Einfach und gut schreiben. Eigentlich ganz einfach. Doch wie so vieles will auch Schreiben gelernt sein. Eine Portion Talent ist zwar gut – reicht aber oft nicht aus. Was gutes Schreiben ausmacht, verraten Ihnen die nachfolgenden Regeln.
Die Frage aller Fragen: Warum schreiben Sie?
Manche schreiben aus purer Freude, andere möchten persönliche Erlebnisse aufarbeiten, wieder andere möchten Geld mit dem Schreiben verdienen. Sie sehen, es gibt viele Gründe schreiben zu wollen. Daher ist es ganz wichtig, bevor Sie mit dem Scheiben beginnen, dass Sie die Gründe – das Warum – kennen. Stellen Sie sich die Frage. "Warum willl ich schreiben?" – Diese Frage können nur Sie beantworten – seien Sie ehrlich zu sich selbst.
Blackout – das weiße Blatt
Die Frage "Warum" ist geklärt. Nun heißt es Bleistifte spitzen oder PC hochfahren und loslegen. Die Inspirationen, die Ideen sind da. Die Gedanken kreisen im Kopf. Doch irgendwie will das mit dem Schreiben nicht klappen. Das weiße Blatt starrt einen an. So als wolle es sagen: "Du schreibst mich nicht voll".
Verzweifeln Sie nicht. Befreien Sie sich zuerst vom Perfektionsdruck. Schreiben Sie einfach drauf los – starten Sie Ihr Kopfkino. Experimentieren Sie, spielen Sie mit Worten, notieren Sie sich Stichwörter, denn die Reinschrift kommt erst zum Schluss.
Beobachten Sie Ihre Mitmenschen, Ihre Umgebung, lesen Sie Zeitungen, hören Sie aufmerksam zu. Schreiben Sie alles auf, was Ihnen auf- und einfällt. Daher empfiehlt es sich, ein Notizbuch oder ein Diktiergerät seinen ständigen Begleiter zu nennen.
Der innere Schweinehund oder Wo ein Wille ...
Wie vieles im Leben, so muss auch die Autorentätigkeit organisiert werden, damit das Buch den Weg in die Buchhandlungen findet. Finden Sie Ihren persönlichen Rhythmus. Sind Sie ein Frühaufsteher oder ein Morgenmuffel? Wann können Sie sich am besten konzentrieren? Wann sind die Kinder aus dem Haus – wann sind sie abends im Bett? Wie lange können Sie sich am Stück konzentrieren? Sie sehen eine Menge lohnende Fragen, die bedacht werden sollten.
Egal was passiert, bleiben Sie dran. Schreiben Sie jeden Tag zu Ihren Zeiten. Nehmen wir an, Ihre Zeit ist von 9 bis 11 Uhr, dann schreiben Sie jeden Tag in dieser Zeit, egal was passiert. Alle anderen Termine werden umorganisiert. Schaffen Sie sich Rituale. Rituale motivieren und müssen nichts mit dem Schreiben zu tun haben. Machen Sie zuerst einen Spaziergang, trinken Sie eine Tasse Tee oder joggen Sie im Wald. Ganz egal. Hauptsache Sie fühlen sich gut dabei und es hebt Ihre Schreibstimmung.
Die Verpackung macht's – Inhalt und Form
Überlegen Sie sich im Vorfeld Was und Wie Sie schreiben möchten. Ein Sachbuch ist anders aufgebaut als ein Thriller. Ein Sachbuch – wie der Name schon sagt – ist sachlich geschrieben. Liefert dem Leser Informationen. Ein Thriller ist packend zu schreiben – er muss den Leser mit Worten fesseln. Der Leser muss sich Ort und Personen vorstellen können, so als würde er einen Film anschauen. Und ganz wichtig: Bleiben Sie bei einer Form. Haben Sie zum Beispiel die Ich-Form gewählt, dann bitte bis zum Schluss.
Damit Ihr Werk viele Leser anspricht, schreiben Sie in einer klaren und unmissverständlichen Sprache. Sie kennen die Geschichte, Ihre Leser (noch) nicht. Daher gilt: Formulieren Sie Ihre Gedanken so, dass jeder sie versteht.
Seien Sie von allen Sinnen
Ihr Buch, Ihre Kurzgeschichte, Ihre Erzählung muss "leben". Beim Leser muss ein Film ablaufen. Doch wie schafft man das? Lesen Sie sich Ihre Geschichte laut vor und achten Sie darauf, was Sie jeweils (gedanklich) sehen, fühlen, schmecken und riechen. Wenn Sie von allen Sinnen sind, dann werden es Ihre Leser auch sein. Patrick Süskind ist das in seinem Roman "Das Parfüm" sehr gut gelungen.
Gehen Sie nicht fremd – bleiben Sie sich treu
Der Leser merkt sehr schnell, ob Sie aufgebrezelt wie der Storch im Salat daherkommen. Seien Sie einfach Sie selbst. Schreiben Sie glaubwürdig und kopieren Sie nichts und niemanden. Überprüfen Sie regelmäßig Ihren Stil. Stellen Sie sich Ihren Text mit verschlossen Augen bildhaft und lebendig vor. Wörtliche Reden lesen Sie am besten laut – Freunden, Bekannten – vor. Was zu ändern ist, wird nun geändert. Nur so können Sie sich authentisch in Szene setzen.
Auch beim Schreiben gilt – weniger ist mehr
Der Entwurf steht. Jetzt heißt es Text kürzen. Während des Schreibens haben Sie Ihren Gedanken freien Lauf gelassen, haben alles aufgeschrieben, was Ihnen in den Sinn kam, ob wichtig oder unwichtig. Sie haben vieles notiert, was – zumindest nicht am Anfang – beabsichtigt war. Damit Ihr Werk für den Leser nicht zur unendlichen Geschichte wird, heißt es jetzt: Absatz für Absatz durchgehen. Fragen Sie sich dabei: Ist diese Textpassage wichtig? Interessiert das meine Leser? Versteht der Leser, was Sie als Autor audrücken möchten?
Und zu guter Letzt? Den ganzen Text bitte nochmals überarbeiten. Überprüfen Sie Ihr Werk akribisch auf Schwachstellen. Nutzen Sie diese Chance, bevor Sie Ihr Manuskript aus Ihren Händen – an den Verlag – geben.
