
- Leverkusen ist eine Herausforderung für Robin Dutt - Joachim Hahne
Gerade einmal zwei Spieltage sind absolviert in der noch jungen Spielzeit 2011/2012. Doch die Fußball-Bundesliga garantiert trotzdem schon ein kräftiges Paket an Zündstoff. Da gibt es zum einen den klassischen Fehlstart des 1. FC Köln. Dort ist Trainer Stale Solbakken nach seinem Zwist mit Fußball-Nationalspieler Lukas Podolski und gleichzeitigen zwei Niederlagen schon in der Kritik. Zumindest bei den Fans auf dem Prüfstand. Dies geht ganz schnell in der rheinischen Karnevalshochburg. „System-Absturz“, titelte das Fachblatt Kicker nach der 1:5-Schlappe auf Schalke. Im Duell der Kellerkinder (Sonntag, 17.30 Uhr) gegen den 1. FC Kaiserslautern ist Pflicht, sonst könnte es für den Norweger schon zu Saisonbeginn eng werden. Denn man weiß: Die Kölner Jecken sind geduldiger als die Fans im Rhein-Energie-Sportpark. Bei einer weiteren Niederlage könnte es rund um das Geißbockheim ungemütlich werden für den norwegischen Coach.
Köln und Solbakken gegen Kaiserslautern unter Zugzwang
Aber auch linksseitig des Rheins herrscht alles andere, als eitel Sonnenschein. Zwar konnte die Werksself ihr Heimspiel gegen Werder Bremen dank des späten Treffers von Michal Kadlec (85.) gewinnen und den ersten „Dreier“ einfahren. Doch die von Robin Dutt ausgelösten Personaldispositionen und -diskussionen in den bisherigen beiden Spielen werfen einige Fragen auf. Vorbei ist es mit der beschaulichen Ruhe von Freiburg, wie sie der neue Bayer-Coach bei seiner vierjährigen Profitätigkeit als Cheftrainer im Breisgau erleben durfte.
Hier ist der Trainer nun in vielerlei Hinsicht gefordert. Denn bereits nach dem ersten Spiel bei der 0:2-Niederlage seines Teams eckte er mit Nationalspieler Simon Rolfes an. „Ich war jedenfalls nicht verletzt“, konterte der Blondschopf seine Auswechslung in Mainz. Rolfes fand sich daraufhin zum Anpfiff des Heimspiels gegen Bremen auf der harten Auswechselbank wieder.
Robin Dutt und der Umgang mit den Stars der Bundesliga
Ebenso erging es Michael Ballack in Mainz. Schließlich durfte der ehemalige Nationalspieler nun gegen Bremen vom Anpfiff weg in der Werkself mittun, wenngleich Dutt noch im Vorfeld des Spiels im Hinblick auf Ballack erklärt hatte, „wer bei einem Champions-League-Club spielt, für den dürfte es eine Ehre sein, dort auf der Bank zu sitzen“. Ein gewagte Aussage vom ehemaligen Freiburger Trainer! Der gebürtige Kölner gilt gegenüber den Spielern als unnahbar und verschlossen. Im Breisgau, bei einer Reihe von jungen Spielern und Nobodys im Haifischbecken „Fußball-Bundesliga“ hatte er damit durchaus Erfolg. Ob allerdings auch gestandene Nationalspieler wie Ballack oder Rolfes mit ihrer Rolle und der Art des Trainers klarkommen, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Zumindest arg ungeschickt die nachgelegte Aussage beim Bezahlsender Sky HD: „Wer nicht damit umgehen kann, hat bei uns nichts zu suchen.“
Apropos Simon Rolfes. Der Nationalspieler wurde in der Schlussphase eingewechselt und gab mit seiner Vorlage zum Siegtreffer von Kadlec die sportliche Antwort. Aber er legte auch verbal nach: „Wir haben nicht nur eine starke erste Elf, sondern auch eine phantastische Bank“, gab Rolfes zu Protokoll. Als Vorbereiter hatte er am Sonntag Abend alles richtig gemacht.
Bayer Leverkusen und Robin Dutt werden am Erfolg gemessen. Zumindest nach dem 1:0-Erfolg gegen Bremen herrscht Burgfrieden in der Bay-Arena. Händeschütteln und ein zartes Lächeln schenkten sich der Bayer-Coach und Ballack. Dieser musste ja bekanntlich gegen Rolfes den Platz tauschen, ohne vorher große Akzente setzen zu können. Und just nach seiner Auswechslung fiel der Siegtreffer für Leverkusen. So könnte es im nächsten Spiel heißen: „Vorteil auf, Rolfes“. Und Ballack droht wieder die harte Bank. Die Wahrheit liegt auf dem grünen Rasen. Und so sind in der Auswärtspartie beim VfB Stuttgart (Samstag, 15.30 Uhr) wieder alle Beteiligten gefragt. Sonst droht weiter Ungemach. Und der ehrgeizige Dutt hatte sich zu Saisonbeginn selbst in Zugzwang gebracht, mit der Aussage: „Ich bin nicht nach Leverkusen gekommen, um aus einem zweiten Platz einen vierten oder fünften zu machen.“ Daran wird sich der 46-jährige Fußball-Lehrer messen lassen müssen.
