
- Wer auf der Santa Eulalia mitsegeln will, sollte Mitglied im Meeresmuseum werden - dann ist der Trip umsonst. - Louis Max Blank
Die Katalanen waren und sind großartige Seefahrer. Von Barcelona aus stachen die Schiffe in See und eroberten Kulturen rund ums Mittelmeer – Mallorca, die Provence und Teile Italiens gehörten den Katalanen. Deshalb wird auch heute noch auf Sardinien ein katalanischer Dialekt gesprochen.
So verwundert es nicht, dass zur Dokumentation der glorreichen Vergangenheit in der katalanischen Hauptstadt auch ein herrschaftliches Seefahrtsmuseum eingerichtet wurde.
Das Maritim-Museum von Barcelona (MMB) ist nicht nur architektonisch ein Schmuckstück, sondern auch in seinem Inneren eine echte Schatztruhe. Wer ein Romantiker des Meeres und der Schifffahrt ist, wird im Museu Marítim eine Heimat finden, die man schon verloren glaubte. Zudem steht das Haus mitten im historischen Zentrum Barcelonas - nur eine Viertel Seemeile vom Alten Hafen, Port Vell, entfernt. Hier liegt zugleich das hauseigene Segelschiff, der Schoner Santa Eulàlia, an der Mole Moll de la Fusta vor Anker.
Mitsegeln auf historischem Segelschiff Santa Eulàlia vor Barcelona
Das Museumsschiff kann für einen Euro täglich besucht werden, wenn es nicht gerade eine kleine Runde vor Barcelona dreht. Denn die Santa Eulàlia von 1919 ist kein totes Ausstellungsschiff, sondern noch immer seetüchtig. Wer es schafft, sich rechtzeitig anzumelden, darf sich an Bord des alten Handelsschiffes wie ein Seemann fühlen und einen Tagestörn unternehmen. Die Gäste müssen mit anfassen, Leinen holen, Seemannsknoten knoten, Segel reffen und das Deck schrubben.
Historische Werfthallen werden restauriert
Im Museum selbst, dessen historische Werfthallen Drassanes Reials de Barcelona aus dem Jahr 1300 gerade restauriert werden, erfährt man alles über das Mittelmeer und die wohl ältesten Seefahrerkulturen der mediterranen Zivilisation. Die gotischen Mauern der Drassanes stehen seit 1976 unter Denkmalschutz – die katalanische Regierung erhält das mittelalterliche Gebäude für die Nachwelt. 16 Millionen Euro wird die Restaurierung kosten – 2013 soll das Gebäude wieder fertig sein. Dann kehren wieder die alten Schiffe in die ursprünglichen Werfthallen zurück. Bis dahin ist die ständige Ausstellung geschlossen und es laufen nur Sonderausstellungen. Dafür sind diese temporären Ausstellungen und der gleichzeitige Besuch auf dem Museumsschiff derzeit kostenlos.
Spanisches Flaggschiff aus dem Türkenkrieg
Die wohl aufregendsten Museumsstücke, die derzeit eingemottet im Museumsarchiv stehen, sind die historischen Schiffe. Darunter befindet sich der Nachbau eines Flaggschiffes aus dem 16. Jahrhundert. Das 60 Meter lange königliche Ruderboot, die Galeere Real, wurde vom Admiral der spanischen Flotte Don Juan de Austria während der Seeschlacht von Lepanto 1571 im Krieg gegen die Türkische Armada eingesetzt. Die Holzgaleere wurde von 290 Ruderern bewegt und hatte noch zusätzlich 400 Seeleute und Soldaten an Bord. Entschieden wurde der Kampf gegen die Türken an Bord der Schiffe – ein blutiges Gemetzel, dass die christlichen Mittelmeerländer schließlich gegen das osmanische Reich gewannen. Es sind noch andere Boote verschiedener Klassen im Museum zu sehen - die Ausstellungsstücke reichen vom einfachen Fischerkahn der Costa Brava, über moderne Rennboote bis hin zu einem hölzernen U-Boot, das vor dem Museum steht und auch an den Schließtagen besichtigt werden kann.
In Barcelona die Seefahrtkunst erlernen
Trotz der Renovierungsarbeiten gibt es heute mehr als genug im Museum zu sehen und vor allem zu tun. Denn im MMB werden zahlreiche, hochklassige Kurse angeboten, an denen Segler und Bootsfreunde teilnehmen können. Das Programm für den Herbst (September bis Dezember 2011) enthält Wochenendkurse wie Astronomie für Seefahrer oder Workshops zum Navigieren mit historischen Instrumenten.
Einen Quadranten selbst bauen und navigieren lernen
Am 26. November 2011 können Interessierte beispielsweise in einem Kurs den Bau eines Quadranten erlernen. Schon die Griechen verwendeten den Winkelmesser und segelten damit erfolgreich über das Mittelmeer. Ein Quadrant ist ein ebenso einfaches, wie wirkungsvolles Instrument zum Orientieren auf hoher See. Ohne diesen Winkelmesser aus Holz und die Sterne zur Orientierung hätten es die europäischen Eroberer wohl später niemals bis nach Amerika geschafft. Im Workshop wird ein Quadrant aus Holz gefertigt und damit Höhen gemessen, wie die Columbussäule, die vor dem Museum mit Blick aufs Meer steht. Für den Kurs muss man sich allerdings vorher bis zum 24. November 2011 anmelden. Die Kursgebühr kostet nur 6 Euro.
Freund des Meeres werden und umsonst um Barcelona segeln
Wer Mitglied der „Freunde des Meeres“, auf katalanisch XAM (Xarxa d'Amics de la Mar) wird, kommt in den Genuss zahlreicher kostenloser Kurse und Segeltörns wie mit dem Museumsschiff Eulalia. Die XAM ist eine museumseigene Organisation, bei der man für wenig Geld regelmäßig wertvolles Wissen über die Seefahrtkunst erlernen kann. Der Jahresbeitrag kostet 30 Euro. Wer als Freiwilliger die XAM und damit das Museum unterstützt, muss keinen Beitrag zahlen.
Außerdem bietet das Museum an Wochenenden lustige Aktivitäten für die ganze Familie an, wie die Aktion „Agafa la maleta“ (spanisch) – eine Art Schnitzeljagd in Expeditionsform, bei der spielerisch man durch die Weltmeere navigieren muss. Die Expeditionen laufen immer Sonntags ab 12:30 bis zum 18. 12. 2011. Zudem hat das Museum noch eine Bibliothek mit freiem W-Lan und eine täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnete schöne Cafeteria zu bieten, wo sich auch der Museumsladen befindet.
Wo ist das Museu Maritim in Barcelona zu finden:
Gleich gegenüber der Columbussäule, abseits der Rambla auf dem Weg zum Alten Hafen.
Av. de les Drassanes s/n,
08001 Barcelona
Tel 933 429 920
Fax 933 187 876
Öffnungszeiten:
Montag bis Sonntag von 10 bis 20 Uhr. Sonntags ab 15 Uhr ist der Eintritt frei.
Quelle:
Webseite Museu Marítim de Barcelona (spanisch)
