
- Axolotl Roadkill Spiegel Bestseller - Privat
Axolotl Roadkill ist das beim Ullstein Verlag erschienene, vieldiskutierte Roman-Debüt von Helene Hegemann. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung siebzehnjährige Berlinerin hatte zuvor bereits durch ihr Theaterstück Ariel 15 und den Kinofilm Torpedo die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich gelenkt. Mit Axolotl Roadkill übertrifft sie jedoch ihre bisherigen Erfolge. Zwischenzeitig lag der Roman auf Platz zwei der Spiegel Bestseller Liste. Plagiatsvorwürfe haben darüberhinaus für zusätzliches Öffentlichkeitsinteresse gesorgt [1,2].
Zum Inhalt
In dem Roman, der laut Umschlaggestaltung radikal, klug und abgründig ist, beschreibt das sechzehnjährige Mädchen Mifti ihr Leben in einem Tagebuch. Das Motto des Romans lautet vielversprechend „We love to entertain you“ und entsprechend interessant beginnt das erste Kapitel mit Blut, Ritalin und RTL2. Auf den folgenden Seiten wird beschrieben wie Mifti am Nachmittag um 16 Uhr 30 aufwacht und verzweifelt versucht sich die Zeit zu vertreiben. Als nächstes fragt sie in einem Geschäft eine Ladenmitarbeiterin, ob sie zum Abendessen ein Suppenhuhn oder ein Brathuhn kaufen soll. Der ansetzende Dialog handelt von Prostituierten, LSD und Social-Commerce-Unternehmen. Danach folgt ein Kapitel mit dem Titel Vorwort. Dieser verwirrende und gewollt unkonventionelle Start in die Geschichte und die ständigen Themenwechsel innerhalb von Dialogen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Mifti beschreibt dabei, wie sie orientierungslos durch ihr Leben irrt. Sie nimmt Drogen, schwänzt die Schule, hat Sex mit Fremden und fällt aus Selbstreflexion immer wieder in Verzweiflung. Den Schluss bildet ein Brief ihrer verstorbenen Mutter, in dem sie von ihr als Abbild des Teufels, Dreck, Abschaum, und Krätze beschimpft wird.
Sprache und Schreibstiel
Die Sprache Hegemanns ist gewaltig. So muss man sich laufend mit Wortkreationen wie pseudokleinkindlich, Kampfhundbitch oder Identifikationsexzess abfinden. Auch englische Passagen und Fremdwörter werden von der Autorin gerne verwendet. So spricht sie beispielsweise von Klaustrophobie, Ambiguitätstoleranz oder Palliation. Die Grammatik einiger Sätze erschließt sich dem Leser auch nach wiederholtem Lesen nur geringfügig. Des Weiteren sind viele Dialoge so angelegt, dass man zwangsweise durcheinandergeraten muss und sich nicht mehr sicher sein kann, welche Person gerade spricht. Die Personen sind ebenfalls ein Kapitel für sich. Da sie nur kaum oder gar nicht eingeführt und vorgestellt werden, bleiben ihre Verwicklungen in die Geschichte teilweise schleierhaft. Darüber hinaus ist die Aneinanderreihung der Ereignisse oftmals schwer nachvollziehbar. So entspricht die durch den Schreib- und Erzählstiel ausgelöste Verwirrung des Lesers auf faszinierende Art und Weise der Orientierungslosigkeit der Hauptperson des Romans.
Plagiatsvorwürfe
Kurze Zeit nach der Veröffentlichung wurden Plagiatsvorwürfe gegen Helene Hegemann erhoben. Diese stellten sich als berechtigt heraus, da die Autorin sich an Textpassagen aus Airens Blog (airen.wordpress.com) und Buch mit dem Titel Strobo bedient hatte, ohne dies kenntlich zu machen. Solche Passagen wurden zwar leicht abgeändert übernommen, jedoch ist die Ähnlichkeit unverkennbar. Als Beispiel soll ein Satz auf Seite 9 des Buches dienen:
Hegemann: Irgendwie läuft mir zu Lorbeerkränzen geflochtenes Blut aus dem rechten Ohr.
Airen: Ich grinse aus dem Fenster, aus meinen Ohren fließt in dicken Strömen Blut, von Lorbeerblättern umflochten.
Dieser Fehler wurde daraufhin in geringem Maße in der zweiten Auflage und in umfangreicher Form in der dritten Auflage durch ausführliche Quellenangaben berichtigt [1,3].
Die öffentlichen Diskussion machen neugierig auf Axolotl Roadkill, einen aufregenden Roman, der allerdings durch die verwirrende Erzählweise, Verwendung unbekannter Wortkreationen und Fremdwörter dem Leser ein alles in allem anstrengendes Lesevergnügen bereiten.
Quellen
[1] H. Hegemann: Axolotl Roadkill. Ullstein Verlag.
[2] Der Spiegel 9/2010.
[3] Der Spiegel 7/2010.
