Avantgardist Frank Zappa

Anfänge in Biographie und Werk des Musikers und Künstlers

Frank Zappa zählt sicher zu den ungewöhnlichsten und herausragenden Persönlichkeiten in der internationalen Rockmusik.

Seine Herkunft ist tief in der subkulturellen Bewegung des Underground verwurzelt, die eng verbunden ist mit seinem Drang, sich den üblichen und bekannten musikalischen Formverpflichtungen zu entziehen, frei zu musizieren und sich auf den verschiedensten Ebenen äußerst kritisch mit den bürgerlichen Wertmaßstäben und Moralvorstellungen auseinander zu setzen.

Musikerpersönlichkeit

Er erweist sich auch später als extrem wandlungsfähiger und flexibler Musiker, der die unterschiedlichsten musikalischen Strömungen aufgreift, sie sich zu Eigen macht, adaptiert oder sich dagegen wendet, weiterentwickelt und eine eigene Form findet. Jedem einzelnen Aspekt seiner Musik widmet sich Zappa akribisch; Metrik und formale Aspekte, Rhythmik, Melodik und Harmonik, Besetzung, Klangkörper und Instrumentation, Arrangements, Produktion und Soundgestaltung machen in ganz spezieller Weise den Horizont der Zappaschen Musik über Jahrzehnte aus, er wirkt stilprägend in vielen Bereichen. Vom immer komplexer werdenden und ausgearbeiteten Rhythm’n’Blues der Anfänge über den Jazz- und Comedy Rock der 70er Jahre bis hin zu Orchester- und Kammermusikwerken sowie elektronisch erzeugter Computermusik in den 80er Jahren erstreckt sich das Spektrum von Frank Zappas Schaffen.

Musik und Technik

Die wesentliche ästhetische Dimension der Klang- bzw. Soundgestaltung der Rockmusik zwischen elektrotechnischem Know-how und Kunstfertigkeit ist für dieses Genre allgemein und ebenso für Frank Zappas Musik von größter Bedeutung. Dazu Tom Wilson, Produzent der ersten LP der Mothers of Invention: „Zappa ist ein gewissenhafter Kunsthandwerker, und irgendwie ist es sehr schade, dass die Kunst des Aufnehmens noch nicht so weit entwickelt ist, dass man wirklich vollständig alles, was er tut, hören kann. Denn manchmal geht ein Guitar-Part einfach unter, dabei mag er vielleicht drei verschieden tönende Gitarren übereinander haben, die alle dasselbe spielen.“

Als Rockmusiker und als Studiotechniker war Zappa Avantgardist. Er suchte nach Möglichkeiten, sich und seinen Stil sowie die technische Umsetzung im Aufnahmeprozess weiterzuentwickeln. Er war ständig auf der Suche nach neuen Aufnahmetechniken, Effektgeräten und Abmischungsverfahren, er bediente sich der neuesten Erfindungen und experimentierte viel in seinem eigenen Tonstudio. Sein Drang nach Präzision und Perfektion unter Ausnutzung von technischen Neuerungen ließen den überaus kreativen und produktiven Musiker kaum ruhen. Insofern war er ein Rockmusiker, der neue Türen aufstieß und das Feld dieser Musik immens erweiterte; er hat allerdings auch Musik komponiert, die durchaus die Kriterien der sogenannten E-Musik erfüllt.

Anfänge

Der Komponist, Arrangeur, Produzent, Gitarrist, Sänger und Dirigent Frank Zappa wurde am 21. Dezember 1940 geboren. Schon früh begann er sich musikalisch zu betätigen, Trommelunterricht als Vorbereitung für das Spielen im Spielmannszug verdeutlicht seine frühe Vorliebe für das Schlagzeugspielen.

Kurze Zeit später bildete er seinen zum Teil sehr ungewöhnlichen und breit gefächerten Musikgeschmack aus, der Interessen sowohl für die Strömungen des schwarzen Rhythm’n’Blues als auch die avantgardistische Musik, für die Komponisten der sogenannten Neuen Musik vornehmlich mitteleuropäischer Provenienz zeigte.

Bereits 1953 wurde er auf den Namen Edgar Varèse aufmerksam, speziell dessen Komposition Ionisation. Inspiriert durch diese Musik, die er zufällig entdeckte, beschäftigte er sich intensiver mit Varèse sowie mit den theoretischen Grundlagen notenbezogener Kompositionstechniken, so dass er schon kurze Zeit später seine ersten eigenen Orchesterwerke in Partitur setzen konnte. Die Klangwelten, die er hier in seiner frühen Jugend entdeckte, können sicher als wegbereitend für sein späteres musikalisches Konzept und seine Klangwahrnehmung angesehen werden, wenn sich auch schwerlich Einflüsse Varèses in Zappas Schaffen konkret nachweisen lassen.

Sein erstes namentlich bekanntes Stück skurriler Orchestermusik heißt Mice, ein Werk für Perkussionsinstrumente, das er als Wettbewerbsbeitrag ca. 1956 schrieb, als er in einem Junior High Percussion Ensemble spielte. Er begann ebenfalls Filmmusik zu schreiben und realisierte sein erstes derartiges Projekt mit dem 52-köpfigen Pomona Symphony Orchestra und acht weiteren Rock’n’Roll-Musikern; eine zwar qualitativ nur mäßige Aufnahme dieses Ereignisses ermöglichte ihm jedoch, erstmals eine seiner Partituren von einem Orchester gespielt zu hören.

Tonträger-Empfehlungen:

Lost Episodes: Rykodisc, Kanada 1996 (CD)

Freak Out: Zappa Records, Großbritannien 1987 (CD)

Uncle Meat: Zappa Records, Großbritannien 1987 (CD)

Hot Rats: Zappa Records, Großbritannien 1987 (CD)

Waka/Jawaka: Zappa Records, Großbritannien 1988 (CD)

The Grand Wazoo: Rykodisc, Japan 1986 (CD)

200 Motels: United Artists, Deutschland 1971 (Doppel-LP)

Overnite Sensation: Rykodisc, Japan 1986 (CD)

The Perfect Stranger (Boulez Conducts Zappa): EMI, Japan 1985 (CD)

Francesco Zappa: Zappa Records, Großbritannien 1992 (CD)

Jazz From Hell: Rykodisc, Japan 1987 (CD)

Lumpy Gravy: Rykodisc, Japan 1986 (CD)

We’re Only In It For The Money: Rykodisc, Japan 1986 (CD)

Joe’s Garage: CBS, Niederlande 1979 (LP)

Sheik Yerbouti: EMI, Großbritannien 1988 (CD)

Shut Up ’N Play Yer Guitar: Rykodisc, Japan 1986 (Doppel-CD)

Jan Roloff - Als Autor bei Suite101.de verbindet Jan Roloff seine Profession mit der Passion für Sprache, Texte und spannende Themen. Er hat ...

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