Die thailändische Hauptstadt Bangkok auf einen Verkehrsknotenpunkt innerhalb Südostasiens zu reduzieren, könnte sich für den Reisenden im Nachhinein als Fehler herausstellen. Wenige bleiben mehr als zwei oder drei Nächte in dieser Metropole. Besichtigungen der bekanntesten Sehenswürdigkeiten stehen auf dem Programm und dann geht es auch schon weiter. Entweder südwärts in Richtung der thailändischen Strände oder dem Norden entgegen, welcher mit Trekking Touren lockt.

Das Zentrum Thailands

Von den Thais in ihrer Sprache grungtheep bezeichnet, Stadt der Engel, ist sie genau das. Eine Stadt mit einer für den Neuankömmling gigantischen Unübersichtlichkeit. Man muss sie kennenlernen diese Stadt mit dem verdammt langen Namen. Das mit dem langen Namen wäre kurz zu erwähnen sofern das Wort "kurz" hier zutreffend ist. Es ist wohl nicht sinnvoll den Namen der Stadt in Thai niederzuschreiben aber in der deutschen Übersetzung ist er es alle mal wert:

Große Stadt der Engel, erleuchteter Ruheort für erlesene Juwelen. Großes, nie zu eroberndes Land, erhabenes berühmtes Königreich. Königliche und anmutige Hauptstadt, angefüllt mit den neun prächtigsten Edelsteinen, höchster, majestätischer Wohnsitz und großer Palast. Du auserwählte Zuflucht für die wieder geborenen Geister.

Bangkok ist eine offene Stadt. Jeder Thai kann sich hier niederlassen ohne sich bei einer Meldestelle zu registrieren. Viele Zuwanderer aus den ärmeren Regionen des Nordens und Nordosten tragen zu der geschätzten Einwohnerzahl von über zwölf Millionen bei. Wie ein Magnet wirkt diese Metropole nach allen Windrichtungen. So ergibt sich ein pulsierendes und äußerst dynamisches Stadtleben über vierundzwanzig Stunden hinweg. Ohne Einschränkung, hier ist das Zentrum von Thailand. Am Chao Phraya liegend und mit einer Durchschnittstemperatur von um die dreißig Grad Celsius. Bangkok ist eine Stadt die aus dem Schicksal Ayutthayas entstanden ist. Als im Jahre 1767 eben dieses Ayutthaya vollständig zerstört darnieder lag, verlegte General Thaksin die Hauptstadt des Reiches nach Thonburi. Nach einiger Zeit kam es durch den Begründer der noch heute herrschenden Chakri Dynastie, Rama I, zu einer weiteren Verlegung auf das gegenüber liegende Bang Kok. Ursprünglich nur ein Fischerdorf, entwickelte es sich zu der Stadt die wir heute kennen. Thonburi ist nur mehr ein Stadtteil der Metropole.

Viel Interessantes und Neugier Erweckendes kann über die thailändische Hauptstadt berichtet werden. Über große und kleine Tempel, über die Kanäle, die Klongs, die die Stadt durchziehen oder über das pulsierende Nachtleben. Die nächsten Zeilen sollen dem Juwel unter den Wats der Stadt gelten: dem Wat Phra Kaeo.

Wat Phra Kaeo und der grüne Jade Buddha

Der stark frequentierte Haupteingang an der Na Phra Lan Road ist nicht zu übersehen und befindet sich vis-a-vis des Sanaam Luang. Wie in buddhistischen Tempel üblich, hat die Garderobe entsprechend und proper zu sein wie die Thais zu sagen pflegen. Die Not so mancher Touristen hat viele Keiler in die Gegend getrieben die adäquate Kleidung gegen ein kleines Entgelt anbieten. Diesem Angebot folge zu leisten ist allerdings nicht notwendig. Bevor noch der Eintritt zu bezahlen ist besteht die Möglichkeit Schuhe, Schals oder Hemden gratis zu erhalten. Doch dann kann es schon losgehen mit dem Erleben thailändischer Geschichte in einer ihrer prächtigsten Gestalten. Allerdings wenn einer denkt sich im Areal gemütlich niederzulassen um mit der Seele zu baumeln wird er sich täuschen. Dieses Prunkstück wird von touristischen Massen förmlich Tag für Tag überflutet. Ausgenommen wenn Staatsbesuche oder königliche Aktivitäten anstehen. An solchen Tagen bleibt dieses Juwel jeder Stadtrundfahrt geschlossen.

Der Wat Phra Kaeo beherbergt den jadegrünen Emerald Buddha. Eine von den Thais hoch verehrte Statue des Erleuchteten. Diesem Buddha wird die Geschichte zugeschrieben, dass er ursprünglich in Chiang Rai beheimatet gewesen sei und dann über die Verkettung historischer Ereignisse in Vientiane landete. Ende des achtzehnten Jahrhundert wurde Vientiane von der thailändischen Armee erobert und der Jade Buddha nach Thonburi gebracht.

In über zehn Meter Höhe thront dieser Buddha über den Gläubigen. Der Tourist mag zunächst etwas enttäuscht sein von der Größe seiner Gestalt und der Entfernung seines Standortes. Jedoch im Zuge des Innehaltens und der visuellen Erforschung dessen was sich vor einem darstellt, werden die ganze Pracht und auch die Kraft welche auf Buddhisten wirkt bewusst. Flankiert von anderen Buddha Figuren und umgeben von wunderschönen Wandmalereien wirkt diese für das Auge kleine Figur auf die unten Staunenden. Der Wat selbst wird über Treppen betreten wo sich der Besucher seines Schuhwerks entledigen muss. Das Fotografieren ist hier strengstens verboten und wird auch bei Nichteinhaltung mit Strafe belegt. In der Umgebung wachen Tempelwächter, Yaks genannt, über das Gebäude. Große Figuren mit grimmigem Blick welche der Reisende in vielen Tempeln Thailands zu sehen bekommt.

Berühmt ist der goldene Chedi welcher nach dem Vorbild des Wat Phra Si Sanpet in Ayutthaya erbaut wurde. Dieser als Phra Sri Rattana benannte Chedi beinhaltet ein Stück des Brustbeins Buddhas. Bei einem Chedi handelt es sich um ein Bauwerk wo Reliquien aufbewahrt sind. Meist sind diese in Form eines Stupas in Tempelarealen erbaut. Auf dem Weg zur Halle des Jade Buddha begegnet einem Angkor Wat als kleiner netter Modellbau.

Grand Palace, der Durst und der Ausgang

Der Königspalast auf dem Areal geht nach der Betrachtung des Wat Phra Kaeo etwas unter. Dieses im Baustil der italienischen Renaissance unter Rama V. erbaute Bauwerk dient heute vorwiegend für Empfänge von Staatsoberhäuptern oder auch für internationale Treffen auf hohem Niveau. Diese finden dann im Anantasamakhom Thronsaal statt. Die Wachposten und die Getränkebuden in der Nähe haben es den schon müden Touristen hier aber oft mehr angetan als der Rest des Gebäudes.

Quellen:

  • Rainer Krack, Thailand Handbuch, Reise Know How, 2004
  • Ponds, Reisewörterbuch, 2004