Autismus - Wirksame Förderung mit ABA (applied behavior analysis)

Frühe Förderung bei Autismus entscheidend - Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de
Frühe Förderung bei Autismus entscheidend - Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de
Kinder aus dem Autismusspektrum und ihre Familien profitieren von einer individuellen Förderung, die kindliche Stärken fördert und Schwächen kompensiert.

ABA ist eine äußerst wirksame verhaltenstherapeutische Intervention, die in den 1960er Jahren von dem Amerikaner Dr. Ivar Lovaas entwickelt wurde und seither immer wieder den neuesten Erkenntnissen angepasst worden ist. ABA stützt sich auf umfangreiche klinische Studien und ist die derzeit wirksamste und beste wissenschaftlich evaluierte Therapiemethode, um autistische Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen und zu fördern. Die Abkürzung ABA steht für applied behavior analysis, was als angewandte Verhaltensanalyse übersetzt werden kann. Im deutschsprachigen Raum gewinnt die Fördermethode glücklicherweise allmählich an Bekanntheit, während ABA in den USA und in Teilen Skandinaviens seit längerer Zeit zur Standardintervention bei Autismus gehört.

Autistische Kinder lernen nicht automatisch und beiläufig von ihrer Umwelt, weshalb eine Therapiesituation geschaffen werden muss, in der das Kind möglichst viele seiner wachen Stunden zum Lernen nutzen kann. Autisten haben Mühe, Dinge zu lernen, die sie naturgemäß nicht interessieren, was von Seiten der Eltern und Betreuer viel Geduld und Ausdauer braucht. Erschwerend kommen noch die, bei den Kindern des Autismusspektrums typischen, phasenweisen Schwankungen. Je mehr Möglichkeiten zum Lernen dem Kind geboten werden, desto mehr kann es profitieren.

Das Lernen lernen

Hauptsächlich besteht das Ziel während einer ABA-Therapie aus folgendem Grundsatz: Jedes gezeigte Verhalten des Kindes hat eine sofortige Konsequenz zur Folge. Angemessenes Verhalten wird belohnt, negatives Verhalten „bestraft“ bzw. ignoriert. Die Techniken aus der Verhaltenstherapie basieren mehrheitlich auf dem Prinzip der operanten Konditionierung.

Indem erwünschtes Verhalten oder richtige Reaktionen des Kindes umgehend belohnt werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Verhalten zukünftig häufiger vom Kind gezeigt wird. Die Belohnung wird als Verstärkung bezeichnet, da sie beabsichtigt, mit entsprechenden Verstärkern das erwünschte Verhalten zu verstärken. Als Verstärker dient alles, was dem Kind Freude macht und was es gerne mag. Das kann selbstverständlich bei jedem Kind etwas anderes sein. Je nach Belieben mag das eine Kind ausgekitzelt zu werden, einen bestimmten Abzählreim, ein anderes Kind freut sich besonders am kurzen Spiel mit einem außergewöhnlichen Spielzeug oder auch an ein Stückchen Keks.

Unerwünschte Verhaltensweisen oder falsche Reaktionen ziehen negative Folgen nach sich, damit sie auf diese Weise reduziert werden. Eine solche negative Konsequenz kann entweder den Entzug oder das Ausbleiben einer Belohnung oder die Wiederholung einer Übung, bis das Kind die korrekte Reaktion zeigt, beinhalten.

Sämtliche Lerninhalte, die dem Kind beigebracht werden sollen, werden in kleinste Einheiten zerlegt. Jedes dieser kleinen Lernelemente wird einzeln gelehrt. Auf diese Weise sind die Aufgaben vom Kind zu bewältigen, wodurch ihm deutlich mehr Erfolg verschafft wird, was gleichzeitig seine Freude am Lernen verstärkt. Jeder Schritt wird jeweils verstärkt, um ihn zu festigen. So gelingt es dem autistischen Kind, allmählich neue Fähigkeiten in einem angenehmen Lernklima zu erlangen.

Inhalte eines ABA-Programms

Prinzipiell kann jede Fähigkeit mit ABA beigebracht werden. Das Kind soll bestmöglich und individuell gefördert werden. Seine intellektuellen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten werden mit einer gut abgestimmten Förderung, entsprechend seinen vorhandenen Stärken, entwickelt und verbessert. In Bereichen, in denen das Kind Defizite aufweist, kann eine Therapie ausgleichend wirken und die Schwächen teilweise kompensieren, um dem Kind zu einem möglichst selbständigen Leben zu verhelfen. Zu denjenigen Fähigkeiten, die in einem ABA-Programm üblicherweise geübt werden, gehören:

• Sprachverständnis und Sprachproduktion, sowie auch Verständnis von Gesten und Mimik

• Verhaltensregulation: Aufmerksamkeit, Reduktion von Trotz- und Wutanfällen

• Sozialverhalten

• Imitation und Kooperation

• Gemeinsames Spiel, Abbau von Stereotypien

• Intellektuelles Wissen

• Selbständigkeit und Selbsthilfefertigkeiten wie Toilettenbesuch, Körperpflege, Ankleiden

Umsetzung und Organisation einer ABA-Therapie

Der Unterricht erfolgt anfangs zu Hause, wobei speziell ausgebildete Therapeutinnen, sowie allenfalls auch ein oder beide Elternteile in einer 1:1-Situation mit dem Kind arbeiten. Die Therapeutinnen können auch Laien sein, die in den Techniken geschult worden sind. Häufig wird diese Aufgabe gern von Studentinnen oder Studenten übernommen, die meistens mit viel Geduld und Engagement die Therapien mit den Kindern ausführen. Gewöhnlich sollte die ABA-Therapie anfangs zwischen 30 und 40 Wochenstunden umfassen, um dem Kind genügend Lernmöglichkeiten zu schaffen. Sie findet idealerweise an sechs Tagen in der Woche statt, wobei jeden Tag etwa 4 – 6 Stunden gearbeitet wird. Die meisten Kinder mögen jedoch die Förderstunden sehr und freuen sich stets darauf.

In den Therapieblöcken sind Spielphasen eingebaut, in denen das Kind alleine oder durch die Therapeutin angeleitet spielt. Zudem findet einmal ein Ortswechsel statt, beispielsweise mit einem Spaziergang. An einem einzelnen Lernziel wird während 2 - 5 Minuten am Tisch sitzend gearbeitet, danach folgt eine kurze Pause von 1 - 2 Minuten, bei der das Kind den Stuhl verlassen darf und sich entspannen kann.

Mit zunehmenden Fortschritten des Kindes kann die Therapie auf das weitere soziale Umfeld ausgeweitet werden, sodass die sogenannte Generalisierung stattfinden kann. Diese Übertragung von gelernten Inhalten in andere Situationen, andere Örtlichkeiten und im Umgang mit anderen Personen ist für ein autistisches Kind eine große Herausforderung und daher von besonderer Bedeutung für eine umfassende Förderung.

Während der ABA-Therapie steht der arbeitenden Therapeutin gewöhnlich ein Ordner zur Verfügung, in dem die aktuellen Übungen, an denen das Kind arbeitet, gesammelt sind. Nach Abschluss einer Aufgabe werden die Antworten oder Reaktionen des Kindes von der Therapeutin in ein Protokoll eingetragen. Dadurch können Fortschritte oder nachlassende Leistungen einfach abgelesen werden und bei mehreren beteiligten Personen kann die Abstimmung aufeinander leichter stattfinden.

Zu erwartender Erfolg der Therapie

Glücklicherweise gelingt es heute immer früher, Kinder aus dem autistischen Spektrum zu erfassen und zu diagnostizieren, was den Eltern wertvolle Zeit verschafft, ihr Kind bereits im Vorschulalter zu fördern. Besonders effizient ist der Beginn einer Therapie vor dem vierten Altersjahr. Aber auch bei jungen Kindern ist es im Einzelfall nicht möglich, den Therapieerfolg zu garantieren. Allerdings kann das Lerntempo und das Ansprechen der kindlichen Entwicklung innerhalb der ersten Monate ein Indiz dafür sein, wie die Therapie bei diesem bestimmten Kind in Zukunft verlaufen wird. Sind die Fortschritte bereits am Anfang erfreulich, kann davon ausgegangen werden, dass sich das autistische Kind auch im weiteren Verlauf der Therapie gut entwickeln wird.

Quellen und Literatur:

http://www.researchautism.net/pages/welcome/home.ikml

www.autismus-online.ch

A Work in Progress: Behavior Management Strategies and a Curriculum for Intensive Behavioral Treatment of Autism, Ron Leaf, John McEachin, Drl Books, 1999

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