Bandagen binden, Bandagen wickeln – Boxbandagen

Wie Boxer sich die Hände richtig bandagieren und warum es Tapes gibt

Boxbandagen für Boxer  - www.example-sports.de
Boxbandagen für Boxer - www.example-sports.de
Bandagen und Tapes beim Boxen dienen zur Stabilisierung und Vermeidung von Verletzungen. Suite101 gibt Hilfestellungen für die richtige Technik beim Binden und Wickeln.

Beim Boxen ist der Schutz der Hände wichtig. Allein dafür sind Bandagen und Boxhandschuhe gedacht. Denn trifft eine nackte Faust auf einen Kopf, verliert meist die Faust – die vielen kleinen Knochen sind zu fragil, der Schädel wirkt dagegen wie Beton.

Warum benutzen Boxer Bandagen und Tapes?

Da die Arbeit am Sandsack Handgelenke, Knöchel und Daumen mindestens genauso belastet wie ein Boxkampf, müssen die Hände sorgfältig bandagiert werden, um Verletzungen und Verschleiß vorzubeugen. Positiver Nebeneffekt: Die Bandagen saugen den Schweiß der Hände auf und lassen die Handschuhe nicht so schnell innen verschmutzen und müffeln.

Wie lang und aus welchem Stoff sind die richtigen Boxbandagen?

Die Länge der Bandagen muß entsprechend den Vorschriften des Deutschen Amateur Boxverbandes (DBV) mindestens 2,50 Meter und höchstens 4,50 Meter betragen, die Breite bis 5 Zentimeter. Bei den Profiboxern richten sich Länge und Breite nach den Boxregeln des jeweiligen Boxverbandes (zum Beispiel BDB, GBA, WBA, WBC, IBF oder WBO), die bei den Bandagen und Tapes eine unterschiedliche Handhabung pflegen. Bei den meisten Profiboxverbänden dürfen die Bandagen nicht länger als 10 Yards (9,144 Meter) sein. Ab dem Supermittelgewicht sind 12 Yard erlaubt, was 10,972 Meter entspricht. Die Breite darf höchstens 2 Inch (5 Zentimeter) betragen. Zum Befestigen ist ein 1,829 Meter langer und 2,5 Zentimeter breiter Tapestreifen erlaubt, der allerdings nicht die Handknöchel bedecken darf. Ab dem Supermittelgewicht darf der unterstützende Tapestreifen 2,438 Meter messen. Es sind nur weiche, elastische Bandagen aus Mull, Flanell, Kambrik, Krepp, Gaze oder Trikotschlauch erlaubt

Wie werden die Fäuste richtig bandagiert und gewickelt?

Bandagenbinden und Bandagenwickeln verlangt Ruhe, Konzentration und ist Kult. Jeder Boxer hat seine Vorlieben und verbindet seine Hände etwas anders, wie die Bilder und Anleitungen unten zeigen. Es gibt aber einige grundlegende Dinge zu beachten: Wichtig ist, dass Handgelenke, Mittelhandknochen und Grundgelenke der Finger fixiert und stabilisiert werden. Tipp: Zum Boxtraining einfache Bandagen mit Klettverschluss wählen! Praktisch zum Binden sind Bandagen mit einer Daumenschlaufe.

Bandagen anlegen – Schritt für Schritt

Wie erwähnt, gibt es viele verschiedene Varianten für das Anlegen der Boxbandagen. Die Grafiken unten zeigen die beiden gebräuchlichsten Methoden. In der Regel fängt man beim Handgelenk an, nachdem man die Schlaufe über den Daumen gelegt hat. Dann werden die einzelnen Finger wiederum mit einer Wicklung ums Handgelenk fixiert, anschließend die Fingerknöchel und die Mittelhand. Wichtig: Bandage langsam und fest über die Finger abrollen.

Kann man beim Wickeln der Bandagen etwas falsch machen?

Man darf die Bandagen nicht zu fest und straff wickeln. Sonst kann die Durchblutung gestört werden und die Hände werden auf Dauer abgeschnürt. Aber sie dürfen auch nicht zu locker sein, weil sie dann zu wenig Schutz bieten. Außerdem löst sich der Stoff und scheuert. Übung macht den Meister! Wenn man das Anlegen der Bandagen einige Male gemacht hat, hat man schnell die richtigen Windungen, Bindungen und Wicklungen heraus.

Bandagieren als Konzentrationsübung und mentale Vorbereitung

Während dem Binden der Bandagen hat der Boxer ausreichend Zeit, sich geistig auf die Belastung des bevorstehenden Kampfes oder des Trainings einzustellen. Ähnlich wie Skifahrer vor einem Rennen die Piste im Geiste fahren, gehen die Boxer beim Bandagieren mental noch einmal verschiedene Schlagfolgen durch oder sie rufen sich ins Gedächtnis auf welche Besonderheiten sie bei ihrem Gegner achten müssen.

Binden und Wickeln der Boxbandagen als Kunst

Das Bandagieren der Fäuste wird von vielen Boxtrainern förmlich zelebriert und daraus ein großes Geheimnis gemacht. Vor allem in der Profiboxszene wird um jeden Meter Tape und Verband gefeilscht. Viele versprechen sich von einem Mehr an Mull eine höhere Schlagkraft, weil der Boxhandschuh dadurch besser ausgefüllt wird. Oft werden die einzelnen Knöchel zusätzlich mit Tape verstärkt oder unerlaubterweise mit diversen Pasten härter gemacht.

Mit harten Bandagen – Manipulationen beim Bandagieren und Binden

Immer wieder sorgen Manipulationen an Boxhandschuhen und Bandagen für Skandale im Berufsboxen. Bekanntestes Beispiel der jüngsten Boxgeschichte ist der ehemalige Weltergewichtsweltmeister Antonio Margarito, dessen Bandagen bei seinem letzten Weltmeisterschaftskampf mit medizinischen Pads versetzt worden sind. Diese Pads waren zwischen den Bandagelagen mit einer Pulversubstanz gefüllt, die sich verhärten, sobald sie mit Flüssigkeit (Schweiß, Wasser) in Berührung kommen. Zusätzlich fand sich auf den Bandagen selbst eine weiße Paste, die zur Festigung und Verhärtung der Bandagen diente.

Boxbandagen und Tapes für mehr Schlagkraft

Viele Philosophien ranken sich um das richtige Bandagieren mit soviel Mull und Tape wie möglich, um die Schlagwirkung damit zu erhöhen. Manche Trainer und Betreuer haben eine ausgekochte Art, die Boxhandschuhe an den Handgelenken zu befestigen, in dem sie das Tape so weit unter dem Handgelenk zum Daumen wickeln, wie es die offiziellen Kontrolleure erlauben. So wird versucht das Äußerste für den Boxer herauszuholen, weil diese legale Methode das Polstermaterial fester zusammenpresst und damit die Schlagkraft gesteigert wird.

Marco Theuer, Boxjournalist, Sportautor

Marco Theuer - Marco Theuer, Jahrgang 1972, Sportautor und Boxjournalist war selbst jahrelang aktiver Boxer und Leistungssportler. Als Landesmeister und ...

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