
- Avantgarde, Marcel Walz, Filmplakat - Matador Film
Die reizende Gastgeberin und Darstellerin Nina Queer (Radio-Energy-Moderatorin, Besitzerin der legendären "Bar zum schmutzigen Hobby", usw.) bedankte sich überschwänglich bei der Weltpremiere zu Marcel Walz' Fashion-Horror-Film "Avantgarde" beim „geistesgestörten“ Besitzer des großen Kino International, denn: "Normalerweise werden solche Filme wie dieser – eine Off-off-off-Produktion – in irgendwelchen Fixerbuden gezeigt, wo sich Leute ihren letzten Schuss setzen und dabei entschlafen." Davor tanzte Nina Queer mit einem komplett nackten Begleiter auf dem roten Teppich des Kino Internationals in der Karl-Marx-Allee an und schenkte nach der Weltpremiere von "Avantgarde" und Queers neuem Song "Psycho" Gratis-Schnäpse in der Honecker-Lounge aus.
Marcel Walz' "Avantgarde" nimmt Model-Business auf die Schippe
Alex (Nadin Lucia Brehm, "Popular"), jung und lebenslustig, möchte – wie so viele ihrer Altersgenossinnen auch – Supermodel sein. Ihr Traum scheint in Erfüllung zu gehen, als Alexs Freundin Nina (Nina Queer, "Ficki Ficki Aua Aua") ihr ein VIP-Ticket für die Exklusiv-Show von Mode-Ikone Donna Sciavalli (Manoush, "Popular") in New York beschafft! Viel zu spät merkt sie dort, welch dunkles Geheimnis sich hinter der schillernden, glitzernden Modewelt der Sciavalli-Mode-Zarin verbirgt...
"Avantgarde" (Marcel Walz) – Mischung aus Soap, Trash, Mainstream (US) und Horror-Fashion!
Marcel Walz ("La petite mort") vermischt mit "Avantgarde" Soap, Horror, USA-Mainstream-Kino, Trash und Fashion. Die Dialoge hätten etwas gepfefferter sein können, doch das Englisch der Protagonisten, die unter anderem aus Deutschland stammen, ist besser zu verstehen, als es die mit Slang-gespickten amerikanischen Filme sehr oft sind. Die in New York gedrehten Szenen wurden mit gekauften New-York-Szenen (von oben gefilmte) extremst aufgemotzt, was dem Film den Mainstream-Touch einhaucht. Manoush ist eine interessante Neuentdeckung im Film-Geschäft: sie gibt die Modezarin, als hätte sie Schauspielunterricht bei John Waters, Cleo Kretschmer und Lotti Huber genommen. Die Hauptdarstellerin Nadin Lucia Brehm verleiht durch ihre Performance "Avantgarde" einen Soap-Touch, was den Film von anderen Streifen aus dem Horror-Genre abhebt und Nina Queer lässt mir ihrem Augenaufschlag die junge Bette Davis alt aussehen.
Martin Döringer interviewte den Regisseur Marcel Walz zu "Avantgarde":
Wie kamst du auf die Idee, "Avantgarde" zu machen?
Marcel Walz: "Ich wollte etwas absolut Schrilles machen, etwas völlig Untypisches für den Deutschen Indie-Film-Bereich. Obwohl ich sie absolut verehre, wollte ich die Modewelt etwas auf die Schippe nehmen."
Was oder wen verehrst du in der Modewelt?
Marcel Walz: "In der Modewelt verehre ich Richie Rich! Den finde ich klasse, er ist absolut schrill und so was braucht die Welt!“
Was fasziniert dich am Genre Horror/Splatter?
Marcel Walz: "Es gibt verschiedene Punkte in diesem Genre, die mich faszinieren. Zum einen bietet es viele Möglichkeiten, die man in anderen Filmen eben nicht hat. Im Horror-Bereich kann ein kleines Mädchen das absolut Böse sein... Horror ist mein Ding und da werde ich wohl bleiben, nur mit 'Avantgarde' wagte ich mal etwas anderes."
Du hast es gewagt, Nina Queer zu besetzen. Wie war die Zusammenarbeit mit der schillernden Drag-Queen?
Marcel Walz: "Es war super lustig! Ich fragte Nina allerdings erst an und dann erst schrieb ich die Rolle für sie, also kann man sagen, sie wurde ihr angepasst."
Die Musik im Film spielt auch eine wichtige Rolle. Wer kam auf die außergewöhnliche Idee, Gender-Bender Marilyn mit "Baby you left me – Rayner Remix" einzusetzen?
Marcel Walz: "Manoush, die die Mode-Zarin spielt, hat mir den Song von Marilyn (Anm.: 'Calling your name') vorgeschlagen und ich hab mich sofort in ihn verliebt!"
Woher kennst du Manoush?
Marcel Walz: "Ich habe sie beim Film-Dreh zu 'Popular' kennengelernt und lieben gelernt! Sie ist und bleibt meine 'Set-Mami', mehr muss ich nicht sagen, oder?"
Beschreib doch mal deine bisherigen Film-Werke für die Leser, die deine Filme noch nicht kennen.
Marcel Walz: "Mein vorheriger ist sehr harte Kost (Anm.: 'La petite mort') und reiht sich in die Torture-Porn-Welle mit ein, da hat Olaf Ittenbach die FX gemacht und der Name dürfte für die Gore-Fans ein sehr bekannter Name sein. 'Popular' ist ein typischer Teenie-Slasher."
Du hast mit 17 Jahren bereits angefangen, Filme zu drehen. Mit wie vielen Jahren schautest du denn bereits Horror-Filme?
Marcel Walz: "Als Elfjähriger sah ich bereits 'Nightmare 2', dann kam 'SCREAM' und wurde mein absoluter Lieblingsfilm."
Auf einen deiner Film bist du nicht besonders stolz. Weshalb denn eigentlich nicht?
Marcel Walz: "Oh weh, ich glaub, ich weiß genau, welchen du meinst. Das hat viele Faktoren, der erste und wichtigste wäre wohl... dass er schlecht ist! Ich wurde in der Produktion hängen gelassen und vieles, was versprochen wurde, wurde nicht eingehalten, so führte leider eins zum anderen."
In "Avantgarde" stellst du das Modelbusiness überspitzt dar. Aber ist es vielleicht auf seelischer Ebene genau der Punkt, den du damit triffst, so wie es sich auf emotionaler Ebene in dieser Branche wirklich zuträgt?
Marcel Walz: "Im Film wird es natürlich sehr überzogen dargestellt, ganz klar! Aber in manchen Ebenen spielt es sich ganz genau so ab. Die Oberflächlichkeit ist doch das A und O... das soll kein Kritikpunkt sein. Ich meine, wir verurteilen doch die Leute auch nicht, die mit einer garstigen Miene an der Aldi-Kasse sitzen! Oder?"
"Avantgarde" erscheint im Dezember 2010 auf DVD im Verleih der Matador Film
