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Autos fotografieren - Tipps für gelungene Bilder

Fahrfoto mit Spiegelung und Wasserspritzern - Katharina Ruppert
Fahrfoto mit Spiegelung und Wasserspritzern - Katharina Ruppert
Fotografie von Autos erfordert ein wenig Wissen, Übung und ein gutes Auge. Wer tolle Fotos machen möchte, sollte die folgenden Tipps beachten.

Ob man nun sein altes Auto verkaufen möchte, den neuen Boliden im frisch polierten Hochglanz verewigen will, oder sich als Hobbyfotograf am Motiv "Auto" versucht, stets sind aussagekräftige und ästhetische Fotos gefragt. Doch wie fotografiert man am besten ein Auto? Worauf ist dabei zu achten?

1. Tipp: das Auto vorher waschen

Gerade wenn man sich sehr viel Mühe gibt mit der Ablichtung des Autos, ist es im Nachhinein sehr frustrierend auf den gestochen scharfen Fotos Dreck-Spritzer, detonierte Insekten oder Staub zu sehen. Manches davon lässt sich mit einem Bildbearbeitungsprogramm noch retten, jedoch erfordert das Zeit und Können. Diesen Frust und Aufwand kann man sich durch eine vorherige Autowäsche ersparen. Direkt nach der Wäsche sollten die verbliebenen Tropfen mit einem weichen Tuch weggewischt werden damit nichts als Glanz und Sauberkeit übrig bleibt. Am Weg zur Location des Shootings müssen Staubwolken, Lacken, und sonstige potenzielle Autoverschmutzer gemieden werden.

2. Tipp: der richtige Hintergrund für gelungene Autofotos

Die Location sollte in irgendeiner Form zum Gefährt passen. Ein Jeep in einer Betonwüste wird ebenso wenig überzeugend wirken wie ein Sportwagen beim Erklimmen eines schlammigen Berges. Doch gelegentlich sind selbst derartige Kontraste als Stilmittel erlaubt und erwünscht. In jedem Fall sollte der Hintergrund eine gewisse Einheitlichkeit aufweisen. Bäume und Häuser mit unterschiedlichen Größen und Farben, die optisch wild aus dem Dach des Autos wuchern, lenken vom eigentlichen Motiv ab und wirken unruhig. Besser ist etwa eine schöne Landschaft (wenn möglich ohne Strommasten und Windräder), eine große graue Betonwand, die Glasfront von einem modernen Gebäude, oder ein Strand.

3. Tipp: der richtige Zeitpunkt für das perfekte Foto vom Auto

Das beste Licht gibt es morgens und abends. Jeweils bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang, beziehungsweise kurz davor und kurz danach. Einerseits ist zu diesen Zeiten der Himmel in wunderschöne Farben getaucht, andererseits wirken durch das weiche Licht die metallischen Formen und Spiegelungen nicht so hart, sondern harmonisch. Für die "blaue Stunde" (Zeit zwischen Sonnenuntergang und Finsternis) benötigt man eventuell bereits ein Stativ um wackelfreie Bilder machen zu können. Stativ-Nachtaufnahmen in der Stadt oder in Parkgaragen können durch die Wirkung der Lichter bei Langzeitbelichtungen ebenfalls sehr spannend sein.

4. Tipp: die richtige Positionierung des Autos

Die erste Frage sollte sein: Wo steht die Sonne? Grundsätzlich sollte die abgebildete Seite beleuchtet sein. Der Fotograf hat also die Sonne im Rücken. Dabei ist darauf zu achten, dass der Fotograf keinen Schatten auf das Gefährt wirft. Gute Aufnahmen im Gegenlicht (Auto steht zwischen Fotograf und Sonne) erfordern wesentlich mehr Geschick und Wissen über Belichtung. Oder ein gutes Händchen bei der Nachbearbeitung. Doch vor allem wenn die Sonne tief steht hat diese Perspektive einen ganz besonderen Reiz.

Während eines Shootings muss das Auto oft mehrmals umgestellt werden. Denn im Normalfall werden Bilder von schräg vorne, von der Seite, und von schräg hinten gemacht. Beim Einschlag der Vorderreifen ist darauf zu achten, dass nicht der Reifengummi in die Kamera blickt, sondern stets die ganze Felge.

5. Tipp: die richtige Perspektive

Besonders eindrucksvoll wirkt ein Auto, wenn man es aus der Frosch-Perspektive (von unten) aufnimmt. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Reifen nicht optisch im Untergrund versinken. Jener Punkt, an dem der Reifen Kontakt mit dem Boden hat, muss immer sichtbar bleiben.

Soll der Hintergrund stärker mit einbezogen werden, ist eine aufrechte Haltung des Fotografen mit etwas Abstand zum Gefährt optimal. Besonders für offene Cabrios bietet sich auch die Vogel-Perspektive (von oben) an. Dafür benötigt man am Ort des Geschehens eine Leiter oder andere Objekte auf die man klettern kann.

6. Tipp: der richtige Bildausschnitt

Eine mittige Platzierung des Autos ist nur dann vorteilhaft, wenn damit eine strenge Symmetrie im Bild erzeugt wird. Zum Beispiel: frontale Aufnahme des Autos vor einem großen Tor, wobei Mittellinie des Tors und Mittellinie des Gefährtes identisch sein müssen. Abgesehen von diesem Sonderfall lässt sich mit einer einfachen Grundregel ein harmonisches Bild erzeugen: das Auto befindet sich jeweils etwa ein Drittel vom unteren (oberen) und seitlichen Bildrand entfernt, und das Objekt "blickt" immer in das Bild hinein. Eine seitliche Aufnahme, bei der die Motorhaube am Rand des Fotos klebt, erweckt beim Zuseher den Eindruck das Auto wolle aus dem Bild fahren oder "flüchten", und wirkt stets sehr unruhig. Daher immer in Fahrtrichtung mehr Platz für Hintergrund lassen!

7. Tipp: Komposition von Autofotos

Abgesehen vom Bildausschnitt gibt es ein paar weitere stilistische Mittel. Sehr wichtig sind hierbei Diagonalen. Menschliche Augen lesen Fotos sehr gerne in Diagonalen; am liebsten von links unten nach rechts oben. Wenn Sie an Ihrer Location Linien entdecken (Schienen, Straßenrand, und ähnliche), die Sie als Diagonalen verwenden können, dann tun Sie es. Lassen Sie eine Linie genau in der linken unteren Ecke beginnen und auf das Auto zusteuern. Plötzlich bekommt das Foto Dynamik und Tiefe. Die Diagonale lässt den Betrachter in das Bild hinein fahren und lenkt seinen Blick auf das Wesentliche.

Bei Fotos aus der Frosch-Perspektive bietet es sich an, den oberen Rand der Motorhaube (verlängert im unteren Rand der Fenster) bündig mit dem Horizont abschließend zu lassen. Damit kann eine großartig harmonische Wirkung erzielt werden. Generell sollte die Komposition stets in Abstimmung auf die Linien der Location erfolgen. Suchen Sie die vertikalen, horizontalen, und diagonalen Linien vor Ort und beziehen Sie sie in Ihre Überlegungen betreffend Platzierung, Perspektive, und Bildausschnitt mit ein.

Die Arbeit mit Linien mag anfangs etwas anstrengend sein, da man bewusst danach suchen muss. Doch nach einiger Zeit automatisiert sich dieser Vorgang. Und die Ergebnisse sind auf alle Fälle ein guter Lohn für die Mühe.

8. Tipp: Technik als Hilfsmittel bei der Autofotografie

Eines der wichtigsten Hilfsmittel ist der Polarisationsfilter (kurz: Polfilter). Vereinfacht gesagt unterdrückt er nichtmetallische Reflexionen und kann die Farben kräftiger erscheinen lassen. Man schraubt ihn auf das Gewinde am Objektiv einer (digitalen) Spiegelreflexkamera, und dreht ihn während man durch den Sucher blickt. Vor allem für die Fotografie von Autos ist er sehr nützlich, da er die Spiegelungen am Lack verschwinden lässt oder zumindest minimiert. Als positiver Nebeneffekt wird der Himmel blauer.

Ein weiteres Hilfsmittel ist die HDR-Technologie (High Dynamic Range). Sie ermöglicht ausgeglichenere Hell-Dunkel-Stufen bei Bildern mit großen Helligkeits-Unterschieden. Bisher musste man dafür mehrere identische Fotos mit unterschiedlicher Belichtungszeit anfertigen, und sie anschließend am PC via HDR-Programm zusammenfügen. Mittlerweile gibt es jedoch schon Kameras, die das bei entsprechender Einstellung vollkommen selbständig tun, wie zum Beispiel die Sony Alpha 450.

Last but not least: die digitale Bildbearbeitung am PC. Programme wie Photoshop, Paint Shop Pro, und Picasa ermöglichen eine mehr oder weniger umfangreiche Optimierung des erstellten Bildmaterials. Angefangen beim Retuschieren von Kratzern, Staub, oder lästigen Hintergrund-Objekten, über Beschneidung des Bildes bis hin zur Optimierung von Helligkeit, Kontrast, und Sättigung.

9. Tipp: Fotos von fahrenden Autos mit Bewegungsunschärfe im Hintergrund

Besonders dynamisch und professionell wirken die sogenannten "Mitzieh-Bilder": der Fotograf macht Serienbilder während das Auto vorbeifährt. Da eine Belichtungszeit von etwa 1/25 bis 1/100 für den Effekt am besten ist, sind die Morgen-/Abendstunden oder bewölkte Tage besonders geeignet. Um mit der Kamera tatsächlich die Geschwindigkeit des Autos zu halten, gibt es folgenden Trick: den mittleren Focus-Punkt im Suchfeld stets auf eine bestimmte Stelle (zum Beispiel Türschnalle) lenken. Für erste Versuche sind Geschwindigkeiten von etwa 30 bis 40 km/h empfehlenswert. Zoomen während der Aufnahme-Serie ist etwas für Fortgeschrittene.

Eine Sonderform ist die Fotografie mit zwei Autos. Dafür benötigt man mindestens drei Personen: einer lenkt das "Model", einer lenkt "Arbeitsauto" (fährt schräg vor dem "Model"), und einer fotografiert aus dem offenen Fenster. Der Vorteil liegt darin, dass wesentlich höhere Geschwindigkeiten, stärkere Effekte, und spannendere Perspektiven möglich sind. Die Nachteile liegen auf der Hand: man benötigt eine mindestens zweispurige wenig befahrene Straße mit nettem Hintergrund, zwei Autos, und drei Personen. Das erfordert einiges an Planung.

10. Tipp: kritische Betrachtung der eigenen Werke

Gerade ambitionierte Hobby-Fotografen, die sich in das Motiv "Auto" verliebt haben, sollten immer wieder mit neuen Gefährten, Locations, Blickwinkeln und technischen Hilfsmitteln experimentieren. Nach dem Motto "aus Fehlern lernt man" ist es auch für die Fotografie von Autos hilfreich sich nach dem Shooting das Bildmaterial kritisch anzusehen, und selbst zu überlegen wo Potenzial für Verbesserungen liegt. Auch Fotografie-Foren sind hierfür eine wertvolle Unterstützung.

Karu, Katharina Ruppert

Karu Lami - Ich bin Ernährungswissenschafterin, Sozialarbeiterin, Katzen- Besitzerin, Heimwerkerin, Fotografin, Camperin, Botanikerin, Shubunkin- ...

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