
- George sucht spirituellen Beistand - http://www.revolution.co.uk/
Paris im Herbst. Der amerikanische Tourist George Stobbart genießt in einem pittoresken Café seinen Aufenthalt und flirtet mit der hübschen Kellnerin. Als ein Clown das Café betritt, ändern sich Stobbarts Reisepläne schlagartig: Das Gebäude wird von einer heftigen Detonation erschüttert, die der Amerikaner nur knapp überlebt. Einer der Gäste hat nicht soviel Glück, weshalb sich die französische Mordkommission einmischt.
Unversehens wird George in das Abenteuer seines Lebens verwickelt. Gemeinsam mit der eher erfolglosen Journalistin Nicole nimmt er die Fährte einer Verschwörung auf, die die beiden nicht nur durch halb Paris, sondern bis in den Nahen Osten hetzen lässt.
Trotz Comicstils anspruchsvolles Erwachsenenspiel
Auf den ersten Blick mag „Baphomets Fluch“ wie ein extra für Kinder entworfenes Computerspiel wirken: Sämtliche Hintergründe und Figuren sind im Comicstil gezeichnet, auch die Zwischensequenzen laufen wie Zeichentrickfilme ab. Doch schon beim Betrachten des Vorspanns, der den Spieler direkt in das Abenteuer hineinwirft, wird rasch klar, wer das Zielpublikum ist: Rätselsüchtige Erwachsene.
Denn zimperlich geht es in der Welt von „Baphomets Fluch“ nicht zu: Morde und Explosionen werden in den Spielverlauf integriert, und an einigen Stellen läuft die Hauptfigur George Stobbart Gefahr, getötet zu werden.
Spannende Geschichtsstunden
Was in der Schule meist trocken vorgetragen wurde, wird hier mit viel Sinn für Humor spannend und sinnvoll in die Handlung eingewoben: Historische Fakten. Was es mit den Tempelrittern, ihrem Aufstieg wie auch ihrem Fall auf sich hatte, wird dem Spieler auf unaufdringliche Weise vermittelt.
Der englische Originaltitel „Broken Sword: The Shadow of the Templars“ trifft den Kern des Plots besser als die etwa plumpe deutsche Übersetzung „Baphomets Fluch“. Zwar dreht sich die Handlung tatsächlich um die drohende Beschwörung des von den Templern angeblich verehrten Dämons Baphomet, doch von einem Fluch ist an keiner Stelle die Rede. Vielmehr spielt tatsächlich ein Schwert eine tragende Rolle.
Filmreifer Soundtrack
Was neben der spannenden, originellen Handlung und der hübschen Grafik herausragt, ist die musikalische Untermalung. Die vom London Metropolitan Orchestra eingespielten Stücke fügen sich perfekt in die jeweilige Stimmung am Bildschirm – heiter oder düster – ein und tragen ihren Teil zur Schaffung einer heimeligen Atmosphäre bei. Obwohl die Musikstücke oftmals wiederholt werden, fallen sie niemals auf die Nerven.
Sympathisch auf den ersten Klick
„Baphomets Fluch“ ist der seltene Glücksfall eines Computerspiels, das alle Vorzüge des Mediums perfekt vereint: Stimmige Grafik, origineller Plot, Spielspaß über viele Stunden, subtile musikalische Untermalung und eine denkbar einfache Steuerung. Diese Steuerung, auch als „point and click“ bekannt, macht das mühsame Auswendiglernen von Tastaturkürzeln überflüssig: Sobald es etwas zu entdecken, kombinieren oder erforschen gibt, verwandelt sich der Cursor in ein selbsterklärendes Symbol. Und zu entdecken gibt es genug: Dutzende Schauplätze wollen erkundet, viele zwielichtige, hilfreiche oder ganz einfach skurrile Figuren zu allen möglichen Themen befragt werden.
Kein Wunder, dass viele Fans dieser inzwischen auf vier Teile angewachsenen Kultreihe immer wieder einmal Lust verspüren, gemeinsam mit George und Nico eine gefährliche Verschwörung aufzudecken. Die lockeren, mitunter sarkastischen Sprüche des Amerikaners verziehen auch bei der x-ten Wiederholung die Mundwinkel nach oben und vertreiben schlechte Laune rasch und zuverlässig.
Mit „Baphomets Fluch“ hat der britische Spieleentwickler Revolution Software ein wahres Juwel im Adventuregame-Genre geschaffen, das hoffentlich noch die eine oder andere Fortsetzung finden und für Spiel- und Knobelspaß sorgen wird.
