Barbara Eligmann. Wegen ihrer Sendung „Explosiv“ stand sie einst im Ruf, kühl und distanziert zu sein. Nach der Geburt ihres Sohnes Clemens zeigte sie, wie falsch diese Einschätzung war. Nach ihrem zweiten Baby, ihrer Tochter Letizia, hat sie 2002 zusammen Alexa Iwan ihr erstes Buch geschrieben: „Die Knirpsküche“. Mit Wigald Boning feiert sie in der Sendung clever! auch wieder auf dem Bildschirm Erfolge.
Was ist das genau für ein Buch?
„Knirpsküche ist ein Lese- und Vorlesebuch, ein Koch- und Sachbuch in einem. Sowohl ernährungswissenschaftliche Fakten – was meine Freundin und Kollegin Alexa Iwan studiert hat – als auch mütterliche Ratschläge, Rezepte, Ideen, Zeichnungen und Verse finden sich darin. Ein Wohlfühlbuch für die ganze Familie eigentlich ...“
Wie kamen Sie konkret auf die Idee, gemeinsam ein Buch zu schreiben?
„Wir hatten einfach festgestellt, wie viele Eltern Probleme mit der Ernährung ihrer Kinder haben. Die hatten wir beide nicht, und so gingen wir mit dem Ziel an die Sache zu zeigen, dass Essen Spaß machen kann, gemeinsames Kochen verbindet, Phantasie lockert und die Kinder das Essen als Genuss und nicht als Strafe oder Pflicht ansehen sollten.“
Wie setzen Sie das bei Ihrer eigenen Familie um – was gibt es bei Ihnen zu essen?
„Mittags kommt bei uns Gemüse auf den Tisch. Kartoffeln und Möhren, Kartoffeln, Brokkoli, Kohlrabi oder was der Markt im ökologischen Anbau so alles hergibt. Dazu Dienstags und Freitags frischen Seefisch, ganz wichtig wegen Jod, einmal ist Würstchentag, einmal gibt es Kalbfleisch dazu oder Geflügel und einmal ein gebratenes Ei.“
Also immer Gemüse und gesund?
„Nein, denn wenn die Kinder dazu dann noch Obst zwischendurch essen, sind wir vitaminmäßig schon mal auf der sicheren Seite. Abends geht es dann meist italienisch zu. Pastavariationen, Pizza mögen wir gern, aber auch selbstgemachte Hamburger. Also kein Unterschied zu anderen Familien, nur achten wir bei den Burgern darauf, dass das Hackfleisch mager ist, die weichen Brötchen aus Vollkorn und der Rest vom Biomarkt ...“
Und die Kinder helfen Ihnen dabei?
„Klar. Schon kleine Kinder haben großen Spaß daran, in der Küche zu „helfen“. Kartoffeln abwaschen, den Tisch decken – nur Mut, Clemens macht das seitdem er sicher laufen kann. Oder mit dem Sparschäler Zucchini oder Möhren in dünne Scheiben schneiden ...“
Und anschließend renovieren Sie oder verarzten Kinderhände?
„Wenn ein Erwachsener daneben steht, dürfen auch die Kleinen schon einen Pürierstab halten und aus einem weichen Pfirsich leckere Eis-Sauce machen. Das ist alles gar nicht schlimm, und Verletzungen gab es bisher gar nicht. Auch Backen macht gemeinsam viel mehr Spaß. Dabei haben sich Muffins bewährt. Da hat Clemens mir ganz früh geholfen: Erst alle trockenen Zutaten in einer Schüssel verrühren, dann alles feuchten, beides mit einem Löffel vermischen, in Förmchen füllen, backen, fertig. So etwas macht die Kleinen superstolz, gibt ihnen Selbstbewusstsein, die Mutter hat sie in der Küche „unter Kontrolle“, und was Kinder selbst gekocht oder gebacken haben, das essen sie erfahrungsgemäß. Tun sie ja auch bisweilen, wenn sie in der Sandkiste Kuchen backen ...“
Wie war das bei Ihnen, in Ihrer Kindheit?
„Ich als Kind war, glaube ich, eine ganz normale Esserin. Keinen Spinat, auch nicht mit Blubb. Möglichst mageres Fleisch, Nudeln lieber als Kartoffeln. Meine Mutter hat immer frisch gekocht, daran erinnere mich, es gab höchsten mal Ravioli aus der Dose, aber welche Hausfrau macht die schon selbst.“
Durften Sie mithelfen?
„Mit Zwölf habe ich die Dinge an mich gezogen, zumindest war ich so alt, als ich mir mein erstes Kochbuch zugelegt habe. Ich durfte allein entscheiden, was ich kochen wollte und habe die Familie mit ungarischem Gulasch versorgt, von dem keiner irgendeinen Schaden genommen hat. Meine Mutter hat mich machen lassen. Vielleicht dachte sie, das kommt von den Genen meiner Oma – die war nämlich ganz früher Köchin.“
Wann kann man damit anfangen, Kinder mit einzubeziehen?
„Erst einmal ist es wichtig, sie überhaupt mit einzubeziehen, wie ich finde. Das Alter ist dabei egal – nur wann die Lust daran aufhört, weiß ich noch nicht ... Bestenfalls nie, denn dann haben die Heranwachsenden Spaß an der lustvollen Angelegenheit Kochen und können später mehr als nur ein Ei braten.“
Was ist das Wichtigste, um mit Kindern zu kochen?
„Als aller erstes braucht man Geduld – aber es dauert nur unwesentlich länger, als würde man es allein tun. Schließlich verbringt man wertvolle Zeit miteinander, man kann erzählen und genießen. Der Satz ‚Das kannst Du noch nicht’ sollte besser nicht fallen, dann macht es dem Kind keinen Spaß mehr. Lieber sollte man Aufgaben verteilen oder, wenn das Kind auch mal Schwieriges machen will, assistieren. Ach ja – in jeder Knirpsküche sollte ein Schnellkochtopf und ein Pürierstab vorhanden sein, beides erleichtert die Arbeit ungemein.“
Ihr Buch ist aber nicht nur ein Rezeptbuch...
„Das gemeinsame Kochen ist nur ein Weg, um den Kinder Lust am Essen zu bereiten. Im Buch finden sich auch kleine Geschichten, Reime und witzige Zeichnungen. Deshalb ist es auch mehr als ein Kochbuch. Es soll Eltern darüber informieren, was warum gesund ist, ihnen Tipps an die Hand geben, wie man die gesunde Speise dem Kind schmackhaft macht. Das geht über das Auswählen eines Rezepts zum gemeinsamen Einkauf, Kochen und anschließenden Gaumenschmaus.“
War das Buch für Sie auch Genuss?
„Und ob! Ich stelle mit Spannung fest: Ich kann auch was anderes machen! Ich sitze an Konzepten, kann kreativ sein und sehen, dass ich nicht auf die Moderation von gewissen Formaten festgelegt bin, sondern auch andere Dinge kann.“
Wie haben Sie diese Arbeit zeitlich in den Griff bekommen?
„Um die Zeit dafür zu haben, machte ich Kompromisse, griff auf die Großeltern, das Aupairmädchen zurück. Dabei habe ich gelernt zuzulassen. Einfach manches auf sich zukommen zu lassen, zu sehen, was wird. Es kommt von allein und es ist gut, wie es kommt.“
Barbara Eligmann und Alexa Iwan: Knirpsküche. Wunderlich 2002. Gebundene Ausgabe, 192 Seiten. ISBN-10: 3805207336.
