
- Ein Atomkraftwerk - pixelio
Auch wenn die Atomenergie viele Risiken mit sich bringt, ist Deutschland auf sie angewiesen. Denn keine bekannte Art der Stromerzeugung liefert eine so hohe Energieausbeute, wie die Atomkraft. Allerdings sind Kernkraftwerke weder sicher, noch umweltfreundlich, weswegen an der „Geordneten Beendigung der Nutzung der Kernenergie“ festgehalten werden sollte.
Probleme und Gefahren der Kernkraft
In Kernkraftwerken wird aus radioaktiven Rohstoffen, wie zum Beispiel Uran, elektrische Energie gewonnen. Dabei entsteht radioaktives Material, welches nur sehr langsam abgebaut und über mehrere tausend Jahre, unterirdisch gelagert wird. Die Gefahr, dass dieses Material in das Grundwasser oder die Umwelt gelangt ist hoch, da die Erdkruste beweglich und unbeständig ist. Ein weiteres Problem ist, dass der anfallende Atommüll derzeit in Zwischenlagern gesammelt wird, da es noch keine Endlager dafür gibt.
Atomkraftwerke stellen nicht nur aufgrund eines möglichen GAUs (größter anzunehmender Unfall), sondern vor allem bei Naturkatastrophen und als mögliches Angriffsziel im Kriegsfall, eine unberechenbare Gefahr dar. Außerdem sind sie ein attraktives Ziel für Terroristen, die mit einem Angriff auf ein solches Kraftwerk enormen Schaden anrichten könnten. Desweiteren fällt bei der Energiegewinnung in Atomkraftwerken waffenfähiges Plutonium als Nebenprodukt an. Das einzelne Länder diese nicht für militärische Zwecke missbrauchen, kann nicht garantiert werden.
Atomkraft und CO2-Emissionen
Es ist unumstritten, dass Atomkraftwerke, in Bezug auf den Ausstoß von CO2, wesentlich umweltfreundlicher sind als zum Beispiel Kohlekraftwerke. Und es ist auch richtig, dass während des Spaltprozesses im Kraftwerk kein CO2 produziert wird. Allerdings muss Uran in Bergwerken unter Einsatz von Maschinen abgebaut werden, welche CO2 ausstoßen. Der Werbeslogan „0 CO2“, den die Atomlobby verbreitet, ist daher nicht richtig. Hinzu kommen die schlechten Arbeitsbedingungen der Bergleute und die verwüstete Landschaft, die der Uranbergbau hinterlässt. Aus humanitärer und ökologischer Hinsicht ist Atomkraft daher wesentlich bedenklicher, als es der breiten Öffentlichkeit glaubhaft gemacht werden soll.
Kosten der Kernenergie
Die Produktion einer Megawattstunde Atomstrom ist günstiger als die Stromproduktion mit Kohle oder Erdgas. Laut einem Bericht des IER Stuttgart aus dem Jahr 2008 wird für 2010 mit folgenden Produktionskosten je Megawattstunde gerechnet:
- Kohle: ca. 62,00 €
- Erdgas: ca. 58,00 €
- Kernkraft: ca. 37,00 €
- Biomasse: ca. 97,00 €
- Wasserkraft: ca. 102,00 €
- Windkraft: ca. 135,00 €
Allerdings wird Atomkraft verdeckt subventioniert, was die Kosten künstlich drückt. Beispielsweise muss die Industrie sich gegen Umweltschäden durch Chemiewerke versichern. Atomkraftwerke benötigen solch eine Versicherung nicht, obwohl die Schäden für die Umwelt enorm sind. Die Kosten für die Endlagerung, aber auch die Kosten möglicher Unfälle werden nicht von Atomkonzernen, sondern vom Steuerzahler getragen.
Abhängigkeit vom Ausland
Probleme mit Gaslieferungen aus Russland machten deutlich, dass Europa nach neuen Wegen der Energieversorgung suchen muss. Neben Stimmen für regenerative Energien, wurden auch Rufe nach Atomkraft lauter. Eine Mischung aus Gaslieferungen aus Russland, der Ukraine und Turkmenistan, sowie Atomstrom aus Frankreich, wäre bei einem Austritt aus der Atomkraft sicher möglich, das Grundproblem der Abhängigkeit vom Ausland, würde damit aber nicht gelöst.
Alternativen zur Atomkraft
Als klimafreundliche Alternativen zur Kernkraft stehen beispielsweise Biogasanlagen, Solartechnik oder Windkraft zur Verfügung. Allerdings sind hier noch enorme Investitionen notwendig, um unseren Energiebedarf zu decken. Damit regenerative Energien eine wirkliche Alternative zu Atomstrom werden, muss die Wissenschaft zunächst Speichermöglichkeiten für die erzeugte Energie entwickeln.
Mit Blick auf den Emmissionshandel müssen außerdem Wege gefunden werden, die Energieausbeute anderer fossiler Brennstoffe wie Kohle oder Gas zu verbessern, um deren Kosten stabil zu halten. Solange dies nicht gelingt, ist Atomenergie unverzichtbar, auch wenn sich seit der Katastrophe von Fukushima im März 2011 immer mehr Deutsche gegen die Atomkraft aussprechen. Projekte wie Solaranlagen in der Sahara und Windparks auf der Nordsee, sowie intensive Forschung zur Optimierung der Kohlekraftwerke sind Schritte in die richtige Richtung, die allerdings konsequent weiterverfolgt werden müssen. Zudem müssen sie bezahlbar werden. Ob dies tatsächlich bis 2020 gelingt, ist fraglich. Sollte ein Atomausstieg vollzogen werden, ohne dass der Energiebedarf durch andere Alternativen substituiert werden kann, wird sich Frankreich sicher freuen, seinen Atomstrom an Deutschland zu verkaufen.
Pro und Contra Atomkraft - fünf Argumente für und fünf Argumente gegen die Kernenergie
Bei kaum einem Thema können sich Politiker und Lobbyisten so leidenschaftlich streiten, wie beim Ausstieg aus der Atomkraft.
Für die Kernenergie werden immer wieder folgende Argumente aufgeführt:
- günstiger Strompreis aufgrund niedriger Produktionskosten
- keine ausreichenden Alternativen zur Deckung des Energiebedarfs
- Gewinne der Energiekonzerne können in neue Technologien investiert werden
- Technischer Fortschritt ermöglicht Kernkraftwerke von höherer Sicherheit, sowie das Vorantreiben alternativer Energien
- Umweltschutz und CO2-Reduktion, da beim Verbrennen von Uran kein Kohlenstoffdioxid freigesetzt wird.
Gegen die Atomkraft sprechen:
- Begrenzte Vorräte, da Uran ein fossiler Brennstoff ist
- Endlagerfrage
- Sicherheitsrisiken aufgrund möglicher Unfälle
- Frieden, da nicht eine militärische Nutzung der Abfälle nicht ausgeschlossen werden kann
- Umweltschutz und CO2-Reduktion, da beim Abbau von Uran Kohlenstoffdioxid, sowie radioaktives Material freigesetzt wird, das ganze Landstriche unbewohnbar macht.
Fazit zum Atomausstieg
Der Ausstieg aus der Atomkraft ist unumgänglich – sei es nun aus sicherheitstechnischer, humanitärer oder ökologischer Hinsicht. Allerdings ist ein Atomausstieg nicht sinnvoll, solange die benötigte Energie nicht durch andere Arten der Energieerzeugung substituiert werden kann. Ihn deswegen zu verzögern, wäre aber falsch. Daher ist der Ausbau alternativer Energiequellen momentan genauso wichtig, wie die Erforschung geeigneter Speichermöglichkeiten. Auch der Bau weiterer Kohlekraftwerke und der Energieimport aus dem Ausland werden unverzichtbar sein, um den Ausstieg aus der Kernkraft bis 2020 realisieren zu können.
Quellen: atomkraftwerk.biz, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg , Bundeszentrale für politische Bildung, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Greenpeace
