Bambi für Bushido: Was hat gefehlt?

Kommunikation - Gerd Altmann / (c) pixelio.de
Kommunikation - Gerd Altmann / (c) pixelio.de
Rückgrat oder Toleranz? Heino distanziert sich mit Bambi Rückgabe. Peter Maffay verfolgt seine Werte "Brücken schlagen" . Zwischen Kommunikation und Werten.

Was hat gefehlt? ... wirkliche Einkehr und Verantwortung.

Peter Maffay sprach bei der Verleihung des diesjährigen Bambis für Integration von Toleranz und zweiter Chance. Er betonte, dass Bushido sich längst zu seinen Fehlern bekannt hätte. Daher stellt sich die Frage: Ist das so? Bei der Bambiverleihung am 10.11.2011 sagte Bushido lediglich „Ich werde heute nicht mehr das Gleiche sagen wie vor 10 Jahren“. Er äußerte gleichzeitig, dass es ihm egal sei, wer ihn mag oder nicht. Seine Haltung, sein Auftreten strahlte etwas nicht stimmiges aus. Seine Worte stoßen die Zuhörer, die er früher verletzt hat, vor den Kopf. Provokant könnte man es nennen.

Peter Maffay spricht von Brücken schlagen. Doch warum hat dies Bushido nicht getan? Statt seiner Verwunderung Ausdruck zu verleihen "dass dies immer noch Thema ist" und drüber zu laufen, hätte er merken müssen, dass hier offensichtlich noch etwas offen ist. Auch wenn er in den letzten Jahren von seiner Veränderung gesprochen hat, hat diese Einsicht die Zuhörer ja offenbar nicht erreicht. Wie immer, wenn es um Kommunikation geht, tragen Sender (Sprecher) und Empfänger (Zuhörer) gleiche Verantwortung für das Gelingen eines Miteinanders und eines Dialoges.

Ein einziger authentischer Satz, wie „Es war falsch und es tut mir leid, dass ich damals so dachte und handelte, wie ich es tat“ oder ähnlich – eine solche Aussage hätte wirklich etwas beim Zuhörer bewirkt. Es wäre ein Zeichen von innerer Einkehr gewesen. Denn das Merkmal eines Fehlers ist ja nun mal, dass der Mensch zu einem Zeitpunkt etwas tat, was er zu diesem Zeitpunkt nur so tun konnte, weil er es nicht besser wusste; und was er zu einem späteren Zeitpunkt bedauert und mit einem reiferen Bewusstsein so nicht mehr tun würde. Der Prozess eines wirklich eingesehen Fehlers schließt damit ab, sich gleichsam bei den Menschen zu entschuldigen, die er damit verletzt hat. Demut und Rückgrat heißen die Schlüsselwörter. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass jemand, der so viel verbrannte Erde hinterlassen hat, eine solche Auszeichnung und Anerkennung erhält.

Ist der Bambi nun gerechtfertigt oder nicht?

An vielen Orten wird diskutiert: Ist der Bambi gerechtfertigt? Oder wirklich ein solcher Fauxpas der Jury des Burda Verlages? Die Nation ist gespalten. Fällt man das Urteil aufgrund der früheren Liedtexte, sollte die Position klar sein.

Betrachtet man sich allerdings die Person Bushido, so muss man zugeben: Er erreicht die Zielgruppe, die er erreichen will. Er spricht „die Sprache“ der Straßenkids, der Randgruppe. Derjenigen, die die meisten von uns am liebsten nicht sehen wollen würden. Doch sie sind da und sind Teil unserer Gesellschaft. Dadurch dass er diese jungen Menschen erreicht, hat er den Zugang, diese zu einer Änderung zu bewegen. Offensichtlich hat er selbst eine solche durchlebt und behauptet heute, er stehe für ein respektvolles Miteinander ein. Wenn dem so ist, so wird er zukünftig einiges bewirken können; vielleicht sogar mehr als all die, die mit Worten und anerkennungswürdigen Taten – aber von Außen – am gleichen Strang ziehen. Denn er kennt „das Leben dort“ und weiß, wovon er redet. Es ist leicht von der vermeintlich „guten Seite“ aus, auf der wir uns selbst ja gerne einordnen, die „andere Seite“ zu bewerten. Ratschläge zu haben und zu geben. Doch der Mensch stellt sich damit auf die Gegenseite und die, die er erreichen will, werden ihm nie folgen. Sondern in Opposition gehen. Menschliche Veränderung zu bewirken und zu fördern geschieht nun mal nur, indem man in deren Welt geht, ihre Sprache spricht und sie somit dort abholt, wo sie stehen und leben. Und das tut er oder will er tun.

Fehler gehören zwar zum Leben – aber Verantwortung auch

Es gelingt Bushido zwar in „die Welt der Menschen" zu gehen, die er erreichen will. Aber zu einer Brücke gehört auch das andere Ufer. Und das erreicht er nicht! Er geht nicht in die Welt derjenigen, die er stark verletzt hat und durch sein beharrliches Verhalten auch weiterhin diskreditiert. Als beispielsweise Peter Plate ihn konkret ansprach, war in seiner Gestik und Mimik nichts von Verstehen und Verständnis sichtbar. Er übernimmt keine Verantwortung für das, was er verursacht hat. Fehler zu machen und Menschen zu verletzen gehört zum Miteinander und zum Leben. Doch das Wesentliche menschlicher Entwicklung ist, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, indem ich es nicht unter den Tisch kehre, sondern die Auswirkungen meines Fehlverhaltens an mich heranlasse.

Sabine Mrazek, Sabine Mrazek

Sabine Mrazek - Ich bin Geschäftsführerin von sabeconsult Coaching und seit 15 Jahren, mit Herz und Seele, als Ganzheitlicher Business Coach ...

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