – ein wichtiger Faktor für die Niederlage der Wehrmacht gegen die Sowjetunion. Jetzt erst wurden die berühmten Tiger und Panther gebaut.

Bei der Infanterie setzte man anfangs auf traditionelle Ausrüstung. Im Laufe des Krieges mussten aber auch hier Neuentwicklungen getätigt werden. Die Panzerabwehr war von Anfang an eine Schwachstelle. Erst als man auf Basis der amerikanischen Bazooka Panzerfaust und Panzerschreck entwickelte, die Hohlladungsgeschosse abfeuerten, besaß man eine wirkungsvolle Waffe. Das Infantriegewehr und die Maschinenpistole zeigten auch immer wieder Schwächen. Als Antwort wurde das Sturmgewehr 44 entwickelt, quasi eine Kombination aus beiden. Bis heute hat sich diese ursprünglich der Propaganda dienende Bezeichnung erhalten.

Luftwaffe –Jäger, Bomber und Düsenflügzeuge

Eine Luftwaffe durfte das Deutsche Reich gar nicht besitzen, dennoch wurde in aller Heimlichkeit eine solche aufgebaut und als Reklameflieger getarnt. Erst 1935 wurde die Luftwaffe offiziell neu gegründet. Die ersten Flugzeugtypen waren wenig leistungsfähig und bis zum Kriegsbeginn schon ausgemustert. Im 2. Weltkrieg wurden neue, durchaus moderne Jagdflugzeuge und Bomber gebaut. Da nur beschränkte Produktionskapazitäten vorhanden waren, konzentrierte man sich auf einen taktischen Luftkrieg: leichte und mittlere Bomber, wie die Junkers Ju 87 Stuka, die Ju 88 oder Heinkel He 111 sollten das Heer durch taktische Luftschläge unterstützen. Die Entwicklung von schweren Bombern, wie sie die Amerikaner und eingeschränkt die Briten betrieben, wurde komplett vernachlässigt.

Deutschland war schon bei Kriegsausbruch führend bei der Entwicklung von Strahltriebwerken. Allerdings wurden der Wert von Düsenflugzeugen bei der Luftwaffe erst erkannt, als die alliierten Bomberströme nicht mehr aufzuhalten waren. Auch bei den konventionellen Jagdflugzeugen erfolgte zu kritischer Zeit fast ein Entwicklungsstillstand. Während die Messerschmitt Bf 109 und die Focke-Wulf Fw 190 in die ersten Kriegsjahren dominierend waren, gerieten sie technisch bald ins Hintertreffen. Neue Jagdflugzeuge wie die Focke-Wulf Ta 152 oder die Dornier Do 335 wurden aber erst gegen Kriegsende zum Einsatz gebracht und erreichten teilweise nicht einmal mehr die Serienfertigung.

Kriegsmarine – U-Boote

Bei der Kriegsmarine wusste man anfangs gar nicht, wie man sich ausrichten sollte. So wurden zwar Schlachtschiffe verlangt und unter hohen Aufwand auch gebaut, man hatte aber keine Ahnung, was man mit ihnen anfangen sollte. Ebenso wurden zwei Flugzeugträger in Angriff genommen, aber nie fertig gestellt. Auch bei den U-Booten war der Verwendungszweck eher unklar. Zumindest konnte Hitler die Marinerüstung mit dem Deutsch-Britischen Flottenabkommen auf eine legale Basis stellen.

Bei Ausbruch des 2. Weltkriegs war die Kriegsmarine allein der Royal Navy nicht einmal in Ansätzen gewachsen. Die U-Boote erzielten aber beachtliche Erfolge. Als bei der Besetzung Norwegens zahlreiche Überwasserschiffe verloren gingen und das nagelneue Schlachtschiff Bismarck auf seiner ersten Mission versenkt wurde, blieb nichts anderes über, als sich völlig auf den U-Bootkrieg zu konzentrieren. Die U-Boote vom Typ VII und IX wurden nun in Massen gebaut. Da aber die Entwicklung der U-Boot-Abwehr der Alliierten, wie Sonar, Radar, Geleitzüge und Überwachung aus der Luft immer größere Fortschritte machte, wurden die Erfolge der deutschen U-Boote immer weniger bei ständig steigenden Verlusten. Neue U-Boottypen wie die U-Boote von Typ XXI und XXIII wurden erst spät entwickelt. Obwohl diese Boote ihre Zeit weit voraus und wegweisend waren, kamen sie zu spät, um am Krieg noch etwas zu ändern.

Michael Lutter, Michael Lutter

Michael Lutter - Geboren 1980 Studium der Geschichte und Informationswissenschaft in Regensburg (M.A.)

rss