
- Eine Backup-Strategie ist ein Muss für Unternehmen - Klaus Lohmann
Aus Kostengründen wird in kleineren Firmen oft auf eine strukturierte Datensicherung und/oder eine Backup-Lösung verzichtet. Gegen alle Spielarten von Datenverlusten hilft aber nur ein regelmäßiges Backup. Beachtet werden muss dabei, dass nicht nur Kosten anfallen für Speichermedien wie Bänder, Wechselplatten oder Plattenplatz, sondern vor allem in Form von mit der Sicherung beschäftigten und damit für die Alltagsarbeit nicht verfügbaren Rechnern.
Die Sicherungsstrategie
Zur erfolgreichen Datensicherung gehören zwei wichtige Grundsätze der Sicherungsstrategie:
- Erstens muss man sich davon überzeugen, dass das Backup auch tatsächlich intakt ist, am besten durch Vergleich mit den Originaldateien. Mindestens einmal, besser regelmäßig, sollte man überprüfen, ob auch tatsächlich die Wiederherstellung der Daten gelingt, beispielsweise, indem man sie auf eine andere Festplatte oder in ein anderes Verzeichnis zurückliest.
- Zweitens ist es notwendig, die Sicherungskopie abwechselnd auf mindestens zwei, besser mehr Datenträger zu speichern. Backup bedeutet immer Redundanz: Je mehr Kopien der Daten vorliegen, desto geringer die Gefahr, im Ernstfall nichts mehr lesen zu können.
Zu einem guten Sicherungskonzept gehören die Planung, Erprobung, Durchführung und immer wieder die Überprüfung des Konzeptes. Außerdem ist bei jeder Backuplösung ein Notfallplan zu erstellen und zu überprüfen.
Damit ein Backup im entscheidenden Moment nicht selbst Schaden nimmt, muss es im "Normalbetrieb" möglichst unzugänglich sein. Eine Sicherungskopie in ein anderes Verzeichnis auf derselben Festplatte bietet beispielsweise nur minimalen Schutz, denn Viren, versehentliche Formatierung oder gar ein Festplattendefekt können die Kopie dann genauso leicht betreffen wie das Original.
Eine ständige "Spiegelung" einer Festplatte auf eine zweite, wie sie diverse Hard- und Softwarelösungen ermöglichen, hat mit Backup ebenfalls nichts zu tun. All die durch Software oder menschliches Versagen verursachten Fehler dupliziert sie nämlich ebenfalls sofort. Eine Plattenspiegelung kann also ein Backup nicht ersetzen, sondern bestenfalls ergänzen, um ein kritisches System auch bei dem relativ unwahrscheinlichen Ausfall einer Festplatte am Laufen zu halten.
Backup-Programme können einen automatischen Vergleich zwischen Original und Backup durchführen, Daten komprimieren sowie die Verwaltung inkrementeller Backups übernehmen. Ein echtes Backup gehört auf eine Wechselplatte, CD-/DVD-ROM oder ein Band, das sich nach seiner Fertigstellung aus dem Laufwerk nehmen und mit einem Schreibschutz versehen lässt. Idealerweise lagert man es auch nicht direkt beim Rechner, denn auch durch Diebstahl oder Feuer können Daten verlorengehen. Die Gefahr, unbeabsichtigt Daten auf so bespielten Wechselmedien zu löschen oder zu verändern, ist etwas geringer als bei normaler Benutzung. Gegen versehentliche Formatierung ist man aber natürlich auch durch die Verwendung eines Backup-Programms nicht gefeit.
Die Generalprobe einer tatsächlichen Restauration muss nicht bei jedem Backup sein, sollte jedoch von Zeit zu Zeit wiederholt werden, insbesondere, wenn sich an der Hardware oder gar der Backup-Software irgendetwas verändert hat. Im Alltagsgebrauch sollte man auf keinen Fall darauf verzichten, nach jedem Backup die gesicherten Daten penibel mit dem Original zu vergleichen. Jede Backup-Software, die diesen Namen verdient, bietet eine entsprechende Vergleichsmöglichkeit an.
Sicherungskonzepte: Restore-Window und Großvater-Vater-Sohn-Prinzip
Das "Rücksicherungs-Fenster" - Restore-Window - bezeichnet die Zeitspanne, nach der auf gelöschte Dateien oder ältere und gesicherte Versionen von Dateien noch zugegriffen werden kann (und diese zurückgesichert werden können), obwohl diese auf dem Client gelöscht oder überschrieben wurden. Diese Funktionalität kann auch als "Reinigungsfunktion" betrachtet werden, denn sie bedeutet in der Regel das zyklische Überschreiben alter Sicherungsbänder. Große Restore-Windows von z.B. 36 Monaten erlauben zwar die Rücksicherung von Daten, die vor 36 Monaten gelöscht wurden oder alter Versionen von Daten aus diesem Zeitraum - führen aber auch zur Ansammlung großer Mengen von "Datenschrott".
Eine andere Methode ist das Großvater-Vater-Sohn-Prinzip: Bei dieser Drei-Generationen-Methode ist die heutige Sicherungskopie der "Sohn". Die gestrige Sicherungskopie wird damit zum "Vater" und die vorgestrige Sicherungskopie wird zum "Großvater". Erst wenn sich bei der Erstellung des "Sohn"-Datenträgers keine Fehler zeigen, darf der bisherige "Großvater"-Datenträger, also die vorgestrige Sicherungskopie gelöscht werden. Dieses Prinzip hat sich in der Praxis bewährt und wird sehr oft eingesetzt.
Vollständige Datensicherung
Den sichersten Schutz vor jeglicher Art von Datenverlusten und Ausfällen bietet ein Komplettbackup aller Daten (Full-Backup, Vollsicherung), und zwar so oft wie möglich. Bei dieser Art der Sicherung wird jeden Tag (oder besser: jeden Abend) der gesamte Datenbestand gesichert, egal ob es sich um Programme, Stamm- oder Bewegungsdaten handelt. Der Vorteil dabei ist, dass jeden Tag der komplette aktuelle Datenbestand verfügbar ist. Nachteilig ist, dass dieses Verfahren nur bei überschaubaren Datenmengen Sinn macht, bei einigen Tausend Terrabytes wäre der Aufwand für die Technik in kleineren und mittleren Firmen zu groß.
Incremental Backup
Um beim Backup Zeit und Kosten zu sparen, braucht man nicht jedes Mal alle Daten zu sichern, denn die meisten Dateien wie zum Beispiel das Betriebssystem und die installierten Anwendungen bleiben über längere Zeit unverändert. Nach einer Komplettsicherung ist es vielmehr sinnvoll, in kleineren Zeitabständen nur die seitdem geänderten Dateien zu sichern, also ein so genanntes inkrementelles Backup (Inkrementsicherung, Incremental Dump, Zuwachsbackup) durchzuführen.
Differential Backup
Beim Differentiellen Backup handelt es sich um eine Kombination aus Gesamt- und Zuwachsbackup (Incremental). Begonnen wird hier mit einem vollständigen Backup, daran schließen sich inkrementale Sicherungen an. Der Vorteil ist, dass eine solche Sicherungsart schnell geht, allerdings ist die Rücksicherung, das Restore, sehr zeitaufwändig. Die heutigen Backup-Software-Produkte unterstützen selbstverständlich sämtliche aufgeführten Sicherungskonzepte.
Online-Backup
Das Online-Backup hat mit "online" im landläufigen Sinne nichts gemein, vielmehr ist damit eine Sicherungsmethode gemeint, bei der die Daten schon gesichert werden, während noch daran gearbeitet wird, also die Dateien noch geöffnet sind. Im Normalfall können Dateien, die geöffnet sind, nicht gesichert werden, sei es, dass ein Datensatz oder die ganze Datei gesperrt ist. Dies ist normalerweise wichtig, damit die Dateien nicht gleichzeitig von mehreren Benutzern überschrieben werden können.
Bei der Online-Sicherung ist meist ein eigener Sicherungsserver im Einsatz, der die geschlossenen Dateien auf herkömmliche Weise sichert. Die in Benutzung befindlichen Dateien werden markiert und als "Nur lesbar"-Dateien in den Arbeitsspeicher kopiert. Von dort aus werden sie kopiert, um als "Beschreibbare" wiederum im Speicher zu landen. Jetzt können sie normal gesichert werden.
Ein solches Verfahren stellt höchste Ansprüche an die Technik und die eingesetzte Software, da ständig geprüft werden muss, ob und welche Daten sich gerade im Einsatz befinden, welche aktuell sind, welche kopiert werden können usw. Online-Backup-Sicherungsserver sind in der oberen Preisskala zu finden.
(Mitautor: Klaus Lohmann)
