
- Oppenheims „thronende Göttin“ - Olaf M. Teßmer / SMB
Tell Halaf ist ein Siedlungshügel im Nordosten Syriens nahe der Grenze zur Türkei. Hier gab es eine prähistorische Siedlung, die von Max von Oppenheim archäologisch untersucht wurde. Dieser Fundort gab der Halaf-Kultur ihre Bezeichnung.
Durch Kriegseinwirkung zerstörte und verloren geglaubte Funde konnten nun in mühevoller Arbeit wieder hergestellt werden. Die sind ab dem 28. Januar 2011 in der Ausstellung „Die geretteten Götter aus dem Palast vom Tell Halaf“ auf der Museumsinsel Berlin im Pergamonmuseum zu sehen.
Die Forschungen des Freiherrn Max von Oppenheim
Max von Oppenheim untersuchte erstmals im November 1899 kurz den Tell Halaf. Im August 1911 begann er mit archäologischen Grabungen. Ein großes Grabungsteam mit umfangreicher Ausrüstung, machte sich an die Arbeit. Fünf Architekten, ein Fotograf, zwei Sekretäre, ein Arzt und 200 einheimische Arbeiter wirkten bis 1913 bei der Grabung mit. Nach einer Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg wurden von 1927 bis 1929 Teile des Palastes, Teile der Stadtmauer und einige Grabkammern freigelegt. Im Westpalast aus dem 10. Jahrhundert vor Christus gab es einzigartigen Bauschmuck: Steinbilder aus Basalt.
Das Tell Halaf Museum in Berlin-Charlottenburg
Max von Oppenheim gründete die Max Freiherr von Oppenheim-Stiftung. Die sollte seine Funde und Forschungsergebnisse präsentieren. Der syrische Anteil der Funde von Tell Halaf wurde einem Museum in Aleppo übergeben. Die nach Deutschland verbrachten Funde aus Tell Halaf wurden in Berlin-Charlottenburg in einem eigenen „Tell Halaf-Museum“ in der Franklinstraße gezeigt. Dazu gehörten auch die Steinbilder. Dieses Museum wurde im August 1943 von einer Fliegerbombe getroffen und weitgehend zerstört. Exponate aus Holz, Kalkstein und Gips wurden unwiederbringlich Raub der Flammen. Bei den Löschversuchen zersprangen die ausgestellten Skulpturen in abertausende Einzelteile. Oppenheim ließ die Reste bergen. Die wurden in das Kellergewölbe des Pergamonmuseums gebracht. Dort ruhten sie lange. Denn diese Trümmer galten als nicht restaurierbar.
Die Restaurierung durch die Staatlichen Museen Berlin
Nahezu 70 Jahre später begann dann doch die Wiedererweckung dieser Skulpturen. Dank großzügiger Unterstützung des Bankhaus Sal. Oppenheim, der Sal. Oppenheim-Stiftung, der Alfred-Freiherr-von-Oppenheim-Stiftung sowie der Deutschen Forschungsgemeinschaft wurde die Restaurierung der verloren geglaubten Steinbilder in Angriff genommen. Über 27 000 Einzelteile mussten wieder zusammengefügt werden. Dabei leisteten Mineralogen der Technischen Universität Berlin tatkräftige Unterstützung.
Die Ausstellung „Die geretteten Götter aus dem Palast vom Tell Halaf“
In der Ausstellung „Die geretteten Götter aus dem Palast vom Tell Halaf“ sind die nach neun Jahren aufwändiger Restaurierung wieder hergestellten über 3000 Jahre alten Steinbilder, die Max Freiherr von Oppenheim 1911 bis 1913 am Siedlungshügel Tell Halaf in Nordostsyrien freilegte, erstmals wieder zu bewundern. Außerdem wird die Geschichte dieses Restaurierungsprojektes ohne Beispiel erläutert.
Ort und Zeit der Ausstellung
Eine Ausstellung „Die geretteten Götter aus dem Palast vom Tell Halaf“ ist ein Projekt des Vorderasiatischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin. Sie ist vom 28. Januar 2011 bis zum 14. August 2011 im Pergamonmuseum auf der Museumsinsel in Berlin-Mitte zu sehen.
Im Vorverkauf sind Zeitfenstertickets zu erwerben. Die Eintrittskarten können im Internet unter www.gerettete-goetter.de und an allen Kassen der Staatlichen Museen zu Berlin erworben werden. Sie ermöglichen zur ausgewählten Zeit Einlass ins Pergamonmuseum ohne Anstehen.
Die Eintrittskarten für die Ausstellung und das gesamte Pergamonmuseum kosten 12,- Euro. Weitere Informationen gibt es Montag bis Freitag von 9.00 bis 16.00 Uhr per Telefon unter der Nummer +49 (0) 30 266-424242.
Nadja Cholidis und Lutz Martin haben die von 1943 bis 1962 herausgegebene Tell-Halaf-Reihe um einen fünften Band ergänzt. Mit diesem reich illustrierten Band werden erstmals die restaurierten Gegenstände und der Prozess der Restauration vorgestellt. Die beigefügte CD-ROM enthält Max Freiherr von Oppenheim, Tell Halaf III: Die Bildwerke, bearbeitet und herausgegeben von Anton Moortgat, Verlag Walter de Gruyter & Co., Berlin 1955.
Nadja Cholidis und Lutz Martin (Hrsg.) Tell Halaf. Im Krieg zerstörte Denkmäler und ihre Restaurierung. 524 Seiten. 132 Tafeln. 1 CD-ROM, Gebunden, De Gruyter Berlin 2010, ISBN 978-3-11-022935-6, 129,95 Euro in Deutschland
Bild: Oppenheims „thronende Göttin“: Grabfigur nach der Zusammensetzung aus über 1000 Bruchstücken, 2010 © Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Olaf M. Teßmer
