Barbara Krohn – Die achte Todsünde

Kriminalroman um Selbstjustiz und Blutrache in Neapel

Die achte Todsünde - Goldmann
Die achte Todsünde - Goldmann
Nach "Die Toten von Santa Lucia" und "Was im Dunkeln bleibt" ist "Die achte Todsünde" der dritte Kriminalroman um das Ermittlerpaar Sonja Zorn und Commissario Gentilini.

"Die achte Todsünde“ von Barbara Krohn ist bereits der dritte Band, in dessen Mittelpunkt die Journalistin Sonja Zorn steht, die der Liebe wegen zum neapolitanischen Commissario Gennaro Gentilini nach Neapel zieht. Er ermittelt gerade in zwei verzwickten Mordfällen: Zwei Männer wurden erschossen, nachdem sie aus monatelanger Haft entlassen wurden. Sie und noch zwei weitere hatten im Hinterzimmer einer Videothek Kinder missbraucht.

Doch anstatt dass den Müttern und Familien der Opfer geholfen wird, werden sie von ihrem Umfeld gemobbt. Einige der Mütter fliehen aus der Stadt. Nur Catarina Catalano, die Mutter des kleinen Nino, lässt sich nicht einschüchtern, obwohl sie bedroht und ihr Laden niedergebrannt wird. Unterstützt wird sie schließlich von Sonja Zorn. Sie ist keine Touristin mehr, aber sie gehört auch noch nicht dazu. Wieder einmal lässt sich Sonja von ihrer inneren Überzeugung und ihrem Mitgefühl leiten und befindet sich plötzlich inmitten des Verbrechens. Ihrem Commissario Gentilini erzählt sie zunächst nichts davon.

Blutrache hat in Neapel Tradition

Rache ist süß, aber man verdirbt sich leicht den Magen daran. In "Die achte Todsünde“ nähert sich die deutsche Kriminalromanautorin Barbara Krohn einfühlsam den heiklen Themen Selbstjustiz und Blutrache an, ohne jemals trivial zu werden. Gespräche, Zwischenbemerkungen in italienischer Sprache und atmosphärische Ortsbeschreibungen: Bei der Lektüre des Buches schlendert der Leser durch Neapel, erlebt berühmte Orte, spürt das Lebensgefühl der faszinierenden Stadt, in der es aber auch viele Verbrechen, eine machtlose Justiz und die immerpräsente Camorra gibt. Neapel ist eine eigenwillige Stadt, in der es immer schon Überlebensstrategie war, es mit den Stärkeren zu halten. Krohn, die in den 1980ern mehrere Jahre in Neapel lebte und an der Universität Literatur, Landeskunde und Sprache unterrichtete, weiß genau, wovon sie schreibt. Noch heute versorgen sie gute Freunde mit Informationen: "Wenn ich nach Neapel fahre, beobachte ich viel, höre mir tausend Geschichten an.“

"Die achte Todsünde“ hat einen realen Hintergrund

"Vor Jahren spielte sich in einem Vorort Neapels ein ähnlicher Kindsmissbrauch ab, nur noch schlimmer. Eine der Mütter, die das Verbrechen zur Anzeige brachten, wurde nicht nur gemobbt, sondern brutal an der Haustür abgeknallt“, erzählt Barbara Krohn vom Auslöser für ihren Roman. In dem sie Caterina, die betroffene Mutter, nicht über die Klinge springen lassen wollte. "Ein bisschen Utopie brauchen wir, wenigstens in der Literatur.“ Wichtig war ihr, die Perspektive der Opfer darzustellen, ohne ausweidend zu erzählen, was mit ihnen passiert ist, wichtig war ihr die Verdrehung der Moral: Die Opfer sind doppelt und dreifach Opfer, die Kriminalpolizei muss die Mörder der Täter verfolgen, wer Kindsmissbrauch anzeigt, wird verfolgt. "In Neapel passiert tagtäglich so viel, dass manche Verbrechen gar nicht ins Gewicht fallen. Die Gefängnisse sind voll, die Gerichte überlastet, die Neapolitaner haben mit ganz anderen Sorgen zu kämpfen.“

Wie viel Barbara Krohn steckt in der Protagonistin Sonja Zorn?

"Was Sonjas Beobachtungen und Wahrnehmungen von Neapel angeht, steckt natürlich ein Teil von mir in ihr. Aber Sonja ist mutiger, waghalsiger als ich. Was Sonja mit Gentilini erlebt, ist komplett erfunden. Auch ihre Begegnungen mit Leuten, die Geschichte mit ihrer Tochter im ersten Band. Vielleicht ist Sonja eine literarische Figur als Wunsch-Ich, weil wir nur ein Leben haben und nicht alle Möglichkeiten und Wege in uns ausleben können …“, sinniert Barbara Krohn, die mit ihrer Familie in Regensburg lebt. Ihre ersten beiden Spannungsromane "Der Tote unter der Piazza“ und "Weg vom Fenster“ wurden für den renommierten Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Ihr dritter Kriminalroman "Rosas Rückkehr“ wurde fürs ZDF verfilmt. Nach "Die Toten von Santa Lucia“ und "Was im Dunkeln bleibt“, ist "Die achte Todsünde“ der dritte Roman um das Ermittlerpaar Sonja Zorn und Commissario Gentilini. Der nächste Fall ist bereits in Arbeit.

Barbara Krohn: Die achte Todsünde. Goldmann 2008. Broschiert, 317 Seiten. Euro 7,95.

Barbara Krohn: Was im Dunkeln bleibt. Goldmann 2007. Broschiert, 356 Seiten. Euro 7,95.

Barbara Krohn: Die Toten von Santa Lucia. Goldmann 2006. Broschiert, 287 Seiten. Euro 7,95.

Ilona Mayer-Zach, Sabine Windsor

Ilona Mayer-Zach - Geboren in Graz, Wahlwienerin. Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften; Medienkundlicher ...

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