
- Benutzung einer behindertengerechten Toilette - DB AG - Jürgen Gocke
Reisende mit eingeschränkter Mobilität können Menschen mit einer chronischen Gehbehinderung, Sehbeeinträchtigte oder Taube sein. Aber auch eine junge Mutter mit zwei Kindern, einem Kinderwagen und Reisegepäck, ein älteres Ehepaar oder ein Teenager mit einem Gipsbein gehören dazu. Für diese Gruppe tun sich mitunter bei einer Bahnfahrt Hindernisse auf, zu deren Überwindung zum Teil fremde Hilfe nötig ist. Wer einen Schwerbehindertenausweis mit einem "B" besitzt, darf kostenlos eine Person oder einen Assistenzund als Begleitung mitnehmen. Aber auch für alle anderen und Alleinreisende gibt's natürlich Möglichkeiten, sich gerade beim Ein-, Um- und Aussteigen helfen zu lassen.
Die Telefonauskunft für Menschen mit Einschränkung: die Mobilitätsservice-Zentrale der Bahn
Ob es nun zum Städte-Sightseeing nach London oder zum Badeurlaub ans italienische Mittelmeer geht: Für Menschen mit Einschränkung ist die Bahn ein geeignetes Reisemittel. "Besonders wichtig ist uns die Einrichtung der Mobilitätsservice-Zentrale, die allen Betroffenen schnell und unkompliziert weiterhilft", erklärt Ellen Engel von der Kontaktstelle für kundenbezogene Behindertenangelegenheiten. Unter der Telefonnummer 01805-996633 unter dem Stichwort "Betreuung" oder unter 01805-512512 erfährt man montags bis freitags zwischen 8.00 und 20.00 Uhr, am Samstag, Sonn- und Feiertag bis 16.00 Uhr beispielsweise, ob der gewünschte Bahnhof bereits barrierefrei ist, welchen Zug man am besten nimmt oder wieviel Zeit für's Umsteigen einzuplanen ist sowie wer einem dabei hilft. Bei Inlandsreisen sollte man sich spätestens 24 Stunden vor Reisebeginn, bei internationalen Fahrten sogar 48 Stunden vorher melden.
Der Service am Bahnhof: geschulte Mitarbeiter und das Ziel der barrierefreien Bahnhöfe
An weit mehr als 300 Bahnhöfen bietet die Bahn inzwischen umfangreiche Servicemöglichkeiten für Reisende mit Handicap. Das Personal, das beim Ein-, Um- oder Aussteigen hilft, wurde besonders geschult. Zu den über 1.400 Mitarbeitern kommen noch Kollegen aus den Bahnhofsmissionen und Kooperationsabkommen mit Taxiunternehmen. 2008 wurde bereits etwa 400.000 Mal Hilfe organisiert, 2009 waren es sogar schon 500.000 Einsätze, die über die Mobilitätsservice-Zentrale eingeleitet wurden. Mehr als zwei Drittel der insgesamt 5.400 deutschen Bahnhöfe sind inzwischen stufenfrei erreichbar, und immerhin 2.100 mit einem Blindenleitsystem ausgestattet. Manche verfügen sogar über handlesbare Lagepläne.
Auch im Zug wird immer mehr an Barrierefreiheit gearbeitet
Die 15 neuen ICE 3 für den internationalen Reiseverkehr beispielsweise, die ab Dezember 2011 im Einsatz sind, verfügen über einen Hublift als Einstiegshilfe und ein taktiles Leitsysystem für Blinde, Hinweistafeln im Einstiegsraum oder diverse Piktogramme. Neben speziellen Stehplätzen für einen Rollstuhl am Tisch und rollstuhlgerechten Toiletten gibt es schon jetzt spezielle Liegewagen für Mobilitätseingeschränkte, die eine längere, grenzüberschreitenede Reise antreten möchten. Hilfeleistungen beim Aus- oder Umsteigen im Ausland werden übrigens auch vom Mobilitätsservice in den entsprechenden Ländern vorab angemeldet und organisiert.
Weitere wichtige Service-Leistungen
Im Nahverkehr bis zu 50 Kilometern um den jeweiligen Wohnort und in allen Netzen eines Verkehrsverbundes fahren Menschen mit Behindertenausweis übrigens völlig kostenlos Bahn, wenn sie im Besitz einer Wertmarke für 60 Euro pro Jahr und eines Streckenverzeichnisses sind. Reisende mit Gepäck und Einschränkung können dieses auch zu Hause abholen und an den Zielort liefern lassen, um unterwegs flexibel zu bleiben. Umfangreiche weitere Informationen zur optimalen Reisevorbereitung, zahlreichen Service-Diensten an diversen Bahnhöfen, zu Leistungen im Rahmen des Nachteilsausgleichs sowie ausgewählte Empfehlungen für barrierefreie Reisen bietet die Broschüre "Mobil mit Handicap".
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