
- Axel Hacke: Nächte mit Bosch - © Verlag Antje Kunstmann GmbH
Das erste Buch von Axel Hacke mit einer Sammlung von Geschichten aus dem Alltag erschien 1991, der Verlag Antje Kunstmann hat 2011 eine inhaltlich unveränderte Neuauflage auf den Markt gebracht. Das gebundene Exemplar ist mit einem Schutzumschlag versehen, von Michael Sowa gestaltet - und damit gewinnt das Buch. Denn das Cover verrät auf den ersten Blick, in welcher Stimmung der Autor sich mit Bosch, dem sehr alten schwermütigen Kühlschrank und Freund, trifft. Und so ist es plötzlich gar nicht mehr komisch, worüber der Autor in einer Geschichte des Bandes mit seinem Kühlschrank spricht, nicht mal, dass sie überhaupt miteinander reden. Auch der Inhalt der restlichen 17 Geschichten erklärt sich aus dieser Szenerie ganz gut, sie sind nicht weniger skurril, dazu gespickt mit Sprachspielereien. Sie alle kippeln um eine Grenze zwischen unwahrscheinlich wahr und wahrscheinlich unwahr.
Die Werke von Axel Hacke kennt in Deutschland wohl jeder
In den letzten Jahren gab es zahlreiche Veröffentlichungen von Axel Hacke, seine Kolumnen sind sehr erfolgreich und spätestens an den Büchern um den Weißen Neger Wumbaba, gesammelte Verhörer von Liedtexten, kommt man kaum vorbei. Seine Werke sind in zahlreiche Sprachen übersetzt worden.
Die Nächte mit Bosch sind ein wenig anders. Das vorliegende Buch ist eine Sammlung von Geschichten, die man besser nicht in einem Rutsch liest. Zu viel an Andeutungen, Gedankengängen und Sprachwitz würde verloren gehen. Dabei lohnt es sich, den Geschichten auf den Grund zu gehen, denn wirklich wichtige Fragen des Lebens werden hier behandelt. Von Onkel Oskar erfährt man, warum er eine Wortmaschine baut und versteht endlich, woher die Werbung ihre Wörter bezieht. Man lernt Fölmene und Dikdale kennen; die beklemmenden Zustände einer Berliner Basiskneipe werden beim Ablitern fast fühlbar. Handreichungen für das Leben sind inklusive. So lernt man, dass immer noch Mütter die beste Lösung haben für hypochondrische Schriftstellersöhne, die sich intensiv mit der Prostatakrebswahrscheinlichkeitsrate beschäftigen. Man bekommt auch aufgezeigt, was passieren könnte, wenn Paare nicht miteinander reden können. Fast schon anachronistisch mutet die Geschichte um den Beginn des schnurlosen Telefonierens an, aber die Fragen nach dem Umgang mit Schnecken im geliebten Garten und wie man als betrunkener Rennradfahrer ohne Licht und Geld, also quasi schwarz, nach Hause kommt, sind immer noch aktuell.
Wer braucht diese Nächte mit Bosch?
Allen, die Spaß an Sprache haben, sei dieses Buch anempfohlen. Einen ausgeprägten Sinn für skurrile und surreale Geschichten sollte man aber mitbringen. Wer es streng logisch braucht, wird mit dem Erstlingswerk von Axel Hacke nicht glücklich werden, aber wer sich darauf einlassen kann, dessen Gedankenwelt erfährt neue und spannende Anstöße.
Auch sprachlich ist das Buch keine leichte Kost. Um dem jeweiligen Handlungsstrang folgen zu können, braucht man in vielen Geschichten eine ausgeprägte Assoziationsfähigkeit, auch ein Grund, weshalb man dieses Buch eher als Sammelband sehen und nicht in einem Rutsch lesen sollte. Besonders in der Mitte des Buches häufen sich einige Geschichten, die fast schon konstruiert wirken und entsprechend sperrig sind. Es gibt aber auch immer wieder Geschichten, zu denen man schneller Zugang findet.
Die Ausstattung der gebundenen Ausgabe ist robust und dezent gehalten, der Schutzumschlag mit dem Motiv von Michael Sowa wertet das Buch auf, die Zusammenarbeit zwischen Autor und Maler ist auch von anderen Büchern Hackes als sehr schlüssig bekannt.
Der Autor selbst empfiehlt, dass das Buch in keinem Kühlschrank fehlen sollte. Probieren Sie es doch ruhig mal aus, wer weiß, welche Phantasiewelten sich Ihnen und dem Kühlschrank noch erschließen werden.
Wer den Axel Hacke aus der Süddeutschen oder dem Neger Wumbaba liebt, ist mit diesem Buch allerdings nicht gut beraten und sollte sich nach etwas Anderem umsehen.
Axel Hacke: Nächte mit Bosch. 18 unwahrscheinlich wahre Geschichten. Verlag Antje Kunstmann GmbH 2011. Gebunden mit Schutzumschlag, 160 Seiten. ISBN: 978-3-88897-703-9. Euro 14,90
Bildnachweis: © Verlag Antje Kunstmann GmbH
