B. Busquets bestechender Report über Schuld, Sühne und Neuanfang

Bis der Zufall und vereint - www.dtv.de
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"Bis der Zufall uns vereint" zeigt, dass jeder die Vergangenheit leugnen, aber niemand sie ungeschehen machen kann und jeder eine Zukunft hat

Sergi hat es geschafft. Souverän moderiert er die bekannteste Radiosendung Kataloniens. Während die Hörer seinem Witz, Charme und frechen Grossschnäuzigkeit erlegen sind, vermag er keine stabile Beziehung zu Rosa, der Frau seines Lebens, aufzubauen und vertuscht seine Herkunft. Das, was vorher war, ist nicht mehr. Denn Sergei ist auf der falschen Seite Barcelonas geboren, dort wo Jugendliche mit Irokesenschnitt auf der Straße herumlungern, sich mit Drogen, Kriminalität und Gewalt über Wasser halten und nicht nur den Tag und die Zeit totschlagen, weil es keinen Ausweg aus der Sackgasse gibt. Dass Sergi diesem Milieu entkommen konnte, grenzt an ein Wunder. Und daran hält er fest, indem er seine Vergangenheit ausblendet.

Doch die Vergangenheit holt alle ein, auch Sergi.

Als er irrtümlich in der falschen Leichenhalle nach einem verunglückten Kollegen sucht, trifft er eine schwarzgekleidete Witwe mit einem beachtlichen Dekolleté. Fasziniert von der Üppigkeit, spricht Sergi ihr sein Beileid aus und die Frau, Christina, fängt ein Gespräch an. Sie glaubt angeblich den besten Freund ihres Mannes vor sich zu haben. Viel zu spät bemerkt Sergi, dass er besser ehrlich gewesen und gegangen wäre. Denn Cristina begegnet er nicht zum ersten Mal. Sie ist eine Person aus seiner Vergangenheit, eine von denen, die er ganz ins Abseits seiner Psyche abgeschoben hat. Was zwischen ihm und Cristiana war, daran möchte Sergi lieber überhaupt nicht erinnert werden. Er will diese Frau einfach nur vergessen. Doch mit ihr, inmitten der Leichen, werden die alten Geister zu neuem Leben erweckt. Sergi bangt um seine Karriere und Zukunft, denn die Sünden der Vorzeit sind noch nicht ausgestanden.

Blanca Busquets „Bis das der Zufall und vereint“ bietet alles, was gute Literatur fordert.

Blanca Busquets, die die deutschen Leser schon im Frühjahr mit dem Titel „Die Woll-Lust der Maria Dolors“ kennerlernen durften, schreibt bestechend gut. Taten haben Folgen, auch wenn wir das gerne vergessen würden wie Sergi. Vieles kann man erklären, aber nichts ungeschehen machen, und mit den Folgen müssen alle Beteiligten leben.

„Bis der Zufall uns vereint“ ist ein bemerkenswerter Roman, der immer wieder überrascht. Busquets ermahnt den Leser zur Verantwortlichkeit; zeigt unprätentiös und voller Humor, dass alle (Schand)Taten einen Menschen nach langer Zeit wieder einholen können. Das ist fast ein alttestamentliches Prinzip, wo die Sünden der Väter noch die kommenden Generationen peinigen. Aber Biancha Busquets plädiert auch für Vergebung. Nicht Hass befreit, sondern das Gespräch. Sühne bedeutet nicht willkürlicher Hass, sondern dem Opfer eine Stimme zu geben und zuzuhören. Wer zuhört, sieht sein Gegenüber, und wer gesehen wird, fühlt sich wichtig.

Opfer sind in diesem Fall beide – Sergi und Cristina – und gemeinsam finden sie den Weg in eine neue Freiheit. Ein Roman, den man sich nicht entgehen lassen sollte; denn er liest sich leicht; der Plot ist bestechend gut; die Charaktere unvorhersehbar und stark und die angerissenen Themen laden zum Weiterdenken ein. Ein Buch, das alles bietet, was gute Literatur fordert.

Blanca Busquets: Bis der Zufall uns vereint. Broschiert. 192 Seiten. Deutscher Taschenbuch Verlag 2011. 13,90 €.

Eva Maria Nielsen, Eva Maria Nielsen

Eva Maria Nielsen - Kurzvita 1994 Diplom Theologin in Münster 1996 Rezensentin für den Evangelischen Buchberater 1999 Magister in ...

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