Die landwirtschaftliche Erschließung des australischen Kontinents ist ein Thema, das zweifellos von hohem Interesse ist, da Australien – soviel sei schon einmal vorweg genommen – schon immer ein Kontinent von äußerst begrenzter landwirtschaftlicherNutzbarkeit war und es heute noch ist. Der Kampf des Menschen gegen die Widrigkeiten der Natur und die landwirtschaftliche Nutzbarmachung eines Landes ist auf nur wenigen Schauplätzen der Welt so aufwendig und engagiert geführt worden, wie in Australien.
Australien ist geprägt durch klimatische und geographische Extreme
Der größte Teil Australiens ist permanent arid und semiarid (trocken bzw. halbtrocken) und von Natur aus landwirtschaftlich nicht oder kaum nutzbar. „52 Prozent der Gesamtfläche des Kontinents weisen eine jährliche Niederschlagsmenge unter 300 mm auf“ (Lamping, H. (1999): Australien, 2. Auflage, S.24).
Der größte Teil Australiens liegt zwischen dem 15. und 35. Breitengrad (im Passatgürtel) und ist durch heiße und trockene Luftmassen bestimmt. Die kompakte Form des Kontinents beeinflusst weiter die Temperaturverhältnisse. An der Küste dauern die Dürreperioden selten länger als drei Tage. Dies weist die küstennahen Gebiete als einzige Alternative für landwirtschaftliche Nutzung aus.
Der Hauptfluss Australiens ist der Murray, der eine Länge von etwa 2.600 Kilometern aufweist. Er bildet in einem Großteil seines Laufes die Grenze zwischen den Bundesstaaten New South Wales und Victoria. Der Fluss wird an mehreren Stellen gestaut, um Wasser für den Bewässerungsfeldbau zu entnehmen.
Bodenbildung liegt zurück
Aufgrund der geologischen Stabilität des Kontinents liegen die Bodenbildungsprozesse weit zurück. Über lange Zeit waren die Böden Verwitterungs – und Auslaugungsprozessen unterworfen. Ausgelaugte Böden (Podsole) finden sich in Tasmanien, an der Ostküste und an der Südwestküste. „Über 15 Prozent der Landesfläche bestehen aus solchen unfruchtbaren Böden“ (Lamping, H. (1999) Australien, S. 31). Weiter im Landesinneren sind die Böden entlang der Ostküste und der Südwestküste besser zu beurteilen, obgleich sich die Niederschlagsverhältnisse verschlechtern.
Hier verfügen größere Flächen über fruchtbare Böden, so die Schwarzerden im nordöstlichen Bergland und die rotbraunen Böden im Südosten des mittelaustralischen Tieflandes. Jedoch weist der überwiegende Teil Australiens ungünstige Bodenverhältnisse in Form ausgelaugter nährstoffarmer und versalzter Böden auf. Im zentralen Trockengebiet sind die Wüstenböden bestimmend. Hier sind unterschiedliche Bodenqualitäten bestimmend, doch durch die hohe Aridität werden diese Unterschiede fast unsichtbar gemacht.
Hohe Temperaturen durch einen großen Teil des Jahres hindurch
Die Temperaturen im größten Teil Australiens werden durch heiße und trockene Luftmassen bestimmt. Auch die kompakte Form des Kontinents beeinflusst die Temperaturverhältnisse. Durch den nur wenig gegliederten Küstenverlauf ist die wechselseitige Durchdringung von Meer und Land gering ausgeprägt.
Das Klima Australiens ist kontinental ausgerichtet und lässt in großen Gebieten in der Mitte Australiens die durchschnittliche Januartemperatur auf 35°C ansteigen.
Niederschläge liegen ganz im Einfluss von Großwetterlagen
Die Niederschläge Australiens sind bestimmt durch Verlagerungen der subtropischen Hochdruckzone, und zwar nach Norden und nach Süden. Im Sommerhalbjahr (November – April) liegt diese Hochdruckzone weiter im Süden und der Monsunregen kann im Norden Australiens mit ergiebigen Niederschlägen wirksam werden. Im Winterhalbjahr verlagert sich die Hochdruckzone nach Norden und hält den Monsunregen vom Kontinent fern.
Eine scharfe Trennung in Regenzeit (wet season, November – April ) und Trockenzeit (dry season, Mai – Oktober) liegt vor. Im Norden Australiens führen die meisten Flüsse deshalb nur im Unterlauf ganzjährig Wasser, in der Regenperiode sind die Flussbetten dagegen den Wassermassen nicht gewachsen, so dass es zu großflächigen Überschwemmungen kommt, dies oft im Zusammenhang mit Wirbelstürmen (Zyklonen). Andererseits bringt die Verlagerung des Hochs nach Norden den Süden im Winterhalbjahr in den Einflussbereich der Regen bringenden Westwindzone. Insgesamt bringt die Wanderung des tropischen Hochs im Jahresverlauf dem Klimageschehen eine hohe Variabilität ein.
