Mit ihrem differenzierten Spiel lieh Barbara Sukowa komplexen historischen wie literarischen Frauenfiguren im Film und auf dem Theater ihr Gesicht. Die Biografie der heute 60-Jährigen Charakterdarstellerin liest sich wie eine Verdichtung der jüngeren deutschen Theater- und Filmgeschichte.
Die Theaterkarriere der jungen Sukowa
Ihre Schauspielausbildung absolvierte die gebürtige Bremerin an der Max-Reinhardt-Schule in Berlin. Schnell erkannte man das Potential der jungen Schauspielerin und so gelangte Barbara Sukowa ohne große Umwege ins Zentrum des deutschen Theatergeschehens. Über erste Rollen an der Schaubühne am Halleschen Ufer gelang sie zu Engagements in Frankfurt am Main und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, wo sie unter anderem mit Luc Bondy zusammenarbeitete. Für ihre Interpretation der Hilde Wangel in Peter Zadeks Inszenierung von "Baumeister Solness" am Residenztheater München wurde sie 1983 von Theater heute zur Schauspielerin des Jahres gekürt.
Rainer Werner Fassbinder und Margarethe von Trotta
Der Startschuss zu Sukowas Filmkarriere fiel 1980 als Rainer Werner Fassbinder sie in seiner epischen Fernsehadaption von Döblins "Berlin Alexanderplatz" die naive und sehnsuchtsvolle Prostituierte Mieze spielen ließ. Gleich im Anschluss spielte sie noch einmal für Fassbinder: in "Lola" zitierte sie in der Titelrolle Marlene Dietrichs Figur aus dem "Blauen Engel" und erhielt für ihre Leistung zum ersten Mal das Deutsche Filmband in Gold als Beste Darstellerin. Anfang der 80er begann außerdem Sukowas intensive Zusammenarbeit mit Margarethe von Trotta, die sich bis ins neue Jahrtausend fortsetzen sollte. In Trottas filmischer Annäherung an die Geschichte von Gudrun Ensslin "Die bleierne Zeit" spielte sie die radikale Marianne. Für ihre Darstellung der Rosa Luxemburg im gleichnamigen Film von Margarethe von Trotta wurde Sukowa 1986 in Cannes mit der goldenen Palme ausgezeichnet und damit zu einer Ikone des politischen Films.
Volker Schlöndorff, Lars von Trier und Hans Steinbichler
Anfang der 90er Jahre arbeitete sie mit dem Begründer des Dogma-Films Lars von Trier zusammen. In dieser Zeit stand sie außerdem bei Volker Schlöndorffs Verfilmung von "Homo Faber" vor der Kamera. Auf dem Zenit ihrer Karriere in Europa ging Barbara Sukowa in die USA und probierte das amerikanische Kino aus, was ihr bis heute immer noch nicht so imponieren konnte wie das deutsche. Anfang des neuen Jahrtausends tauchte sie wieder in deutschen Produktionen auf. Neben einer weiteren Zusammenarbeit mit Margarethe von Trotta entdeckte sie auch die neue Generation von Filmmachern in Gestalt von Hans Steinbichler, der sie 2003 für sein filmisches Kammerspiel "Hierankl" gewinnen konnte.
Barbara Sukowa als Sängerin
Nachdem sie 2008 in der Uwe Timm Verfilmung "Die Entdeckung der Currywurst" zu sehen war, gab sie 2009 für Margarethe von Trotta die Hildegard von Bingen und wurde dafür jüngst mit dem bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.
Neben der Schauspielerei hat Barbara Sukowa eine große Leidenschaft für den Gesang. Auf klassischen Konzerten gibt sie am liebsten Stücke von Schubert und Schumann zum besten. Mit ihrem dritten Ehemann Robert Longo musiziert sie zudem in einer eigenen Rockband.
Berlinale 2010: Jury von Amnesty International
Auf der 60. Berlinale sitzt sie neben Dokumentarfilmer Pagonis Pagonakis und der Menschenrechtlerin Chloe Baird-Murray in der Jury von Amnesty International.
Barbara Sukowa und ihre deutsche Identität
Barbara Sukowa lebt mit ihrem Ehemann seit den 90er Jahren in New York, ist aber noch immer deutsche Staatsbürgerin. Wäre auch schade, wenn sich eine Ikone des deutschen Films nach 60 Jahren beispiellosen Schaffens mit einem Mal Amerika zuschreiben würde.
