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Bereits 2007 stellte der Ausbildungsreport 2007 des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) klar, dass sich die Qualität der beruflichen Ausbildung in Deutschland in einigen Bereichen deutlich verschlechtert hat. Dass es nach wie vor mehr Bewerber als Ausbildungsplätze gibt, scheint Ausbeutung und laschen Umgang mit der inhaltlichen Heranführung durch Ausbilder zu fördern.
Überstunden kloppen bis zum Abwinken
Vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe beklagen viele Jugendliche die Aushebelung des Arbeitszeitgesetzes. In der Online-Beratung doktor azubi des DGB schreibt ein Betroffener: "In meinem Vertrag stehen 8 Stunden täglich an 6 Tagen pro Woche. Leider wird von dem nichts eingehalten. Ich arbeite ohne Pause zwischen 14 und 20 Stunden. Es gab schon zwei Mal den Fall, wo wir 25 Stunden am Stück durcharbeiten mussten. Heute habe ich meinem Chef mein Azubiberichtsheft vorgelegt, mit der Bitte, es zu unterschreiben, daraufhin sagte er, ich müsse ein neues Berichtsheft schreiben, wo ich immer nur 8 Stunden eintrage, sonst bekäme er mit der Schule und dem Amt Stress bei so viel Überstunden."
Ingrid Sehrbrock, stellvertretende Vorsitzende des DGB vertritt die Ansicht, dass Jugendliche mehr arbeiten müssten, ihre Zukunftsperspektiven blieben ungewiß.Im Ausbildungsreport 2007 des DGB gaben immerhin 42,3 Prozent der Befragten an, regelmäßig Überstunden machen zu müssen. Im Gastgewerbe sind es sogar 71Prozent.
Angst, sich zu wehren
Haben Jugendliche einen Ausbildungsplatz ergattert, lassen sie sich meist extrem viel gefallen, aus Angst, diesen wieder zu verlieren. Die Beiträge auf doktor azubi werden deshalb meist heimlich nachts geschrieben.
Nicht nur die Überstunden, auch die inhaltlichen Mängel während der Ausbildung sind eine starke Belastung. Fast ein Drittel der im DGB-Report Befragten gab an, nur manchmal, selten oder nie angeleitet worden zu sein. In den jeweiligen Berufsschulen sieht man die Zunahme extremer Ausbildungsverhältnisse mit Sorge. Wer täglich 12 bis 16 Stunden kocht oder serviert, ist kaum in der Lage, die Prüfung zu schaffen.
Berufsschullehrer Chrstoph Schneider ist skeptisch: "Natürlich bilden viele Betriebe auch in der Gastronomie vorbildlich aus." Aber: "Ich habe manchmal sogar den Verdacht, dass bei manchen Ausbildungsverhältnissen gar nicht damit gerechnet wird, dass da tatsächlich ein Fachmann bei rauskommt. Man nutzt ihn einfach aus und stellt wieder einen neuen ein, wenn der die Ausbildung abbricht oder aufhört."
Wer kümmert sich?
Jugend- und Arbeitsschutzgesetz verbieten Überstundenexzesse. Darüber wachen sollten eigentlich die Industrie- und Handelskammern. Dort jedoch ist von einer Zunahme extremer Ausbildungsverhältnisse angeblich nichts bekannt, wie Sybille von Obernitz vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag bestätigt: "Dieses Bild können wir nicht bestätigen, wir haben keine zuwachsende Zahl von Klagen von Jugendlichen."
Vielleicht ließe sich ein realistisches Bild der Missstände durch eine anonyme Erhebung zeichnen lassen. Denn, wie gesagt, welcher Jugendliche riskiert, durch konkrete Nennung der Zustände an seinem Arbeitsplatz, seinen Ausbildungsplatz zu verlieren?
