Deutschland nervt: der mittelprächtig bezahlte Job, tägliches Pendeln zur Arbeit mit der stets verspäteten Bundesbahn, ein mieses Klima mit immer länger andauernden Wintern und kaum erkennbaren Sommern – diese und andere Faktoren führen laut Umfragen bei vielen Deutschen zu steigendem Frust. Schnell kommt dabei der Gedanke auf, woanders sei ja alles besser. Urlaubserinnerungen an weiße Sandstrände und strahlend blauen Himmel, an fröhlich plaudernde Menschen, die so viel offener scheinen als die Deutschen, lassen so manchen Bürger schnell in Auswanderungsphantasien eintauchen.

Doch Auswandern ist das Gegenteil von Urlaub und Entspannung. Es bedeutet, allein ein Berufs- und Alltagsleben in einer fremden Umgebung aufzubauen, in der man selbst immer ein Ausländer sein wird, meistens in einer anderen Sprache und umgeben von Bürokratie, die in ihrer Komplexität der deutschen in nichts nachsteht. Wer den Schritt dennoch wagen möchte, sollte schon vorab Antworten auf viele wichtige Fragen finden.

Wohin? Die Top-Ziele deutscher Auswanderer 2010

2010 wanderten circa 141.000 Deutsche aus. Laut Statistiken wählten dabei 22.034 von ihnen die Schweiz als neue Heimat, 12.986 die Vereinigten Staaten und 10.831 Österreich. Das beliebte Urlaubsland Spanien folgt auf Platz sechs, Italien auf Platz zwölf. Unter den Top 20 Zielen außerhalb Europas befinden sich auch Australien, Kanada, China, Thailand, Brasilien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Gründe für die Auswahl des Ziellandes

Die Tendenzen zeigen generell, dass sich die Frage nach dem Zielland oft an die Landessprache kuppelt. In vielen Gebieten der Schweiz sowie in Österreich braucht man als Deutscher keine Fremdsprache zu beherrschen, für die USA verfügt der Großteil aller Deutschen mindestens über Grundkenntnisse in Englisch. Daneben spielt die Attraktivität des Landes für viele Deutsche eine große Rolle. Spanien stellt für die meisten ein geografisch nahes, ganzjährig mildes Paradies voller Lebensfreude dar, ähnlich wie Italien, das jedoch bei Auswanderern weniger beliebt ist. Thailand verspricht vor allem einen kompletten Neuanfang in exotischer Umgebung.

Ferne Ziele wie China und die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich dagegen als wirtschaftlich starke und für den deutschen Arbeitnehmer attraktive Länder herausgestellt. Die Nachfrage chinesischer Firmen und Universitäten nach Arbeitskräften aus dem Ausland wächst und viele folgen dem Locken der neuen Wirtschaftsmacht.

Die Frage nach dem Ziel bringt also verschiedene Überlegungen mit sich. Wo kann ich Arbeit finden? Wo kann ich mich am besten verständigen? Wo würde ich mich wohl fühlen? Welches Land kann mir etwas geben, das ich momentan in Deutschland nicht finde?

Wo bekomme ich konkrete Informationen zu Ländern?

Neben der Deutschen Botschaft im Land der Wahl, beziehungsweise der ausländischen Botschaft in Deutschland, informieren viele Ratgeber und Websites über alles Wissenswerte für einen Neustart im jeweiligen Land. Dies umfasst Informationen zu Voraussetzungen für das Einwandern – besonders im außereuropäischen Ausland von Bedeutung – zur Arbeitssuche, generell benötigten Papieren, Meldesystem, Krankenversicherung vor Ort und vielen weiteren wichtigen Punkten.

Zu den informativen Websites zählt unter anderem ‚Just landed‘. Auf der Homepage findet man konkrete Informationen zu verschiedenen Ländern, die von Visafragen über Jobs, Unterkunft, Gesundheit und Sprache bis hin zu kulturellen und unternehmerischen Themen reichen. Zudem gibt es die Möglichkeit über ein Forum mit Deutschen Kontakt aufzunehmen, die bereits in das Zielland ausgewandert sind.

Das ‚Informationsportal für Wegzieher‘ hält weniger präzise Länderinformationen bereit, dafür aber etliche Buchtipps zum Auswandern in verschiedene Länder.

Kontakt mit Deutschen im Ausland

Um Kontakt mit bereits ‚Ausgewanderten’ aufzunehmen, ist unter anderem das Portal ‚auswandern.de‘ hilfreich. Jeder im Ausland lebende Deutsche kann sich hier registrieren und auf Fragen antworten, die von interessierten potenziellen Auswanderern zum neuen Heimatland gestellt werden. Eingerichtet wurde auch eine kostenlose Telefonberatung zum Thema Auswandern.

Informationen und Tipps bekommt man auch über das Weltweit-Forum des Radiosenders SWR3. Auch hier haben Deutsche, die bereits ausgewandert sind, die Möglichkeit, sich zu registrieren und interessierten künftigen Auswanderern Insider-Tipps zu den jeweiligen Zielländern zu geben.

Wo kann ich schon vorab einen Job suchen?

Viele der Informationswebsites halten eine kleine Auswahl an aktuell ausgeschriebenen Stellen weltweit bereit, jedoch in sehr eingeschränktem Umfang. Wenn man sich für ein Land entschlossen hat, empfiehlt es sich mit der Botschaft des Landes in Deutschland Kontakt aufzunehmen oder auf der Homepage der Deutschen Botschaft im jeweiligen Land nach Tipps und Links zu suchen.

Eine Anlauf- und Informationsstelle bieten auch teilweise deutsche Institutionen im Land der Wahl.

Bei der Arbeitssuche innerhalb Europas hilft beispielsweise das Portal zur beruflichen Mobilität Eures und bei der Suche im Ausland generell die Arbeitsagentur.

Wie nehme ich schnell Kontakt mit Einheimischen auf?

Das Land ist gewählt, die Landessprache wird einigermaßen beherrscht und der lang ersehnte Job ist gefunden – jetzt kann es losgehen. Möglicherweise hat man auch bereits Kontakt aufgenommen zu Deutschen, die schon in das entsprechende Land ausgewandert sind. Die Tendenz ist immer groß, sich erst einmal zu diesen ‚Gleichgesinnten‘ zu flüchten. Oftmals entstehen dabei jedoch ganz schnell kleine Ghettos aus gleichsprachigen Ausgewanderten und der Kontakt zu Einheimischen erscheint immer schwieriger und unnötiger.

Deshalb empfiehlt es sich, auch fernab der neuen Arbeit und des Bekanntenkreises aus anderen Ausländern, von Anfang an Kontakt zu Einheimischen zu suchen, sei es für einen Sprachaustausch oder gemeinsame Unternehmungen. Eine unverbindliche und entspannte Art Leute vor Ort zu treffen stellen die in nahezu allen größeren Städten vorhandenen Gruppentreffen von ‚Couchsurfern‘ dar. Dabei kommt meistens eine nette Mischung aus aufgeschlossenen reisefreudigen Einheimischen, sowie in der Stadt lebenden Ausländern zusammen, bei der man schnell neue Kontakte knüpfen kann.

Sprachtandems findet man über Anzeigen an Sprachinstituten oder Universitäten sowie oftmals über Homepages, die sich auf interkulturelle Austausche in der neuen Heimatstadt beziehen.