Barrierefreies Reisen: Buchung, Hotels & Urlaub für Behinderte

Barrierefreier Strand - Rollistrand - Steffi Raila
Barrierefreier Strand - Rollistrand - Steffi Raila
Reisen für Menschen mit Behinderung liegen im Trend: Veranstalter, Reisebüros und Hotels denken um. Auch Familien mit Kleinkindern und Senioren profitieren.

Was macht ein Blinder im Museum? Woran erkennt ein Tauber, dass jemand vor seinem Hotelzimmer steht und gern reinkommen möchte? Wie kann ein Rollstuhlfahrer auf einem langen Flug die gewöhnlich 1,5 Quadratmeter enge Toilette benutzen? Das sind Fragen, die sich ein beeinträchtigter Mensch nicht nur oft im sogenannten Alltag stellt, sondern eben ganz besonders auch in der Urlaubszeit.

Die individuelle Buchung im Reisebüro: maßgeschneiderter Urlaub auch mit Behinderung

Der Deutsche Reise Verband (DRV) teilte dazu jetzt mit, dass die Touristikunternehmen in den letzten Jahren ihr Angebot für einen stetig wachsenden Markt von mobilitätseingeschränkten Urlaubern stark ausgeweitet haben. „Das Angebot von barrierefreien Unterkünften, Serviceeinrichtungen und Aktivitäten im In- und Ausland ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen“, sagt DRV-Vorstandsmitglied Angelika Hummel. Der Vorteil bei der Buchung eines barrierefreien Urlaubs im Reisebüro liegt auf der Hand: Man kann dem Mitarbeiter gezielt das eigene Handicap erklären und sich dementsprechend von der Anreise über das Hotel bis zu den gewünschten Aktivitäten alles maßgeschneidert zusammenstellen lassen.

Spezialisierte Reiseveranstalter für barrierefreien Urlaub - die Zahl der Anbieter steigt

Barrierefreiheit ist ja nicht nur ein Thema für Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen. Auch Familien mit Kleinkindern, beispielsweise mit Kinderwagen, oder auch Senioren in einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft haben besondere Ansprüche. Wie kommt man zu seinem Sitzplatz im Zug oder Flugzeug? Wohin mit dem Rollstuhl oder Kinderwagen? Gibt es einen speziellen Transfer vom Airport zum Hotel und dort zum Beispiel einen barrierefreien Swimmingpool? Wie kommt man mit Rollstuhl durch den Sand am Strand und ins Meer? Tatsächlich wächst die Zahl der entsprechenden Hotels mit dem gewünschten Serviceangebot. "Auf Teneriffa habe ich ein Hotel gesehen, da waren beispielweise Wege für Rollstuhlfahrer am Strand angelegt und zusätzliche Bedienstete halfen den Behinderten beim Platznehmen auf einer Sonnenliege oder beim Badengehen", schwärmt Steffi Raila, die selbst im Internet das Reisebüro "Behindertengerechte-Reisen" vorwiegend für Gehbehinderte betreibt. Also auch im weltweiten Netz ist der Trend angekommen, und man findet gerade hier Veranstalter, die sowohl das komplette Reiseprogramm für Menschen mit Einschränkung anbieten, aber auch den Urlaub für gemischte Gruppen verkaufen.

Zukunftsmarkt der Tourismusbranche: barrierefreies Reisen

Barrierefreie Reisebusse oder Kreuzfahrtschiffe werden so allmählich zum Standard bei Spezialanbietern - aber auch bei den herkömmlichen großen Veranstaltern. Die Bahn bietet zum Beispiel die Broschüre "Mobil mit Handicap" an, und Lufthansa-Sprecher Jan Bärwalde erklärt, dass auf Langstreckenflügen seiner Gesellschaft grundsätzlich im Flugzeug ein spezieller Rollstuhl an Bord ist. Die Toiletten seien entweder behindertengerecht oder ließen sich entsprechend einer seit 2006 gültigen EU-Verordnung aus zwei Einzelkabinen kombinieren. Besonders wichtig jedoch ist ihm, dass auch das Bordpersonal extra Schulungen zum Umgang mit diesen Situationen besuche. Außerdem macht es großen Sinn, wenn der beeinträchtigte Passagier sich ein paar Tage vor dem Flug mit der Airline in Verbindung setzt, um Details und besondere Wünsche frühzeitig abzusprechen.

Im Reisebüro kann man tatsächlich inzwischen (spezielle) Pauschalreisen für Rollstuhlfahrer oder Museumsführungen für Sehbehinderte buchen. Hotelzimmer für Schwerhörige und Taube sind heute mit Leuchtmarkierungen versehen, und auch Senioren profitieren von einem altersgerecht eingerichteten Badezimmer. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie verkündet dementsprechend, dass Menschen mit Behinderung allein im Urlaub 2008 innerhalb Deutschlands nur für Übernachtungen schon etwa 1,6 Milliarden Euro ausgegeben haben. Der Tourismus für Reisende mit Einschränkungen ist damit ganz sicher einer der Zukunftsmärkte der Branche.

Helmi Schäfer, fotografiert von Nils Wiemer Wiemers

Helmi Schäfer - Journalist seit 1987Hörfunk- und FernsehredakteurMultimediaPolitologe & Producerseit Januar 2008 bei ...

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