
- Die Air Force One landete am 27.05. in Warschau - Sven Herrmann / pixelio.de
Bevor die weiß-blaue Air Force One mit dem Schriftzug United States of America in Warschau am Freitag, den 27.05., landete, spekulierte die polnische Presse, wieso sich Barack Obama für den Besuch in Polen entschieden hat. Der willkommene Gast („Gast im Haus…“ lautete die Schlagzeile von „Gazeta Wyborcza“. Das alte polnische Sprichwort endet folglich: „...Gott im Haus“) versetzte die Hauptstadt von Polen auch medial in einen Ausnahmezustand. Einige vermuteten, dass Obama einen Bogen um Deutschland machte, weil sich dort „eine geheimnisvolle Magen-Darm-Krankheit“ verbreitete. Andere glaubten, dass der richtige Grund in der berühmten polnischen Begabung, richtig zu feiern, lag. Für viele war es klar: Dahinter steckte der polnische Schiefergas, von der US-Energieagentur EIA auf 5,3 Billionen Kubikmeter geschätzt. Insgesamt erwartete man konkrete Entscheidungen in verschiedenen Bereichen.
Über die Herkunft und den Lebenslauf von Barack Obama
Die polnischen Medien stellten mit Akribie den amerikanischen Präsidenten vor: Seine afrikanische Wurzeln, seine Eltern, sein Leben und illustrierten die Informationen mit unzähligen Fotos, darunter einige aus seiner Kindheit. Sie schöpften dabei reichlich aus zwei in Amerika erschienen Büchern von Janny Scott und Peter Firstbrook. Die polnischen Journalisten widmeten dem abwechslungsreichen und skandalösen Leben seines Vaters viel Platz, Barack Obama Senior, der seiner amerikanischen schwangeren Braut die Ehefrau in Kenia zu erwähnen vergaß, und der seinen Sohn Barack Hussein nur einmal 1971 gesehen hat. Über Ann Dunham, die aus Kansas stammende Mutter, konnte man nachlesen, dass sie mit 17 schwanger wurde und dass sie einen Afrikaner in den Zeiten heiratete, als in den 24 amerikanischen Bundesstaaten „Mischehen“ noch verboten wurden. Sieben Jahren später ehelichte sie einen Indonesier, den sie während des Anthropologie-Studiums kennen lernte. Sie konnte nicht ahnen, was aus ihrem Jungen wird, als sie mit 52 starb. „Kein Präsident der USA hatte vergleichbare Erfahrungen gesammelt oder eine ähnliche Erziehung bekommen“, bemerkte „Gazeta Wyborcza“.
Der erste Tag des Besuchs von Obama
Gleich nach der Ankunft legte Obama Kränze am Denkmal für den Unbekannten Soldaten und am Mahnmal der Opfer vom Warschauer Ghetto. Dann eilte er zum Präsidentenpalast, wo sich die Chefs der 20 Staaten des Mittel- und Osteuropas nach der Tagung zum Arbeitsessen trafen. Der Präsident Komorowski wies auf die symbolische Bedeutung dieses Ortes hin: Dort entstand der Warschauer Pakt, der die Welt und das Europa tief aufteilte. Viele Jahre später zementierte man am gleichen Platz den Zerfall des kommunistischen Systems in Polen, als sich im Jahre 1989 Solidarnosc und damalige Machthaber am Runden Tisch setzten und den Weg zur Demokratie ermöglichten.
Erinnerung, Lob und allgemeine Aussichten
Am Samstag traf Obama führende polnische Politiker und Vertreter verschiedenen Organisationen, führte Gespräche mit dem Ministerpräsidenten Donald Tusk und frühstückte mit ihm. Vor der Smolensk-Tafel gedachte er der Opfer der Tragödie vom 10. April 2010. Zum Schluss gab er zusammen mit Präsidenten Komorowski eine Pressekonferenz. Obama betonte, dass USA am starken und vereinten Europa interessiert seien und dass die Mitgliedschaft in NATO diese Prozesse noch unterstütze. Er lobte den polnischen Weg zur Demokratie als eine Modellösung für andere Länder und erinnerte an Solidarnosc, deren Anführer eine friedliche Revolution angestoßen haben, die das kommunistische Regime besiegte. Obama beteuerte, dass er an den engeren wirtschaftlichen Verbindungen zwischen den beiden Staaten interessiert sei, und erwähnte einige interessanten Ideen von Präsidenten Komorowski. Im Herbst solle sich damit ein amerikanisch-polnischer Runder Tisch beschäftigen. Gleichzeitig versprach er, sich mit dem für die Polen ärgerlichen Thema „Einreise in die USA ohne Visum“ zu befassen. „Wir arbeiten schon daran“, versicherte Obama. Im Gedenkbuch schrieb der amerikanische Präsident rein: „Möge die Freundschaft zwischen unseren Völkern noch stärker sein“.
Quelle: Online Ausgaben der polnischen Zeitungen, besonders von „Gazeta Wyborcza“.
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