Außerschulischer Unterricht – Imkerei in Behindertenwerkstatt

Engel und Kerzen aus Bienenwachs - Sigrid Stephenson
Engel und Kerzen aus Bienenwachs - Sigrid Stephenson
Schüler und Beschäftigte mit Handicap lernen in der Stormarner Werkstatt für Behinderte, wie man Honig macht, Engel gießt, aus Wachsplatten Kerzen rollt.

Lebenslanges Lernen ist angesagt und das gilt nicht nur für gesunde Menschen. Auch behinderte Menschen oder "Kolleginnen und Kollegen mit Handicap", wie sie in den Stormarner Werkstätten in Bad Oldesloe genannt werden, lernen ständig dazu. Ein besonderes Erfolgserlebnis ist für sie, wenn sie auf manchen Gebieten sogar mehr wissen als nicht behinderte Menschen und diesen etwas beibringen können. Das fördert eindeutig ihr Selbstbewusstsein.

Außerschulisch Imkern: Ida-Ehre-Schule kooperiert mit den Stormarner Werkstätten in Bad Oldesloe

Die Ida-Ehre-Schule in Bad Oldesloe kooperiert seit Beginn des laufenden Schuljahres mit der Behindertenwerkstatt, deren Hauptziel ebenso wie das der Schule möglichst ganzheitliche und umfassende Bildung ist.

In der Ida-Ehre-Schule gibt es im 8. und 9. Schuljahr jeweils Wahlpflichtkurse. Eines der Angebote ist die Imkerei. Ilse Drews, die als Verwaltungskraft in den Stormarner Werkstätten angestellt ist, ist im Privatleben Hobby-Imkerin. Verschiedene Kurse befähigen sie dazu, ihr Wissen an Mitarbeiter der Werkstätten und an Schüler der kooperierenden Schule weiter zu geben. Das tut sie mit viel Engagement und Begeisterung.

Eine einzelne Arbeitsbiene produziert in ihren Wachsdrüsen über eine Million Wachsplättchen

Die Sache mit den Bienen, das wird im Gespräch deutlich, ist sehr vielfältig. In Theorie und Praxis lernen derzeit sieben Schüler alles, was es über das Leben der Bienen zu wissen gibt. Viele interessante Details sind dabei. Wer könnte schon auf Anhieb sagen, dass eine einzige Arbeitsbiene innerhalb weniger Lebenstage ein ganzes Kilogramm Wachs produzieren kann. In ihren Wachsdrüsen schwitzen sie in dieser Zeit 1.250.000 Wachsplättchen aus. Die Biene ist das kleinste Haustier des Menschen. Auch dieses Statement klingt sicher in vieler Menschen Ohren neu und bedenkenswert.

Gute Erfahrungen und Sensibiliserung für den Schutz von Biene und Öko-System

Schule und Werkstatt streben an, die Kooperation auszubauen. Bisher haben sie nur gute Erfahrungen damit gemacht. "Die teilnehmenden Schüler werden sensibilisiert durch die Arbeit mit den Bienen und das sich steigernde Wissen um ihre Lebensbedingungen. Sie wirken sehr wach und interessiert", so Sven Baumann, Koordinator der Jahrgangsstufen 8 und 9 der Ida-Ehre-Schule – ehemals Integrierte Gesamtschule (IGS). Ihnen sei bewusst geworden, dass die Bienen für unser ökologisches System von großer Bedeutung sind. Entsprechende Berichte in der Presse nehmen sie weit interessierter als bisher wahr. Dass der derzeitige amerikanische Präsident Barack Obama Millarden von Dollar einsetzen will, um die in ihrer Gesundheit und damit in ihrem Bestand gefährdeten Bienen zu schützen und zu retten, ist nur ein Fakt, der ihnen imponiert.

Imkerei-Praktikum und Infos über die Ausbildung zum Tierwirt bei der Bundesagentur für Arbeit

Hinzu kommt, dass die Schüler sich ganz konkret über berufliche Möglichkeiten informieren können. In Bad Segeberg bietet eine Imkerei Praktika an, bei der Bundesagentur für Arbeit können die Jungen und Mädchen sich über eine Ausbildung zum Tierwirt informieren.

Hobby-Imkerin und Verwaltungskraft Ilse Drews unterrichtet in den Stormarner Werkstätten

Ilse Drews holt sich jeweils "Experten" in den Unterricht. Die behinderten Mitarbeiter haben nicht nur Schwächen, sondern eindeutig auch Stärken und Ressourcen. Entsprechend ihrer spezifischen Fähigkeiten werden sie zum Unterricht, der einmal wöchentlich eineinhalb Stunden lang stattfindet, hinzu gezogen. "Der eine kann gut Kerzen rollen, der andere besser Riemchen nageln", erklärt Drews. "Wenn es um die Hygiene geht, ist es inzwischen so, dass die Kollegen mit Handicap die anderen Teilnehmer erinnern, sollten sie mal vergessen, sich vor der Arbeit mit Waben und Honig die Hände zu waschen." Auch Sicherheitsvorkehrungen sind zu berücksichtigen. "Wenn ein Wachsklumpen erst einmal brennt, ist er kaum zu löschen", erklärt die Fachfrau aus den Stormarner Werkstätten, die für ihre vorbildliche Arbeitsweise bekannt sind. "Deshalb darf Wachs nicht über 80 Grad Celcius erhitzt werden."

Die Produkte – Honig, Kerzen, aus Wachs gegossene Engelchen – werden auf Weihnachts- und anderen Märkten verkauft. Manche Kunden kommen auch direkt in die Werkstätten, um sich ihren Honig dort zu kaufen, wo er gemacht wird.

Sigrid Ruth Stephenson, Sigrid Ruth Stephenson

Sigrid Stephenson - Als Zehnjährige begann ich, meiner kleinen Schwester aus dem Stegreif Geschichten zu erzählen. Etwas später setzte unser ...

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