"Ich war in Rom, in Petersburg, in Hermsdorf ...". Das soll Wilhelm von Kügelgen im November 1844 in einem Brief geschrieben haben. Diesen Rang verdanken Schloss und Park Hermsdorf nahe der sächsischen Stadt Ottendorf-Okrilla dem Umstand, dass der bekannte Kunstmaler von 1830 bis 1833 mit seiner Familie das Kavaliershaus der mehr als 550-jährigen Schlossanlage bewohnte.
Zigeunermusik und Goldberg-Variationen
In heutiger Zeit macht sich der barocke Festsaal in Hermsdorf als ungewöhnliche Konzertstätte einen Namen. Seit ein paar Jahren stellt die Hermsdorfer Schlosspark-Gesellschaft ein Kulturprogramm zur Diskussion, das immer wieder unerwartete Höhepunkte bereithält. Im Januar 2010 gastierte Kammersängerin Barbara Hoene (Staatsoper Dresden) mit der Gruppe arco belcando. Diesem Konzert folgte im Februar Zigeunermusik aus Operetten und Musicals mit Anna Piontkowski und Tanja Höft (Staatsoperette Dresden). Dieter Bellmann las, nun ja, im März 2010 einige Texte Ephraim Kishons, der in der Nachbarschaft beheimatete Männerchor Cunnersdorf 1894 gastiert im Oktober 2010 unter der Leitung von Liedermeister Joachim Reppe, und im November 2010 wird Franns Promnitz von Promnitzau das Konzertjahr mit den Goldberg-Variationen beschließen.
Albinoni, Bach und Telemann beim Osterkonzert 2010
Am Karfreitag waren gut 120 Zuhörer im vollbesetzten Musiksaal des Schlosses Hermsdorf bei dem unbestrittenen Höhepunkt der diesjährigen Saison dabei. Joachim Schäfer (Piccolotrompete), Kirchenmusikdirektor Matthias Eisenberg (Cembalo), Judit Izsak (Cembalo) sowie Hiroko Tamura (Fagott, Kontrafagott) boten ein herausragendes Osterkonzert mit Werken von Tomaso Albinoni, Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann. Alle vier Musiker nutzten die beste Gelegenheit, sich im solistischen Zusammenspiel auszuzeichnen; Eisenberg steigerte die musikalische Spannung noch, als er seine Cembalopartnerin Izsak grimmig und recht rücksichtslos zu einer Wiederholung bei Bach zwang. Bestens zu gefallen in allen Passagen wusste die wundervolle Fagottistin Tamura, in Japan geboren sowie seit dem vergangenen Jahr Mitwirkende beim Schleswig-Holsteinischen Landestheater und Sinfonieorchester Flensburg.
Sehr zu danken ist den Organisatoren um Frank Holata, den Vorsitzenden der Schlosspark-Gesellschaft, dass sie keine fünfzig Kilometer vor Dresden eine derart unverwechselbare, bodenständige Konzertatmosphäre geschaffen haben. Joachim Schäfer, unverkennbar der musikalische Inspirator, und Matthias Eisenberg traten hier bereits zum 15. Mal gemeinsam auf. Beide Künstler sind gebürtige Dresdner und geben dem Hermsdorfer Schloss mit seinem ganzjährigen Konzertprogramm frischen Glanz.
Mittelalterfest und Weihnachtsmarkt im Schloss
Ebenso erwarten die Besucher der Schlossanlage mit einem weitläufigen, urwüchsigen Park ein Mittelalterliches Spektakel und die Wikingerfestspiele zu Pfingsten, das 60. Hermsdorfer Parkfest vom 4. bis 6. Juni 2010, ein Großes Sommerkonzert mit dem Orchester und Solisten der Landesbühnen Sachsen und sodann der Weihnachtsmarkt im Schloss am 1. Adventswochenende 2010.
Das Schloss Hermsdorf wurde in der Mitte des 15. Jahrhunderts von Otto von Carlowitz gegründet und befand sich die folgenden 125 Jahre im Familienbesitz. Zwei Mal brannte die gesamte Anlage später nieder, und wohl ein halbes Dutzend Mal wechselte das Schloss im Laufe der Jahrhunderte den Besitzer. Die heutige Schlosspark-Gesellschaft profitiert von einer gründlichen Restaurierung des Bauwerkes 1988 und kann seit 1991 staatliche Fördermittel für das schrittweise Sanieren von Schloss und Park in Anspruch nehmen.
