Ausstellungen und Aktionen im Museum Arzberg/Bergnersreuth

Gute Stube - Ines Brückle
Gute Stube - Ines Brückle
Zeitreise im volkskundlichen Gerätemuseum nahe Marktredwitz. Sehenswerte Schablonentechnik, umfangreiche Gerätesammlung, ganzjährig die Weiß`sche Krippe

Über einen kurzen Wiesenweg am Bauerngarten vorbei nähert sich der Besucher dem stattlichen Drei-Seiten-Hof. Der äußere schmucke Eindruck bestätigt sich bereits im modernen Stall. Alles ist nach dem neuesten Stand der Technik, der Technik um 1920, eingerichtet. Sauber abgetrennte Abteile, modernste Fütterung. Ein Hof mit Tradition, die sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Auch die Menschen durften sich über einen für ihre Zeit überdurchschnittlichen Komfort freuen: Eine Toilette im Haus. Gekocht wurde im Kachelofen. Küche und Stube waren beheizt.

Schablonenmalerei statt Tapete

Was sofort ins Auge sticht, sind die aufwändigen Wand-Malereien in Schablonentechnik. Sogar in der wohlgefüllten Speisekammer und im spartanisch eingerichteten Gesindezimmer sind sie angebracht. Tapetenartig überziehen sie in kunstvoller Perfektion in den „Vorzeigeräumen“ die ganze Wand. Neun verschiedene Schablonen hat der Maler hier gebraucht, für jede Farbe eine. Die Besitzer des Hofes wollten so ihren Reichtum zur Schau stellen. Gleich zwei „Gute Stuben“ zeugen von Wohlstand. Solches gilt auch für das mit Intarsien und Schnitzereien verzierte Original-Mobiliar

Selbstversorger waren die Bauersleute, es wurde eingemacht und geschlachtet, zahlreiche Gerätschaften erleichterten die Arbeit. Persönliches hatte in einer Truhe Platz, ab und an genoss man ein heißes Wannenbad im Stall, wo warmes Wasser zur Verfügung stand.

Geräteausstellung

Die eigentliche Geräteausstellung befindet sich in der 1908 errichteten großen Scheune.

In der Ausstellung „Transport“ geht es ganz konkret und praktisch zur Sache. Tragen, Schleifen und Rollen ist die Überschrift einer der Tafeln. „So kurz wie möglich, so ausführlich wie nötig und dabei kurzweilig informativ“, scheint die Devise bei der Aufbereitung des umfangreichen Anschauungs- und Informationsmaterials gewesen zu sein. Ein Umstand, der das Lesen der Erklärungstafeln selbst für Kinder und wenig technikkundige Erwachsene unterhaltsam macht. Zur Kulturgeschichte des Fichtelgebirges gehören aber nicht nur „Wasserbutte“ (große hohe Holzgefäße zum Wassertragen) und „Leiterwagen“. Auch Eisenbahn, Fahrrad und schließlich als jüngstes Geschichtszeugnis der Gegenwart der Trabbi sind vertreten. Transport als Spiegelbild der Sozialgeschichte: Wer schleppen muss ist arm, wer Kutsche fährt repräsentiert Reichtum und Macht. Selbst die Gleichberechtigung der Frau ist mittels eines Transportmittels, des Fahrrades, einen entscheidenden Schritt vorangebracht worden, erfahren wir beim aufmerksamen Gang durch den Ausstellungstrakt.

Als in Geschichten erzählte Geschichte lässt sich die Entwicklung der Landwirtschaft vom Feudalismus bis in die Gegenwart miterleben. Gut veranschaulicht durch Wort und Bild, werden Ausstellungsgegenstände vertraut, begreifbar gemacht. Exkurse in die Ernährung der Bauern, in Mechanisierung und Elektrifizierung komplettieren das Entwicklungsbild. Verbesserung von Pflanzenschutz und der Bau moderner Lagerhäuser gingen Hand in Hand.

Im Untergeschoss erfahren wir alles über die Konservierung im ländlichen Haushalt. In einer Zeit der Selbstversorgung war eine Bevorratung für die Wintermonate unerlässlich. Manch ein Besucher kann sich noch an die Einkochtöpfe und Entsafter seiner Jugend erinnern. Darüber hinaus helfen auch hier allerlei Gerätschaften und passende Erklärungen der Vorstellungskraft Uneingeweihter gut nach.

Entstehung der Sammlung

Ihre Wurzeln hat die Gerätesammlung bereits in den 70er-Jahren in ersten Sammlerstücken des Fichtelgebirgsvereines. 1985 wurde ein Förderverein gegründet. Drei Trägerschaften arbeiteten und arbeiten einander zu: Der Fichtelgebirgsverein, der die reichhaltige Gerätesammlung beisteuerte, die Stadt Arzberg mit der Bereitstellung des Anwesens und der Landkreis Wunsiedel, der sich um die finanzielle und organisatorische Seite kümmerte. Erst beim Ausbau des Anwesens wurde ein zusätzlicher Schatz entdeckt: Die reichhaltigen und teils noch erhaltenen Wandmalereien. Das Museum besitzt heute eine der größten Sammlungen Bayerns: 3000 Schablonen für Wandmalerei aus den Jahren 1900 bis 1930/40 sind inventarisiert und liegen digitalisiert vor. Am 28.05. 1993 wurde das volkskundliche Geräte- und Freilichtmuseum Arzberg/Bergnersreuth eröffnet.

Weiß`sche Krippe

Nicht nur zur Weihnachtszeit kann seit November 2006 eine beachtliche Ganzjahreskrippenausstellung in der kompletten obersten Dachetage des Gerätemuseum bewundert werden: Die Szenen der Weiß´schen Krippe. Statt Computerspiele wie die Kinder unserer Zeit sammelte der siebenjährige Arzberger Landwirtssohn Ludwig Weiß (1900-1983) tönerne Krippenfiguren, eine Erfindung der Marktredwitzer Hafner (Töpfer) seiner Zeit. Dieses Hobby begleiteten ihn durch sein ganzes Leben. Die Krippe war also ursprünglich eine reine Privatausstellung, die er in seinem Privathaus, der Flittermühle in Arzberg, aufgebaut hatte. Die Sammlung gliedert sich in einen orientalischen und einen alpenländischen Teil. Dargestellt wird neben den klassischen Krippenszenen auch der Sündenfall und die Geschichte Jesu vom Schreiner über den Lehrer und Heiler bis hin zu Kreuzestod und Auferstehung. Dies macht den Charakter der Marktredwitzer Landschaftskrippen, auch Passions- und Jahreskrippen genannt, aus. Die Sammlung in ihrer Gesamtheit umfasst 1700 Tonfiguren der Hafnerfamilien Patz, Völkl und Meyer aus Marktrerdwitz, sowie 200 Gebäude, mehrere hundert Kleinteile und handgemalte Panoramen von Emil Richter.

Sonderausstellungen und Programm

Neben wechselnden Sonderausstellungen sorgt ein bunt wechselndes Programm für die Attraktivität des Museums. Vom Einkochen von Vogelbeerenmarmelade über Konzerte und Lesungen bis hin zu Weihnachtsmarkt und Bastelnachmittagen.

Winterkind 2.2.2010, Bernhard Brückle

Ines Beatrix Brückle - Schreiben, Radeln und Kinder sind meine Leidenschaft. Zur Entspannung höre ich auch gerne mal was Klassisches oder Filmmusik von ...

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