Magalie ist nicht auf dem Laufsteg gestolpert. Zum Verhängnis wurde der Kandidatin der Show "Austria’s Next Topmodel" ein rassistischer Spruch. Sie hatte eine ihrer Kolleginnen abfällig als "Neger-Oide" bezeichnet.

Puls4 machte mit der Sequenz Werbung

Puls4 hatte aufgrund der allgegenwärtigen Kameras den Sager natürlich aufgezeichnet. Und ihn als Teaser für die am 20.1.2011 zu sehende Sendung verwendet um so die Stimmung anzuheizen und Werbung für die Show zu machen. In dieser soll Magalie dann wohl medienwirksam aus der Sendung geworfen werden.

Beurteilung nach ethischen Kriterien?

Begründet wird der Rauswurf damit, dass man bei "Autria’s Next Topmodel" die Kandidatinnen auch nach ethischen Kriterien beurteile. Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob der Sender Puls4 seinen eigenen diesbezüglichen Maßstäben genügen würde, wenn er mit dieser bestimmten Szene fortwährend Werbung macht. Die Erklärung, dass man diese Sequenz deshalb ständig gezeigt habe, weil man den Zuschauern schließlich auch erklären müsse, warum eine Kandidatin aus der Show fliegt, kann sehr leicht als der fadenscheinige Vorwand enttarnt werden, um den es sich dabei auch handelt.

Aufblasen eines Pseudo-Skandals

Die bessere Lösung wäre es gewesen, den verurteilenswerten rassistischen Spruch gar nicht erst auszustrahlen und die Sache mit der Kandidatin intern zu klären. Stattdessen hat man sich dazu entschlossen, die ganze Sache öffentlich auszuschlachten, damit man sich später als Sender der Saubermänner aufspielen und Magalie quotenfördernd disqualifizieren kann. Dabei ist nicht Magalies Rauswurf unverantwortlich, sondern die Art und Weise, wie man bei Puls4 damit umgeht. Dabei kommt man nicht umhin zu bemerken, dass diese Marketingaktion genauso unmoralisch wie geschickt gemacht ist. Die Verfechter der übertriebenen politischen Korrektheit können Magalie genauso verteufeln, wie es der Sender tut (obwohl der sich wahrscheinlich heimlich ins Fäustchen lacht), die rechtsnationalen Eiferer dürfen sich darüber echauffieren, dass man heutzutage ja gar nichts mehr sagen dürfe und der große Rest lehnt sich gemütlich zurück und amüsiert sich über dieses unnöitge Kasperltheater. Die Quoten der Sendung werden wohl in ungeahnte Höhen klettern.

Interne Lösung wäre ethischer gewesen

Die vom Sender getroffene Entscheidung hätte - was die zu erwartenden Zuschauerzahlen angeht - aus der Sicht von Puls4 also gar nicht besser sein können. Zumindest wenn man auf alle ethischen Grundsätze vergisst. Ethischer wäre eine interne Lösung, bei der beide Kandidatinnen diese unschöne Sache miteinander (und unter Ausschluss der Öffentlichkeit!) ausdiskutieren, nämlich allemal gewesen. So schlachtet man einen Ausrutscher (der hier keinesfalls verteidigt werden soll) auf den Rücken beider Kandidatinnen aus, um danach selbst als politisch korrekter Fernsehsender dazustehen.

Rechtsnationale Szene beobachtet die Angelegenheit genau

Auffällig ist auch, dass der "Skandal" im rechten bis rechtsextremen Eck sehr genau beobachtet wird. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens stimmt ein großer Teil dieser Leute - obwohl sie solche Aussagen natürlich öffentlich ebenso verwerflich finden - mit der Aussage von Magalie über ihre Konkurrentin überein. Der zweite Grund dürfte der wesentlich interessantere sein: Bei Magalie handelt es sich um eine durchaus herzeigbare junge Frau, die nicht auf den Mund gefallen zu sein scheint. Demnach dürfte es nicht verwunderlich sein, wenn wir sie bald wieder sehen könnten - als Postergirl der Rechtsnationalen.

Update: Puls4 prolongiert den selbst inszenierten Pseudo-Skandal bei "Austria’s Next Topmodel"

In der Sendung vom 20.1.2011 wurden zwar der rassistische Spruch von Kandidatin Magalie gezeigt, allerdings hat man sich die Konsequenzen (also den Rauswurf) für die Sendung am 27.1.2011 aufgehoben. Offenbar hat man die selbst aufgebauschte Sache quotenmäßig noch nicht genug ausgeschlachtet.

Hier soll keinesfalls der rassistische Sager der Kandidatin verteidigt werden. Aber man hätte diese Angelegenheit sehr viel besser regeln können.

Quelle: Die Presse