Auswandern um 1900: Die Ballin-Stadt

Im Auswanderermuseum auf der Veddel in Hamburg ist der Weg der Auswanderer vom Entschluss bis zur Ankunft in Nord- oder Südamerika oder Kanada dargestellt.

Die drei Häuser des 2007 eröffneten Museums stehen auf der Elbinsel Veddel in Hamburg an der Stelle, an der HAPAG Chef Albert Ballin 1901 die Auswandererstadt errichtete. Es bietet einen Eindruck der Situation der Auswanderer im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Ballin bot so den vielen Menschen, die oft wochenlang in der Stadt auf ihre Passage warteten, eine Bleibe: Empfangsgebäude, Schlaf- und Wohnpavillions, Hotels, Kirche, Speisehalle, Lazarett, Musikpavillion, Verwaltungsgebäude, Gepäckschuppen und Stall. Er sah das Geschäft mit den Reisewilligen und die Stadt war von den vielen Fremden befreit, die die Hamburgen nicht gerne sahen, hatten sie doch Angst vor Seuchen und Betrügereien, die sie einschleppen könnten, sie lungerten in der Stadt herum, wenn sie keine Unterkunft fanden oder sie nicht bezahlen konnten.

Im ersten Haus, dem Foyer und Kassenraum, liegen Passagierlisten aus und kann von einem Ahnenforschungsportal unterstützt nach ausgewanderten Familienangehörigen geforscht werden.

Im zweiten Haus ist die Geschichte der Auswanderer bis ins frühe 20. Jahrhundert exemplarisch an verschiedenen Menschen aus unterschiedlichen Lebenssituationen dargestellt: der Magd, dem Knecht, dem Handwerker, dem Bauernsohn.

Zunächst kann der Besucher über Ohrmuscheln ihren Geschichten lauschen. Alle fühlen sich in diesem Land auf aussichtslosen Positionen, sehen kein entrinnen ihrer ärmlichen Lage: die Magd, die immer Magd bleiben wird, ebenso der Knecht, der Handwerker leidet unter der willkürlichen Steuerlast und der Chancenlosigkeit durch seine Arbeit ein solides Auskommen für seine Familie zu erwirtschaften und der Bauernsohn rechnet sich aus, dass das Land, das er einmal von seinem Vater erben wird, viel zu klein ist, um davon leben zu können, da er es mit seinen Brüdern teilen muss. Irgendwann brechen sie auf.

Diesen Weg kann der Besucher weiter verfolgen

Unterwegs sind Dokumente und diverse Utensilien ausgestellt. In gespielten Filmszenen kann man einen Eindruck der Geisteshaltung der Menschen gewinnen. Und man kann einen Auswanderer auf seinem Weg von seiner Ankunft in der Ballinstadt, auf das Schiff, seiner Ankunft und seinem Weg in das neue Leben verfolgen.

Unser Auswanderer ist in Hamburg angekommen: Menschenmassen suchen eine Unterkunft, Gerüchte und Halbwissen machen die Runde und dann ist es soweit: er geht an Bord.

Der Besucher tut es ihm gleich. Er betritt über einen Steg einen Raum, der dem Schiffsinnern nachempfunden ist. Mittlerweile gibt es Zwischendecks und Strohsäcke. Ihre Verpflegung für die Überfahrt müssen sie selber mitbringen.

In Ellis Iland geht es von Bord gleich in die Büros in denen sich die Ankömmlinge Registrieren lassen und sich einer Gesundheitsprüfung unterziehen müssen. Außerdem müssen sie sich einem umfangreichen Fragenkatalog stellen. Wer das, überstanden hat darf bleiben und muss sehen, wie es weitergeht. Wer schon Verwandte dort hat, weiß, wo es hingehen kann.

Am Ende dieses Hauses werden deutschstämmige Amerikaner vorgestellt, die besonders erfolgreich waren, zum Beispiel Levi Strauss – jeder kennt seine Jeans.

Das Leben in der Ballin-Stadt

Im dritten Haus ist die Empfangshalle und der Schlafsaal – nach Geschlechtern getrennt – rekonstruíert. So gewinnt man einen Eindruck, wie die Menschen in dieser ungewissen Zeit bis zu ihrer Abreise lebten.

Der Gang durch das Museum ist eine kleine Abenteuerreise durch die Geschichte.

BallinStadt, Veddeler Bogen 2

Öffnungszeiten: Oktober bis April 10:00 Uhr bis 16.30 Uhr April bis September 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr

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