Ausstellung "manu factum" bis 20. November im Zonser Kreismuseum

Glaskubus von Wilfried Grootens - Wilfried Meyer
Glaskubus von Wilfried Grootens - Wilfried Meyer
Zum 25. Mal sind Staatspreise an nordrhein-westfälische Kunsthandwerker vergeben worden. Die "manu factum" zeigt ihre und andere Wettbewerbsbeiträge.

„Die Gestaltung der Lebenswelt durch Handwerker war immer schon die prägende Kraft der Generationen und Epochen“, sagte Professor Wolfgang Schulhoff, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, der die Ausstellung im Kreismuseum Zons eröffnete. Angesichts der hohen Qualität der 112 Ausstellungsstücke aus 345 Bewerbungen werde deutlich, dass die Grenzen zwischen Kunsthandwerk und Kunst fließend seien. NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger bescheinigte der Auslobung in seiner Laudatio, dass sie „dauerhaft neue Maßstäbe für gelungenes Kunsthandwerk an die Öffentlichkeit“ trägt: „Die Kreativ-Ökonomie gehört zu den Sektoren, die für Nordrhein-Westfalen künftig noch wichtiger werden. Und das gestaltende Handwerk beweist durch die ausgezeichnete Güte der Arbeiten für die diesjährige manu factum, dass es das Herzstück der kulturwirtschaftlichen Produktion dieses Landes ist.“

Raku-Brand und Kunststoffmatten

Die Staatspreisträgerin 2011 im Werkbereich Keramik, Uta Katharina Becker aus Hoffnungsthal, hat erst nach einer Schreinerlehre und dem Studium der Bildhauerei zur Keramik gefunden. In ihrer Werkstatt arbeitet sie seit zehn Jahren ausschließlich mit der Raku-Brandtechnik und sehr experimentell. Ihr prämiertes Gefäß ohne Titel spiegelt das konzeptionell Eckige aus dem Tischlerbereich und die Formensprache der Bildhauerei wider. „Meine Faszination besteht darin, in einem Material an die Grenzen zu gehen. Mich beschäftigt die Frage, wann ein Gefäß kein Gefäß mehr ist“, sagt die Preisträgerin.

Die Goldschmiedin und Schmuck- und Produktdesignerin Karin Groth aus Düsseldorf findet ihre Inspiration in der Natur. Aus flexiblen Kunststoffmatten formt sie plastisch-filigrane Schmuckstücke, die veränderbar bleiben und die Trägerin zu eigener Kreativität anregen sollen. „Ich mache sie quasi zur Co-Designerin“, erklärt Groth ihren Ansatz.

Körperbetonte Kleidungsstücke

„Webstühle sind für mich eine wunderbare technische Errungenschaft“, sagt Jörg Ballnath. Er erhielt den Staatspreis in der Kategorie Textil/Leder für eine Kombination von Kleid und Tuch aus Leinen, Wolle und Seide. Ballnath, der ein Architekturstudium abschloss, bevor er seiner Faszination für das Handweben nachgab, stellt bei seinen Kleidungsstücken das körperbetonte Arbeiten in den Vordergrund. „Mich graust vor groben, unförmigen Säcken, denen man ansieht, dass der Webende auf keinen Fall in seinen herrlichen Stoff schneiden will, aus lauter Respekt vor dem Handgewebten.“ Dass es auch anders geht, zeigt Ballnaths prämiertes tunikaartiges kleines Schwarzes mit Rippentuch, das, kreativ eingesetzt, den Gesamteindruck verändern kann. Nach ruhigen Jahren im Museumsdorf Cloppenburg ist Ballnath mit seinem Atelier in die Kölner Innenstadt gezogen, in ein Ladenlokal mit großen Schaufenstern. „Die Arbeit im Museumsdorf hat mir gezeigt, dass viele Menschen es sehr zu schätzen wissen, wenn sie dabei zusehen können, wie Stoffe entstehen. Und von der Verlagerung meiner Arbeit in die Mitte einer quirligen Metropole verspreche ich mir ebenfalls neue Impulse“, sagt der Textilkünstler.

Unterwasserwelt aus Glas

„Where the shark bubbles blow“ ist der Name des Objektes, für das Wilfried Grootens aus Kleve den Staatspreis im Bereich Glas erhielt. Der Glaskubus aus 38 geschliffenen und bemalten Glasscheiben gewährt überraschend vielfältige Innenansichten, die an eine Unterwasserwelt erinnern und einer Themenreihe mit ozeanischen Farben entstammen. Grootens, gelernter Glas- und Porzellanmaler und Handwerksmeister, hat bereits viele Auszeichnungen erhalten, nicht nur für seine Objekte, sondern auch für Installationen und Glasbilder.

Herausragende Metallgestaltung

Seit ihrer Lehrzeit schmiedet Corinna Loelgen aus Köln gerne Nützliches aus Silber. Fast aus Langeweile habe sie mit Espresso-Löffeln angefangen, sagt die Goldschmiedemeisterin und staatlich geprüfte Gestalterin für Schmuck. In ihrer Schmuck und Silberschmiede entstanden so nach und nach miteinander stilverwandte Solitäre – Salatbesteck, Vorlegebesteck und jetzt das preisgekrönte Dessertbesteck „Meranthium“. Es wurde von der Jury als „herausragender Beitrag des metallgestaltenden Handwerks“ gewürdigt.

Außerdem war der Jury Marion Koells Fotoserie, die ein Hilfsprojekt in Ghana dokumentiert, die höchste Auszeichnung im Bereich Fotografie/Papier wert.

Oliver Hintzen aus Aachen legte erst im letzten Jahr die Abschlussprüfung an der Akademie für Handwerksdesign ab. Er präsentierte in der Kategorie Holz einen leichten, einladend wirkenden Sessel, der dank hoher ergonomischer Qualität ohne Polsterung auskommt.

Renate Hahn aus Bad Laasphe konnte sich über den Sonderpreis im Bereich Keramik freuen. Ihr poetisches Werk trägt den Titel „Verwehtes Gespräch“.

Ausstellung ist bis zum 20. November geöffnet

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. November zu sehen im Kreismuseum Zons, Schloßstraße 1, 41541 Dormagen-Zons, (geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr). Der Katalog kostet 15 Euro.

Dipl.-Volkswirt Angelika Basdorf ist ständige Aut , Basdorf

Angelika Basdorf - Angelika Basdorf Diplom-Volkswirt sozialwissenschaftliche Richtung Seit 1998 bin ich selbstständige freie Journalistin und ...

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