Bärlauch, Maiglöckchen und Herbstzeitlose sicher unterscheiden

Colchicum (links), Maiglöckchen (oben), Bärlauch - Marion Werling
Colchicum (links), Maiglöckchen (oben), Bärlauch - Marion Werling
Anhand dieser Merkmale lässt sich Bärlauch sicher von den giftigen Doppelgängern Herbstzeitlose und Maiglöckchen unterscheiden. Der Geruch reicht nicht aus.

Nun ist es endlich wieder soweit: ab etwa Ende März/ Anfang April bietet der Einzelhandel wieder Bärlauch zum Verkauf an. Echte Fans des gesunden Wildgemüses sammeln Allium ursinum jedoch oft selbst. In seinem natürlichen Lebensraum - Auwälder und feuchtere Edellaubwälder erscheint er im Frühling am richtigen Standort meist massenhaft und man kann einen schönen Frühlingsspaziergang mit Bärlauch-sammeln kombinieren. Allerdings gibt es in unseren Wäldern einige giftige und sehr giftige Doppelgänger, die für den Ahnungslosen (lebens)gefährlich sind - diese Arten müssen sicher erkannt werden.

Die giftigen Doppelgänger des Bärlauchs und an welchen Merkmalen man sie sicher unterscheidet

Die Herbstzeitlose - Colchicum autumnale

Den meisten Spaziergängern dürften die Krokus-ähnlichen, rosafarbenen Blüten bekannt sein, die spät im Herbst auf unseren Wiesen erscheinen. Die Herbstzeitlose wächst aber keineswegs nur auf Wiesen, sondern auch an in Auwäldern und oft randlich in Edellaubwäldern, wo Wald und Wiese aneinander grenzen. Den Bauern sind die schönen Blüten ein Dorn im Auge, denn sie verderben durch ihre Giftigkeit das Heu und können für das Vieh sogar tödlich sein. Colchicum ist der gefährlichste Doppelgänger des Bärlauchs - drei bis vier Blätter im Gericht reichen aus um einen Menschen zu töten. Es gibt aber gute Merkmale, an denen man die Pflanze auch ohne Blüte sicher erkennen kann. Colchicum hat derbe, 20-40 cm lange, 2-4 cm breite, grasgrüne Blätter mit stumpfer Blattspitze. Im Gegensatz zum Bärlauch haben die Blätter keinen Blattstiel und glänzen auf beiden Seiten. Der Geschmack ist sehr bitter, aufgrund der enormen Giftigkeit sollte jedoch von einer Geschmacksprobe abgesehen werden. Der Geruch ist grasartig.

Das Maiglöckchen - Convallaria majalis

Wie bei der vorherigen Art, wird es beim Maiglöckchen auch kaum Verwechslungen blühender Pflanzen geben. Die stark duftenden, weißen Blütentrauben erscheinen jedoch erst im Mai. In Edellaubwäldern kommt das Maiglöckchen zusammen mit dem Bärlauch vor und ist von diesem etwas weniger einfach zu unterscheiden, als dies bei der Herbstzeitlose der Fall ist. Sie ist aber auch etwas weniger stark giftig als diese. Im Austrieb sind die Blätter noch gut von denen des Bärlauchs zu unterscheiden, da sie im Gegensatz zu diesem trichterförmig eingerollt sind - während sich die Blätter des Bärlauchs schnell entfalten. Sind sie entfaltet wird die Sache etwas komplizierter: Beide Arten können einen verschmälerten Blattstiel aufweisen - beim Bärlauch ist der Blattstiel aber viel deutlicher ausgebildet und wesentlich länger. Auch ist bei beiden Arten eine Seite des Blattes matt und die andere glänzend. Das Maiglöckchen hat oberseits matte und unterseits glänzende Blätter. Beim Bärlauch ist es scheinbar umgekehrt: die Oberseite glänzt und die Unterseite ist matt, jedoch dreht der Bärlauch seine morphologische Blattunterseite nach oben, um im luftfeuchten Wald einen besseren Gasaustausch, über die so obenliegenden Spaltöffnungen, zu ermöglichen - so kommt die glänzende Seite nach oben. Im Zweifelfall würde man jedoch den Bärlauch für ein Maiglöckchen halten und stehen lassen. Das Maiglöckchenlaub riecht zudem grasartig.

Allgemeine Verhaltensregeln beim Pflücken und warum vom Riechtest abzuraten ist

Oft hört man den Rat am Laub zu riechen - so sei der Bärlauch eindeutig zu erkennen. In erster Linie stimmt das auch, nur Allium ursinum hat (unter den genannten Pflanzen) ein Knoblauch-artiges Aroma und ist somit eindeutig zu erkennen. Fakt ist nur, dass die Hände beim Pflücken unweigerlich diesen Geruch annehmen und man ihn nicht mehr einer in der Hand gehaltenen Pflanze zuordnen kann. Für die erste Identifizierung eines Bestandes ist der Geruch also auf jeden Fall ein gutes und wichtiges Merkmal, beim Pflücken darf man sich dann aber nicht mehr auf seine Nase verlassen. Das zentrale Merkmal, welches Allium ursinum von Maiglöckchen und Herbstzeitlose unterscheidet ist der lange, deutlich ausgebildete Blattstiel - Blätter also immer mit einigermaßen vollständigem Blattstiel pflücken, so kann man sich sicher sein. Wer sich unsicher ist, ob er das Merkmal gut erkennt sollte es sich vorab von einem Fachmann (Botanischer Garten, Universität, Apotheken) zeigen lassen. Anzuraten ist außerdem sich die Doppelgänger bei Gelegenheit einmal genauer anzusehen und die Merkmale zu prüfen.

Wer in seinem Garten Bärlauch sammelt sollte außerdem wissen, dass Zierpflanzen gelegentlich verwildern können und viele (z.B. Tulpen) auch giftig sind und dem Bärlauch ähneln können.

Bevor man anfängt sich die Körbe vollzuladen sollte man den Bestand, in dem man pflücken möchte, erst einmal gründlich durchzuschauen. Gibt es im Bestand Maiglöckchen und /oder Herbstzeitlose (alle drei Arten stehen nicht selten dicht beieinander!) sollte als Vorsichtsmaßnahme hier nicht gesammelt werden. Es nützt einem ja auch nichts, wenn man mit schlechtem Gewissen alles wegwirft, weil man sich im Nachhinein doch nicht mehr hundertprozentig sicher ist.

Quellen und weiterführende Literatur:

  • Walter Dietl, Manuel Jorquera: Wiesen- und Alpenpflanzen: Erkennen an den Blättern - Freuen an den Blüten
  • Manfred A. FISCHER, Karl OSWALD, Wolfgang ADLER: Exkusionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol, 3. Auflage, 2008, 1391 Seiten
  • Stefan Eggenberg, Adrian Möhl: Flora Vegetativa: Ein Bestimmungsbuch für Pflanzen der Schweiz im blütenlosen Zustand
Marion Werling im Cubo de la Galga, La Palma, Frederik Schulz

Marion Werling - "In den Wissenschaften ist viel Gewisses, sobald man sich von den Ausnahmen nicht irre machen läßt und die Probleme zu ehren ...

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