Ausstellung im Groeningemuseum: Van Eyck bis Dürer

Albrecht Dürer: Portrait eines Unbekannten - (c) Nationalmuseum Prado, Madrid
Albrecht Dürer: Portrait eines Unbekannten - (c) Nationalmuseum Prado, Madrid
Das Groeningemuseum in Brügge zeigt vom 29.Oktober 2010 - 30.Januar 2011 über 300 Werke der flämischen Renaissance und ihrer Nachahmer in Mitteleuropa.

Selbst die meisten Kunstkenner denken bei dem Begriff Renaissance automatisch an Italien, die spätmittelalterlichen Stadtrepubliken und die Wiederentdeckung der Antike auf dem Heimatboden der alten Römer. Doch entstand zeitgleich ein künstlerisches Kraftzentrum im Norden Europas – Vlaams Gewest, die Flämische Region. Der Einfluss der niederländischen Malerei übertraf in vielen Regionen Mitteleuropas sogar den der italienischen Künstler.

Das Groeningemuseum beleuchtet mit der Retrospektive „Van Eyck bis Dürer“ die künstlerische Revolution der flämischen Primitiven, die sich wie ein Lauffeuer in Europa verbreitete. Die Ausstellung will dabei nicht allein die gut erforschten, prominenten Maler in den Blickpunkt rücken. Vielmehr sollen das breite Spektrum, die wichtigsten Kunstzentren und aufschlussreiche Fallbeispiele gezeigt werden.

Unter den rund 300 Werken sind neben Jan Van Eyck und Albrecht Dürer viele Meister aus der Zeit 1420 - 1530, die die Neuorientierung der abendländischen Malerei gestaltet haben. Die Gemälde von Lochner, Memling und Van der Weyden werden durch Werke nicht weniger talentierter, aber unbekannterer Zeitgenossen ergänzt. Mit Gemälden, Zeichnungen, Gravuren und Miniaturen stehen sich die Flämischen Primitiven und die Künstler Mitteleuropas gegenüber.

Die Kunst vor den Flämischen Primitiven

Im ersten Teil der thematisch gegliederten Ausstellung beleuchten ausgesuchte Werke den Stand europäischer Kunst unmittelbar vor dem Auftreten der Protagonisten des neuen Stils. Bereits in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts hat es einen Austausch zwischen der Flämischen Malerei und der Kunst Mitteleuropas gegeben. Vor allem in Süddeutschland haben die dynastischen Verbindungen zwischen Bayern und Holland nachweislich weitreichende Folgen auch für die lokale Kunstproduktion gehabt.

Frühe Reaktionen auf die Flämische Kunst und erste Schüler in Flandern

Desweiteren werden die Werke der ersten Generation der Flämischen Primitiven – vor allem Van Eyck, Campin, Van der Weyden – denen ihrer Nacheiferer - Konrad Wirtz, Lukas Moser und Stephan Lochner - gegenüber gestellt. Neben Gemälden stehen hier auch Zeichnungen, die bei der Verbreitung typischer Motive wichtig waren, im Fokus.

Unmittelbar danach war der flämische Stil bereits so anerkannt, dass deutsche Maler, Bildhauer und Kupferstecher nach Norden wanderten, um bei den Meistern in Flandern in Lehre zu gehen. Hans Holbein der Ältere aus Augsburg, Martin Schöngauer aus Straßburg, Hans Pleydenwurff und Michael Wolgemuth aus Nürnberg und andere anonyme Künstler, wie der Meister der Passion von Lyversberg und der Meister der Georgs-Legende aus Köln, arbeiteten zeitweilig in Flandern, um den neuen flämischen Stil zu lernen.

Verbreitungswege der niederländischen Renaissance und die Auftraggeber der Künstler: Städte, Adelshöfe, Händler

Die gebräuchlichsten Verbreitungswege neuer Ideen waren Skizzen, Zeichnungen und mit zunehmender Bedeutung Gravuren. Dieser Teil der Ausstellung zeigt unter anderem die Quellen der Inspiration der Kupferstiche Albrecht Dürers.

Der Export flämischer Arbeiten wird an Hand der Auftragsarbeiten Rogier Van der Weyden und Hans Memling für deutsche Fürsten verdeutlicht. Sowohl die Elite der Händler als auch die Adelshäuser zeigen, um Reichtum, Macht und sozialen Status zur Schau zu stellen, großes Interesse an den Schönen Künsten.

Ein faszinierender Aspekt der Flämischen Kunst ist ihre universelle Attraktivität. Sie vermischte sich mit den regionalen Stilrichtungen in Deutschland, Österreich/Ungarn, dem Baltikum und Transsylvanien. Hier wird sowohl das Ausbreitungsgebiet der niederländischen Renaissance als auch deren immenser Einfluss auf lokale Künstler herausgestrichen.

Albrecht Dürer und die Niederlande

Dürer war bereits während seiner Ausbildung in Nürnberg von der flämischen Malerei beeindruckt - die neuartige Ausdrucksform der Landschaften in seinen ersten Gravuren lassen sich auf Einfluss der Flämischen Primitiven zurückführen. Im Jahr 1521 reist er in die Niederlande um Meisterwerke wie zum Beispiel das Lamm Gottes der Gebrüder Van Eyck zu bewundern.

Im letzten Teil der Exposition werden die ersten Arbeiten des jungen Dürers den flämischen Werken, die ihn inspirierten, gegenübergestellt. Das Oeuvre des reifen Dürers wird gemeinsam mit seinen flämischen Zeitgenossen wie Quinten Matsijs, Jan Gossaert und Joachim Patinir ausgestellt.

Allgemeine Informationen zur Ausstellung „Van Eyck bis Dürer“ im Groeningemuseum, Brügge

Die Ausstellung ist Dienstag bis Sonntag von 9:30 bis 18:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 11,- Euro für Erwachsene. Weitere Informationen finden Sie auf der Website Brugge Centraal.

In der Zeit vom 20. Oktober 2010 – 20. Januar 2011 ist im BOZAR - dem Museum der Schönen Künste in Brüssel - die Ausstellung “Die Welt des Lucas Cranach” zu sehen.

Uli Gönczi, Annie Schwaiger

Uli Gönczi - Uli Gönczi studierte Alte Geschichte an der LMU München und arbeitete in diversen Redaktionen. Nach dem Studium erhielt er bei ...

rss