Autoren: Wer schreibt, der bleibt

Tipps für schreibende Amateure und Profis

Nicht immer kann man mit Schreiben Geld verdienen. Aber als Selbstanalyse ist Schreiben in jedem Fall eine psychologische Hilfe. Auch Literatur-Amateure haben Chancen.

Hat nicht schon jeder von uns einmal gesagt oder gedacht: Aus meinem Leben könnte man einen Roman machen! Die wenigsten von uns setzen sich dann auch hin und schreiben wirklich ein Buch. Andere treibt es regelrecht zum Schreiben. Aus einigen wenigen werden echte Profis; einige davon sogar recht erfolgreich. Andere verdienen ein bisschen Geld damit. Für die meisten bleibt es eine angenehme Nebenbeschäftigung. Aber die kann – zum Beispiel in Tagebuchform – zur wertvollen Selbstanalyse und Lebenshilfe werden. Jedenfalls gibt es genügend Angebote und Schreibhilfen, Kurse und Foren, die sich mit Autorenfragen befassen.

Mit Schreiben reich werden ist eher selten der Fall

Bei dem Gedanken, ein berühmter Schriftsteller zu werden, müssen wir uns einfach der Realität stellen. Und die sieht so aus, dass die Schriftstellerei ein verdammt hartes Brot ist; ein Handwerk, das einem selten in die Wiege gelegt wird und meistens nur durch disziplinierte Arbeit erlernt und immer wieder neu erarbeitet werden muss.

Es gibt nur wenige Berufe, an denen immer wieder am Text und an der eigenen Persönlichkeit gefeilt werden muss, wie beim Beruf der Autoren. Völlig egal, ob es sich dabei um Profis oder Amateure handelt. Wer aber hart an sich und seinen Texten arbeitet, sich selbst und sein Werk immer wieder selbstkritisch betrachtet, der könnte schließlich Manuskripte fertigen, die mehr wert sind, als in einer Schublade zu verstauben. Dabei kommt es nur in zweiter Linie auf den finanziellen Erfolg an; primär geht es um Persönlichkeitsentwicklung und letztlich um Befriedigung.

Ilusionen begraben: Verlage und Literaturagenturen realistisch sehen

Seltsamerweise will jeder gleich einen „ganz großen“ Roman schreiben. Der muss mindestens 600 Seiten umfassen, alle Lebensfragen und sämtliche Weltphilosophien enthalten und selbstverständlich ein Bestseller werden. Diese Ilusion sollten wir ganz schnell begraben: Täglich werden Verlage und Literaturagenturen mit solchen Manuskripten im wahrsten Sinne des Wortes bombardiert. Die meisten handeln sich eine höfliche Absage ein und landen im Papierkorb. Selbst Erfolgsromane wie „Das Boot“ haben geduldig zig Verlage abgeklappert und wären beinahe überhaupt nicht veröffentlich worden. Mitunter spielen nicht nur Qualität und Inhalt, sondern auch das Glück eine Rolle. Verlagslektorate sind auch nur von Menschen besetzt.

Nicht nur Romane, sondern auch Kurzgeschichten und Sachthemen sind gefragt

Außerdem sollten sich Neulinge und Anfänger nicht gleich an die Schwierigkeit eines Romans wagen. Kurzgeschichten und kurze Sachthemen und Reportagen eignen sich vorzüglich zum Üben. Hier kann man die Kunst des Kürzens lernen. Denn es kommt nicht auf die wortreichen Blumengarnierungen an, sondern auf verwertbaren Inhalt. Die Zeiten sind längst vorbei, wo man erst 50 Buchseiten benötigte, um einigermaßen zu erfahren, um was es in dem Buch eigentlich geht. Außerdem kann man sich mit kurzen Texten besser in den zahlreichen Foren und Online-Portalen vorstellen und sich eine kritische Leser- und Fangemeinde schaffen.

Autorenforen und Chats können wertvolle Hilfen sein

Die zahlreichen Autorenforen und Chats können wertvolle Hilfe sein, müssen es aber nicht immer. Denn leider sind auch seriöse Autorenforen nicht vor jenen Zeitgenossen gefeit, die aus Besserwissern, Dauerkritikern, Selbstdarstellern und Stänkerern bestehen. Und aus „Literaten“, die täglich zwei neue Texte einstellen, auch wenn es sich nur um ein peinliches Gedicht handelt, das nicht einmal eine Schüler- oder Rentnerzeitung abdrucken würde.

Trotzdem sollte man die Spreu vom Weizen trennen und sich durch die zahlreichen Foren und Portale wühlen und seine Texte dort vorstellen. Mit der Zeit findet man dann auch seriöse Kritiker und Gesprächspartner.

Lesungen organisieren und durchführen – Clubs und Veranstalter kontaktieren

Auch und gerade für Amateure ist es wichtig, in der Öffentlichkeit bekannt zu werden. Besonders die unbekannten Autoren müssen die Vermarktung ihrer Werke selbst vornehmen. Lesungen sind hierzu gut geeignet. Aber die Buchläden, Bibliotheken, Freizeitklubs oder Kneipen und Lesecafés kommen in der Regel nicht auf uns zu. Das müssen die Schreiberlinge durch viele kreativen Initiativen selbst in die Hand nehmen, etwa indem man Seniorenklubs, Freizeitstätten der Wohnbaugesellschaften, Schulen und andere Kulturbetriebe kontaktiert. Nicht immer zahlen die für eine Lesung; Oft wird anfangs ohne Honorar gelesen, später können es dann schon 50 bis 200 Euro pro Lesung werden. Und sollte man bereits Bücher veröffentlicht haben, können die auf der Lesung gleich angeboten und verkauft werden.

Verlage mit Kostenzuschuss

Ob junge Autoren, die nicht gleich einen klassischen Verlag finden, sich genervt auf einen sogenannten Kostenzuschussverlag einlassen sollen, wird immer wieder diskutiert. Angeblich soll sogar Johann Wolfgang von Goethe seine ersten Veröffentlichungen selbst bezahlt haben. Oft wird davor gewarnt; es soll teuer und wenig effektiv sein und auch dem Ansehen schaden. Hier sollte sich jede und jeder vorher ausreichend und vergleichend informieren. Beispiele und Foren hierzu gibt es genug.

In jedem Fall das Internet nutzen – Kontakte rund um die Literatur

In jedem Fall sollten auch Amateuere das Internet zur Informationsbeschaffung nutzen. Hier finden wir nicht nur Adressen von Verlagen und Literaturagenturen, sondern auch Trends, Lesemöglichkeiten, Schulung und alles rund um den Literaturbetrieb.

Michael Kuss-Setz, Michael Kuss-Setz

Michael Kuss-Setz - Als Journalist kam ich zu meinem Fachgebiet "Leben im Ausland" auf Grund meiner über 30jährigen Tätigkeit in vier Erdteilen ...

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