Bartholomew Roberts - Der erfolgreichste Pirat aller Zeiten

Totenkopf-Flagge - Bernd Teuber
Totenkopf-Flagge - Bernd Teuber
In weniger als vier Jahren kaperten Bartholomew Roberts und seine Mannschaft mehr als vierhundert Schiffe.

Schon lange vor Johnny Depps Auftritt als Jack Sparrow wurde die Karibik von Piraten unsicher gemacht. Einer der Erfolgreichsten war zweifellos Bartholomew Roberts. Geboren wurde er am 17. Mai 1682 als John Roberts im walisischen Casnewydd-Bach in Pembrokeshire. Im Alter von 13 Jahren beschloss er, zur See zu gehen. Bis zum Jahr 1718 existieren keine weiteren Aufzeichnungen über ihn, dann arbeitete er als Steuermann auf einer kleinen Schaluppe. 1719 wurde er Dritter Offizier auf dem Sklavenschiff "Princess" unter dem Kommando von Kapitän Abraham Plumb.

Anfang Juni ankerte das Schiff vor der Goldküste von West Afrika (dem heutigen Ghana). Dort wurde die Besatzung von zwei Piratenschiffen, der "Royal Rover" und der "Royal James", angegriffen. Ihr Anführer war Kapitän Howell Davis. Wie Roberts war auch er Waliser und stammte ursprünglich aus Milford Haven in Pembrokeshire. Die Crew der "Princess" wurde gezwungen, sich den Piraten anzuschließen. Davis erkannte schnell, dass Roberts ein guter Navigator war. Vor allem konnte er ihm Informationen in walisisch anvertrauen, ohne das der Rest der Mannschaft etwas davon mitbekam. Roberts zögerte anfangs, ein Pirat zu werden, doch er erkannte sehr schnell die Vorteile dieses Lebensstils.

Kapitän Howell Davis geriet in einen Hinterhalt

Allerdings wurde ihm diese Entscheidung auch sehr leicht gemacht. In der Handelsmarine verdiente er weniger als 3 Pfund pro Monat und hatte keine Chance, jemals zum Kapitän befördert zu werden. Als Pirat konnte er Reichtümer anhäufen. Ein paar Wochen später musste die "Royal James" wegen Wurmschaden aufgegeben werden. Die "Royal Rover" näherte sich der Isle of Princes (heute Principe). Davis hisste die Flagge eines britischen Kriegsschiffs und durfte in den Hafen einlaufen. Einige Tage später lud er den Gouverneur zum Mittagessen ein, um ihn als Geisel zu nehmen und Lösegeld zu erpressen.

Als Davis mit einem Boot an Land fuhr, um den Gouverneur abzuholen, wurde er zu einem Glas Wein in die Festung eingeladen. Zu spät erkannte er, dass es eine Falle war. Die Portugiesen hatten nämlich bemerkt, dass es sich bei ihren Besuchern um Piraten handelte. Auf dem Weg zur Festung geriet Davis in einen Hinterhalt und wurde erschossen. Nun musste ein neuer Kapitän gewählt werden. Als aussichtsreichster Kandidat erwies sich Bartholomew Roberts, obwohl er erst seit sechs Wochen zu den Piraten gehörte. Hauptgrund für diese Entscheidung waren vermutlich seine Navigationsfähigkeiten. Roberts erste Handlung als neuer Kapitän war die Rückkehr zur Isle of Princes um den Tod von Howell Davis zu rächen. Im Dunkel der Nacht schlichen sich die Piraten auf die Insel, töteten einen Großteil der männlichen Bevölkerung und raubten alle Wertgegenstände, die sie finden konnten.

Roberts Tod beendete das Goldene Zeitalter der Piraterie

Alsbald trieben sie entlang der afrikanischen und karibischen Küsten ihr Unwesen. In weniger als vier Jahren kaperten Roberts Männer mehr als 400 Schiffe. Im Februar 1722 wurden sie von dem britischen Kriegsschiff "Swallow" aufgespürt. Es kam zum Gefecht. Ein Schuss in die Kehle tötete Bartholomew Roberts. Seine Mannschaft wickelte den Kapitän in ein Segel und warf ihn über Bord. Die Leiche wurde nie gefunden.

Roberts Tod schockierte die Piratenwelt und die Royal Navy gleichermaßen. Viele hatten ihn für unbesiegbar gehalten. Andere verehrten ihn als Helden. Historiker sehen seinen Tod als das Ende des Goldenen Zeitalters der Piraterie. Bartholomew Roberts war übrigens dafür bekannt, dass er keinen Alkohol trank - sonder Tee bevorzugte. Außerdem hatte er eine Schwäche für elegante Kleidung. Stets trug er einen mit Federn geschmückten Dreispitz. Auch in der Literatur spielte der Name des Piratenkapitäns eine Rolle. Robert Luis Stevenson erwähnte ihn in seinem Roman "Die Schatzinsel". Dort sagte Long John Silver, dass der Arzt, der ihm das Bein amputierte, einer von Roberts Männern gewesen sei.

Quelle: Aubrey Burl: "Bartholomew Roberts" Sutton Series 2006, ISBN 0-7509-4312-2