
- Sofa "Blow" , 2010 - Kulik-Pomorska, Pomorski
15 Designer und Designerinnen aus Polen zeigen bis zum 28. August im Kölner Museum für Angewandte Kunst (MAKK) ihre Kleinserien, Unikate und Prototypen. Dabei kombinieren sie ungewöhnliche Materialien, recyceln sie oder beleben mit modernen Technologien althergebrachte Techniken neu. Die Entwürfe bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen traditioneller Volkskunst und aktuellen Konsumgewohnheiten unserer globalisierten Welt.
Neue Wertigkeit für Wertloses
Die Jung-Designer setzen in dieser Sonderschau mit Augenzwinkern und einer Prise Humor ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft. Sie nutzen einfachste Materialien, die erschwinglich, zugänglich und leicht zu handhaben sind: Holz, Spanplatte, Filz, bestimmungswidrig verwendete Zwischenprodukte oder recycelte Stoffe. Häufig greifen sie bei der Herstellung auf handwerkliche Techniken zurück, manchmal in Kombination mit modernen Technologien und zeigen, was aus scheinbar wertlosem (Verpackungs-)Material noch erschaffen werden kann. Das Sofa „Blow“ von Pawel Pomorski und Agata Kulik-Pomorska beispielsweise sieht fragil aus und ist federleicht, kann aber das Gewicht von drei Personen tragen. Daria Burlinska und Wojtek Traczyk haben als Grundstoff für ihre „Zwiebellampen“ Vliesstreifen gewählt, und Agnieszka Bars Lampen bestehen aus nichts anderem als Glasbehältern, die sie mit Glasscherben füllt.
Der Ausstellungsname „UnPolished“ soll durchaus doppeldeutig verstanden werden. Die Exponate kommen unaufgeregt, „unpoliert“ daher und wollen nicht unbedingt typisch für Polen sein, sondern stehen für eine junge, kritische Avantgarde. Dennoch ist die historische Prägung der im Schnitt 35 Jahre alten Designer sichtbar, die noch während des Systemwandels in Polen aufgewachsen sind – in ihren nicht-kommerziellen, konzeptuellen, quasi künstlerischen Einstellungen zum Design. Bei ihnen findet man keine für industrielle Serienfertigung „glattgebürstete“ Linien, vielmehr fließen in ihre Entwürfe auch regionale Besonderheiten ein. So hat sich Anna Kotowicz-Puszkarewicz beispielsweise die Textiltradition Ostpolens zunutze gemacht. Tischdecken werden nun dort nach ihren Entwürfen bestickt.
Nächste Stationen: Hannover und Düsseldorf
Die meisten jungen Designer entwerfen nicht nur ihre Objekte selbst, sondern sie sorgen auch für die Produktion, die Werbung und den Vertrieb. Die Objekte zeugen alle von einer gemeinsamen Idee: ein deutliches Fragezeichen zwischen Design und Kunst zu setzen.
Von den rund 100 Designobjekten, die in der Ausstellung gezeigt werden, waren einige bereits auf internationalen Messen und Ausstellungen zu sehen. Und Köln ist nicht die letzte Station von „UnPolished“. Vom 23. September bis 22. Oktober wird sie in der Handwerksform Hannover gezeigt und vom 30. Oktober bis 19. November in der Handwerkskammer Düsseldorf. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit agitPolska e.V., dem Regionalmuseum Stalowa Wola und dem Polnischen Institut Düsseldorf. Sie wird gefördert durch die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und unterstützt vom Generalkonsulat der Republik Polen in Köln.
Quelle: Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK)
