
- Span. Vorführung durch Oliver Jubin - Oliver Jubin
"Der Trend geht allgemein in Deutschland weg in der Breite vom Turniersport zur schönen Freizeitreiterei." Roland Marx muss es wissen. Der ursprünglich gelernte Landwirt aus Ankum mit Vorfahren aus Ostpreußen, erwarb sich schnell einen internationalen Ruf als begnadeter „Horseman“. In jungen Jahren Springreiter auf S-Turnieren in ganz Deutschland, kaufte er sich nach seiner Sportkarriere bei Osnabrück einen großen Reiterhof, züchtet und handelt mit Pferden. Immer wieder werden seine Hengste mit Höchstpunktzahlen gekört. Richtig berühmt aber auch beim Laien und durch alle Pferde- und Familiengazetten geisterte Roland Marx mit seinem Super-Welsch-Araber-Hengst „Silverado“, dem Hauptdarsteller der Jugend-Filmserie „Alina“, die regelmäßig in der ARD wiederholt wird.
Das Spanische Pferd findet immer mehr Fans in Deutschland
Seit zehn Jahren besucht Marx regelmäßig Freunde an der Costa del Sol, anfangs, „weil ich mich überzeugen wollte, ob es nicht nur meinen Freunden, sondern auch den Pferden, die sie von mir hatten und von Norddeutschland nach Andalusien mit umzogen, gut geht! Durch sie lernte ich, der ich ja hauptsächlich Spezialist war für die großen Westfalen- und Hannoveraner-Pferde mit Springblut, erstmals das Spanische Pferd kennen und schätzen.“
Hat ein spanisches Pferd die vollständigen Papiere des spanischen Zuchtverbandes und damit die Bezeichnung „Pura Raza Española” (gängige Abkürzung PRE), dann weiß der Besitzer, dass es von vornherein diesen sanften und gutmütigen Charakter besitzt, gepaart mit psychischer Stärke. Das macht diese Pferderasse so gut geeignet für den Freizeitreiter, der in die Natur hinaus will zum Reiten und ein zuverlässiges Pferd braucht. Diese Pferde waren schon im Hochmittelalter als wertvolle Geschenke der spanischen Könige an andere Königshäuser begehrt: Der gesamte europäische Adel ritt im Barock nur auf spanischen Pferden.
Nachdem auch plötzlich der Barock und die Renaissance eine Wiederauferstehung in Kunst und Kultur der Gegenwart erleben, ist das spanische Pferd, das eigentlich im strengen Sinne ein andalusisches Pferd ist, heute wiederum ein Exportschlager in Europa. Der Norddeutsche Rundfunk brachte erst kürzlich eine Sendung über die Barockreiterei, die zunimmt und über einen entsprechenden Reitclub bei Hamburg, der in nachgeschneiderten üppigen Barockkostümen ausreitet. Ein großes Zentrum der Barockreiterei liegt auch bei Heidelberg.
Roland Marx importiert sich fast jedes Jahr ein solches PRE-Pferd. Sie werden aber auch mit Erfolg inzwischen in Deutschland gezüchtet, oft preisgünstiger als im Direktimport, da die hohen Transportkosten weg fallen. Der Ex-Fußballstar Bernd Schuster fing unter anderem damit vor mehr als 15 Jahren im Bergischen Land an, als er von seiner Trainer-Karriere aus Spanien zurück kam, damals noch belächelt für sein Zuchthobby.
Die Pferde mit dem gutmütigen Charakter
Ist das Pferd zudem in den typischen spanischen Gangarten, diesem ausgeprägten spanischen Schritt, ausgebildet, so ist es immer eine Attraktion auf den Shows von der Welt größter Pferdemesse Equitana über „Apassionata“ bis zu allen internationalen Galas und auf der Feria in Jerez sowieso. Bei den Shows ist jetzt auch Roland Marx gern gesehener Gast. Er lernte nämlich auf seinen jährlichen Ferien in Andalusien bei den Haus-Shows der Finca Siesta den bekannten Showreiter Herbert Stein kennen. Herbert Stein ist berühmt für seine Dressurvorstellungen mit spanischen und arabischen Pferden. Er brachte ihm in den letzten Jahren die Showreiterei nahe. Und was Marx macht, das macht er mit seiner Begabung nicht nur gründlich, sondern gleich wieder überragend. „Ich habe mir dazu die echte Jerez-Tracht maßschneidern lassen und habe ja jetzt in meinem Alter die Figur eines spanischen älteren Grandes, so dass die Leute schon in Deutschland sagen: `Hier kommt der Spanier`!“ Die anwesenden Spanier feiern ihn, wenn er nach einem Auftritt vorbei kommt, „und laden mich dann zu einem Glas ihres guten Rotweines ein.“
Die spanische Rasse stellt einzigartige Show-Pferde
Bei der diesjährigen EQUITANA in Essen erhielt er für seine Vorführung standing Ovations, zeigte er doch mit seinem spanischen Hengst Cantara sogar Einer-Galoppwechsel auf dem Zirkel, die nur wenige Reiter beherrschen. Fernsehinterviews waren die Folge und neue Engagements kürzlich erst zur „internationalen Galanacht der Pferde“ in Nürnberg. Immer öfter auch tritt der "deutsche Spanische Reiter" zusammen auf mit seiner Tochter Melanie Werremeyer auf ihrem Lusitano-Hengst Hephesto, wann immer sie einen Babysitter für ihre 15monatige Tochter findet. Die beiden sind in ihren Kostümen dann eine Attraktion jeder Pferde-Show.
Quellen:
- Interview mit Profireiter Roland Marx am 31. Oktober 2011
- CD der Show "Faszination Pferd" in Nürnberg am 29. und 30. Oktober 2011
- Presse-Teilnahme am Casting der spanischen Sektion von Apassionata am 22. Februar 2009 in der Escuela de Arte Ecuestre in Estepona
- Katharina von der Leyen, Thomas Kilper (Fotos): Das Spanische Pferd. Tradition und Reitweisen - Zucht und Haltung. 320 Seiten . BLV-Verlag München. 98 Euro
- Fernsehbeitrag in 3sat als Wiederholung einer NDR-Sendung: Der Pferdetänzer – Pferd und Mensch als Kunstwerk . 25. August 2011
