Sommer ist Badezeit! Nicht nur uns Menschen, auch Hunde zieht es dann ans und ins Wasser. Und viele (Hunde)strände an Nord- und Ostsee, an Binnenseen und Flüssen laden Mensch und Tier zum gemeinsamen Badevergnügen ein – wenn die Vierbeiner entsprechend an das Element herangeführt werden. Denn Hunde können prinzipiell zwar schwimmen, stellen sich dabei aber, wenn sie ungeübt sind, nicht selten recht ungeschickt an.
Scharfe Krallen und Salzwasser - das tut weh
Marianne Mextorf kann davon ein Lied singen. Die Schleswig-Holsteinerin geht für ihr Leben gern in der Nordsee schwimmen und ließ sich dabei gern von ihrem - mittlerweile verstorbenen - Deutschen Schäferhund Quando begleiten, auch ins Wasser. Bei den ersten gemeinsamen Badeversuchen allerdings paddelte der aufgeregt mit seinen Vorderläufen, und seine Begleiterin machte unfreiwillig Bekanntschaft mit seinen scharfen Krallen. "Solche Kratzer sind im Salzwasser besonders unangenehm", erinnert sie sich.
Dass Quando kein Einzelfall ist, weiß Dr. Ursula Bonengel von der Gesellschaft für Tierverhaltenstherapie: "Wie vieles andere, müssen Hunde auch das sichere und energieschonende Schwimmen lernen, und dazu braucht es viele Wiederholungen.“ Das gelte sogar für echte "Wasserrassen", also diejenigen, die seit Jahrhunderten für die Arbeit im Wasser eingesetzt und gezüchtet wurden und entsprechend genetisch disponiert sind wie zum Beispiel Retriever, Neufundländer oder sogar Portugiesische Wasserhunde.
Viele Hundehalter übrigens interpretieren das wilde Gezappel ihres Vierbeiners gern als "Rettungsversuch", der seinen zweibeinigen Freund – der keinen Boden mehr unter den Füßen hat und plötzlich ungewohnte Bewegungen macht – in Gefahr wähnt. Experten sehen in dieser Deutung mehr Wunschdenken des Menschen als Realität: Unerfahrenen Hunden fehle es einfach an Schwimmpraxis.
Mit Ruhe und Geduld ans kühle Nass heranführen
Hundebesitzern, die ihren vierbeinigen Freizeitkumpel mit Wasser vertraut machen wollen, empfiehlt Dr. Ursula Bonengel, dies mit Geduld und Ruhe zu tun – wenn die Jahreszeit es zulässt, gern auch schon im Welpenalter – um dem Neuling Zeit zu lassen, das kühle Nass zu erkunden. Wie bei allen Sportarten müsse zudem auch hier Kondition aufgebaut werden, und das geht nur durch regelmäßiges Training.
Wie ein solcher Lernprozess funktioniert, sei gut zu erkennen, wenn man das Schwimmverhalten unerfahrener Tiere mit dem "alter Wasserhasen" vergleicht: "Die meisten jungen Hunde hampeln und strampeln“, hat die Tierärztin beobachtet, die selbst mit ihrer Hündin gern baden geht. Vierbeinige Schwimmer mit viel Praxis dagegen liegen ruhig im Wasser und tragen den Kopf entspannt, aber nicht zu hoch: "Die haben durch Erfahrung gelernt, sich rationell im Wasser zu bewegen.“
Vom hektischen Paddler zum Schwimmroutinier
So wie Quando später. Denn durch viele Ausflüge zur und in die Nordsee wurde der Rüde zum Routinier. Hektisches Paddeln war irgendwann passé, erzählt seine Besitzerin und beschreibt seine Schwimmtechnik so: "Der konnte richtig durchs Wasser gleiten."
